Segeln olympischErik Heil auf dem Weg der Besserung

Tatjana Pokorny

 · 31.08.2015

Segeln olympisch: Erik Heil auf dem Weg der BesserungFoto: SailingEnergy/Pedro Martinez
Olympische Testregatta in Rio de Janeiro 2015

49er-Europameister Heil ist nach seiner Erkrankung infolge des Starts bei der Testregatta in Rio noch vorsichtig, doch es geht ihm besser

  Nach mehreren Behandlungen in der Berliner Charité ist Erik Heil inzwischen wieder zu Hause in Kiel und auf dem Weg der BesserungFoto: Heil
Nach mehreren Behandlungen in der Berliner Charité ist Erik Heil inzwischen wieder zu Hause in Kiel und auf dem Weg der Besserung

Vorsichtige Entwarnung aus Kiel: Der infolge seines Einsatzes bei der Testregatta im Olympiarevier von Rio de Janeiro an einer schweren bakteriellen Infektion erkrankte 49er-Europameister Erik Heil ist auf dem Weg der Besserung. Das berichtete der Bronzemedaillengewinner der Generalprobe YACHT online am Dienstagmittag in einem Telefonat. Der am Montagabend in seine Kieler Wohnung zurückgekehrte Athlet befindet sich zwar weiter in ärztlicher Behandlung, konnte aber von mehreren abgeheilten Entzündungsherden berichten. "Nur das Loch im Bein ist noch tief. Die Drainage muss noch eine Weile drinbleiben. Das zieht sich", sagte Heil, der auch daheim als Vorsichtsmaßnahme weiter täglich Handtücher, Bettwäsche und andere Gebrauchsgegenstände wechselt und damit einigen Hygienevorschriften folgt. Versorgt wird Heil außerdem von seinem Nachbarn und ehemaligen Teamgefährten in der Nationalmannschaft: Lasersegler Malte Kamrath, derzeit als Arzt im praktischen Jahr im Kieler Krankenhaus tätig, schaut regelmäßig nach Heil, der ab kommender Woche gerne wieder aufs Wasser möchte, wenn die Ärzte grünes Licht geben.

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  Inzwischen vollständig abgeheilt: die Infektion an der HüfteFoto: Heil
Inzwischen vollständig abgeheilt: die Infektion an der Hüfte

Zuvor hatte am Montag der detaillierte Laborbefund der Blutuntersuchungen Heils noch einmal bestätigt, dass die Wundinfektionen an Beinen und Hüfte von multiresistenten Bakterien (MRSA) verursacht wurden. Ärzte und Sportler gehen weiterhin davon aus, dass sich Heil damit höchstwahrscheinlich im besonders verunreinigten Hafen der Marina da Gloria oder – aus ihrer Sicht weniger wahrscheinlich – auf den olympischen Binnenkursen in der Guanabara-Bucht infiziert hat. "Wo anders hätte ich mir diese Infektionen holen sollen?", so Heil, "sie haben nach den ersten eineinhalb Wochen nach Segelbeginn in Rio de Janeiro begonnen." Die nachgewiesenen Bakterien beinhalteten im Fall Heil einen Enzymzusatz, der die Bakterien tiefer in die Haut eindringen lässt, womöglich sogar das Eindringen in die Haut ganz ohne Vorverletzung ermöglicht.

Sportlich bleibt Heil nach der Erkrankung und den Aufregungen der vergangenen Tage bei seinem Blick auf das umstrittene Olymparevier hin- und hergerissen. "Für uns als Team, für Thomas und mich, bleibt Rio weiter ein gutes Revier. Die drei Binnenkurse sind der Ort, an dem wir am dichtesten an 49er-Weltmeister Peter Burling herankommen können. Würden wir nur auf den Außenkursen segeln, könnte er dort sein großes Geschwindigkeitspotenzial viel besser ausspielen." Heil ist trotz seiner Erkrankung kein Befürworter einer Verlegung des Olympiareviers, beispielsweise nach Buzios, geworden. Er sagt: "Wir müssen uns einfach sehr gut auf dieses Olympiarevier vorbereiten, vielleicht mit Anglerhosen aus dem Hafen starten und die dann auf dem Kurs ausziehen, um so den möglichen Kontakt mit Bakterien zu minimieren. Das Grundproblem ist ja, dass man sich die Bakterien im besonders durch die eingeleiteten Krankenhausabwässer verunreinigten Hafen jeden Tag wieder aufs Neue aufs Neopren draufhaut. Dieses Neopren liegt dann, gerade bei wenig Wind oder längeren Startverschiebungen, auch einfach einmal stundenlang auf der Haut. Da wächst die Chance einer bakteriellen Infektion. Dagegen müssen wir vorbeugen."

  Rechnen sich im Falle ihrer Olympia-Qualifikation Medaillenchancen aus: Erik Heil und Thomas Plößel im 49er. Bei der Generalprobe gewann das Berliner Duo BronzeFoto: SailingEnergy/Pedro Martinez
Rechnen sich im Falle ihrer Olympia-Qualifikation Medaillenchancen aus: Erik Heil und Thomas Plößel im 49er. Bei der Generalprobe gewann das Berliner Duo Bronze

Heil sagt, sein Team habe in den vergangenen drei Jahren kein Problem auf den Kursen in der Guanabara-Bucht gehabt. "Natürlich könnten die Bakterien auch aus der Bucht kommen, doch ich halte den Hafen als Hauptverursacher für viel wahrscheinlicher. Gegen diese Gefahr können wir vorbeugen. Wir gehen weiter davon aus, dass dort 2016 um olympische Medaillen gesegelt wird", so Heil, "und darauf werden wir uns einstellen. Gleichzeitig können wir nur immer wieder an die Organisatoren appellieren, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um die Gewässer so gut wie möglich zu reinigen."

Bis dahin wollen Heil und viele andere Aktiven ihre Schutzmaßnahmen gegen die unsichtbare Gefahr im Olympiarevier weiter ausbauen. Es sei denkbar, die Neoprenanzüge sehr regelmäßig zu reinigen, zu desinfizieren und sogar auszutauschen. Die gründliche Desinfektion aller Körperöffnungen nach einem Segeltag dürfte ebenso wie das regelmäßige Abduschen mit Süßwasser an Bord der Trainerboote und an Land schon jetzt in vielen Teams Standard sein. Die Reinigung der Segelbekleidung mit desinfizierendem Waschmittel ebenfalls. Von Interesse, so Heil, seien möglicherweise auch die im Triathlon verbreiteten Neoprenanzüge mit ihren glatten und wasserdichten Oberflächen.

Sportlich steht für Heil und seinen Vorschoter Thomas Plößel Mitte November im WM-Rever der 49er vor Buenos Aires die zweite und vielleicht schon vorentscheidende Regatta der dreiteiligen nationalen Olympiaqualifikation auf dem Programm. Zum Auftakt hatten Heils jüngere Team- und Sparringspartner Justus Schmidt und Max Boehme mit ihrem überraschenden EM-Titel zunächst mit 25:13 Punkten die Führung im deutsch-deutschen Duell um die 49er-Olympiafahrkarte übernommen. "Wir müssen eine Hammer-WM hinlegen", urteilt Heil realistisch über die Chancen seines Teams.

Weil das Punktsystem für die nationale Olympia-Ausscheidung Titel und Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften besonders belohnt, haben sich Heil und Plößel einen Podiumsplatz zum Ziel gesetzt, um den Vorsprung der Rivalen möglichst zu egalisieren. "Wir sind guter Dinge", sagt Heil, "ein fünfter Platz ist realistisch, ein zweiter wäre absolutes Top-Niveau." Gleichzeitig haben die deutschen Teams in Argentinien eine gemeinsame Aufgabe zu lösen und eine weitere entscheidende Hürde zu nehmen, denn der deutsche 49er-Nationenstartplatz ist aufgrund der verpatzten WM 2014 vor Santander noch nicht gesichert. Diesen Platz muss eine der beiden Mannschaften des Sailing Team Germany im November erkämpfen, damit das Duell um das Olympiaticket weiter Sinn ergibt. Trotz der Doppelbelastung erwartet Heil kein frühzeitiges Belauern und Duellieren der beiden deutschen 49er-Männer-Mannschaften: "Das macht wenig Sinn. Es ist noch nicht der Zeitpunkt dafür."

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