Die einen feiern schon den Meilenstein Olympia-Qualifikation und sind mit unvermindert intensivem Trainings- und Regattaplänen auf die Zielgerade eingebogen. Einige Seglerinnen und Segler aber müssen noch zittern und kämpfen. Weil die Nominierungskriterien zwar gleich, die Ausscheidungsregatten aber für die verschiedenen olympischen Segeldisziplinen unterschiedlich sind, geben wir hier einen Überblick über den Status quo.
Mit ihrer Nominierung für die olympische Regatta im August rechnen dürfen Laser-Vizeweltmeister Philipp Buhl (Sonthofen/Segelclub Alpsee Immenstadt), die beiden deutschen Skiff-Teams Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin, Verein Seglerhaus am Wannsee) und Erik Heil/Thomas Plößel (Berlin, Norddeutscher Regatta Verein) sowie die 470er-Europameister Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski (München/Berlin, Segler Verein Wörthsee/Joersfelder Segel-Club). Letztere können ihren sicheren Platz in den Top-Ten-Nationen (4.) nach drei Ausscheidungsregatten kaum mehr verlieren. Auch RS:X-Surfer Toni Wilhelm blickt seinem dritten Olympiastart entgegen. Der gebürtige Lörracher Olympia-Vierte von 2012 hatte sich seine Rio-Fahrkarte bei der WM in Israel gesichert. Als "dienstältestes" Mitglied des Olympiakaders will es der 33-jährige Sportwissenschaftler im Kampf um die Medaillen unter dem Zuckerhut noch einmal wissen.
Die oben genannten Mannschaften dürften dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) entsprechend der festgelegten Qualifikationsbedingungen vom Deutschen Segler-Verband (DSV) vorgeschlagen und in der ersten Nominierungsrunde am 31. Mail offiziell durch den DOSB nominiert werden.
Andere olympisch ehrgeizige Teams aber müssen trotz der erfolgten Sicherung des Nationenstartplatzes und guter Leistungen noch zittern. Sie haben noch das für einen Olympiastart zusätzlich geforderte DOSB-Kriterium zu erfüllen. Dazu müssen sie nach ihren jeweils drei vorab festgelegten Ausscheidungsregatten unter den besten zehn Nationen ihrer Disziplin platziert sein. Und sich – im Fall der neuen olympischen Mixed-Katamaran-Klasse Nacra 17 – auch gegen die nationale Konkurrenz durchsetzen.
Für die 470er-Seglerinnen Annika Bochmann und Marlene Steinherr vom Verein Seglerhaus am Wannsee gilt es, bei der Europameisterschaft im Revier vor Palma de Mallorca ab kommendem Wochenende ihren 8. Platz in den Top-Ten-Nationen zu verteidigen. Da sitzen beispielsweise nicht nur die neunt- und zehntplatzierten Länder, sondern auch die Schweizerinnen als Elfte mit 13 Zählern Rückstand den Deutschen im Nacken. Die Aufgabe ist für Bochmann/Steinherr nicht leicht zu lösen, aber machbar.
Auch die "German Wonder Kids" Paul Kohlhoff und Carolina Werner sind nach bemerkenswerten Leistungen im vergangenen Jahr (WM-Fünfte, Vierte bei der olympischen Testregatta vor Rio) und zuletzt einigen Dämpfern im Olympia-Endspurt gefordert: Die jungen Kieler müssen zum einen ihren Vorsprung vor den zuletzt stärker aufkommenden Flensburgern Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann verteidigen. Nach zwei von drei Ausscheidungsregatten steht es vor dem Ausscheidungs-Finale 13:5 für Kohlhoff/Werner, die damit acht Punkte Vorsprung in den Showdown Ende April bei der Semaine Olympique in Frankreich mitnehmen.
Gleichzeitig müssten Kohlhoff/Werner zum Abschluss der nationalen Ausscheidung in der neuen olympischen Katamaran-Mixed-Disziplin ihren furios erkämpften, aber sehr knappen zehnten Platz in den Top-Ten-Nationen unbedingt halten. Elfte sind hier beispielsweise die starken Argentinier mit Steuermann Santiago Lange. Auch die Rivalen Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann haben noch eine minimale Olympia-Chance. Die Flensburger müssten aber ebenfalls die oben genannten Bedingungen erfüllen, Kohlhoff/Werner nach Punkten schlagen und zusätzlich die Semaine Olympique in den Top-Zwölf-Teams abschließen. Es bleibt also bis zum 1. Mai (Finaltag vor Hyères) spannend auf Kurs Rio.
Auch für die paralympischen Segler markiert die Semaine Olympique das Ausscheidungsende. 2.4mR-Steuermann Heiko Kröger ist bei seinem Sturm in Richtung Rio von Teamkamerad Lasse Klötzing kaum mehr aufzuhalten, zu zwingend waren die Leistungen von Deutschlands Segler des Jahres 2015 bislang. Kröger führt die Ausscheidung klar an und wird aller Voraussicht nach bei der vorerst letzten paralympischen Regatta im September vor Rio de Janeiro erneut um eine Medaille kämpfen. Ebenso segelt das Sonar-Team um Jens Kroker auf Kurs Paralympics.

Freie Reporterin Sport