Tatjana Pokorny
· 23.05.2018
Mit drei Medaillen bei der 470er-Europameisterschaft haben die deutschen 470er-Segler gut zwei Monate vor der Weltmeisterschaft aller olympischen Disziplinen im dänischen Aarhus ein fast schon sensationelles Ausrufezeichen hinter ihre zuletzt schon stark angestiegene Leistungskurve gesetzt. So erfolgreich waren deutsche Teams in der olympischen Zweihandklasse lange nicht mehr. Die Berlinerinnen Frederike Loewe (Verein Seglerhaus am Wannsee) und Anna Markfort (Joersfelder Segel-Club) segelten zu Silber, mussten sich nur den Sloweninnen Tina Mrak und Veronika Macarol geschlagen geben. Den Doppel-Erfolg bei den Damen machen Nadine Boehm und Ann-Christin Goliass vom Deutschen Touring Yacht-Club mit Bronze perfekt. "Das fühlt sich an wie ein Doppel-Sieg", jubelte Frederike Loewe über das starke Team-Ergebnis, das die junge NRV-Crew Fabienne Oster und Anastasiya Winkel mit Platz zehn erfolgreich abrundete.
Bundestrainer Marek Chocian konnte mit seinen Schützlingen endlich die Früchte der Arbeit ernten, mit der sich die 470er-Seglerinnen in den vergangenen Monaten so kontinuierlich und nun auch deutlich gesteigert hatten. "Das Team ist der Schlüssel! Wir hatten während der vergangenen Olympiade Probleme mit dem Teamwork, doch jetzt ziehen alle an einem Strang. Ich habe immer gesagt, dass wir nur als Team nach vorn kommen. Das Team ist der wichtigste Faktor! Dieser Erfolg ist das Ergebnis der Veränderungen, die wir vorgenommen haben. Wir sind happy, aber noch lange nicht am Ziel. Unsere nächste große Aufgabe ist die Sicherung der Nationenqualifikation für Olympia 2020 bei der WM in Aarhus."
Auch bei den Männern segelten mit Malte Winkel (Schweriner Yacht Club) und Matti Cipra (Plauer Wassersportverein) zwei von Robert Remus trainierte deutsche Segler auf dem Siegerpodest. Simon Diesch (Württembergischer Yacht-Club) und Philipp Autenrieth (Bayerischer Yacht-Club) hatten das Medaillenrennen als Elfte knapp verpasst.
Für die Weltmeisterschaft aller olympischen Disziplinen im dänischen Aarhus, wo es im August um die ersten Nationenqualifikationen für die Olympischen Spiele 2020 geht, kam die eindrucksvolle Kampfansage der DSV-470er-Flotte bei diesen europäischen Titelkämpfen zum richtigen Zeitpunkt – mit ihnen ist wieder zu rechnen. Die aktuellen EM-Erfolge erinnern an einstige Glanzzeiten deutscher 470er-Segler, in denen Weltmeister wie Jörn Borowski, Eckbert Svensson, Wolfgang Hunger, Rolf Schmidt, Susanne Meyer, Katrin Adlkofer, Tanja Stemmler, Ines Bohn, Sabine Rohatzsch und viele weitere weltweit das Maß der Dinge waren.
Steuerfrau Nadine Boehm sagte: "Diese EM-Erfolge sind sicher ein Ergebnis unserer Zusammenarbeit als Team in den vergangenen Monaten – wie wir uns pushen und stark machen! Wenn wir weiter so mit unserem Trainer Marek Chocian arbeiten, sollten unsere Chancen ähnlich gut sein, bei der WM die Nationenqualifikation zu sichern – das große Ziel für uns alle."
"Wir fühlen uns für Aarhus gut gerüstet", sagte auch Steuerfrau Frederike Loewe vom Verein Seglerhaus am Wannsee. "Wir waren jetzt bei drei Regatten in diesem Jahr dreimal im Medaillenrennen, Tendenz aufsteigend. Das ist ein gutes Zeichen. Bei dieser EM waren Fitness und Konstanz die Themen. Wir waren oft k. o., haben aber nie locker gelassen." Nadine Boehm und Ann-Christin Goliass haben sich ihre Bronzemedaille mit kämpferischer Leistung und Rang 3 im Medaillenfinale gesichert. "Wir haben gekämpft bis zum Ende. Wir wussten, dass wir alles geben müssen, haben nie nachgelassen und sind jetzt super, super happy."

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