Segeln olympischDie siebte Rio-Fahrkarte ist in Gefahr

Tatjana Pokorny

 · 28.04.2016

Segeln olympisch: Die siebte Rio-Fahrkarte ist in GefahrFoto: Jesus Renedo/Sailing Energy/Weltcup Hyères
Weltcup Hyères 2016 Tag 3

Rückschlag für deutsche Nacra-17-Crews: Beim Ausscheidungs-Finale fielen Erichsen/Spitzmann auf Platz 12 zurück. Kohlhoff/Werner sind 24

  Für den Moment entzauberte "Wonder Kids": Paul Kohlhoff und Carolina Werner kommen beim Weltcup vor Hyères ausgerechnet im Ausscheidungsfinale um das Rio-Ticket nicht in FahrtFoto: Jesus Renedo/Sailing Energy/Weltcup Hyères
Für den Moment entzauberte "Wonder Kids": Paul Kohlhoff und Carolina Werner kommen beim Weltcup vor Hyères ausgerechnet im Ausscheidungsfinale um das Rio-Ticket nicht in Fahrt

Auf der Zielgeraden zu den Olympischen Spielen gerät das erhoffte siebte Rio-Ticket für die deutsche Segel-Nationalmannschaft in Gefahr. Am dritten Weltcup-Tag vor Hyères fielen die Flensburger Nacra-17-Segler Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann auf Platz zwölf zurück. Ihre Kieler Rivalen Paul Kohlhoff und Carolina Werner finden als Gesamt-24. weiter nicht zu ihrer glänzenden Vorjahres-Form zurück. Was an den ersten Weltcup-Tagen auf einen überraschenden Ausscheidungssieg für Erichsen/Spitzmann hindeutete, gerät nun zur großen Zitterpartie.

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  Kämpften am Freitag mit gemischter Bilanz: Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann. Ihr Trainer Jörg Rothert bemängelte, dass es zu Matchrace-Attacken von Kohlhoff/Werner gegen Erichsen/Spitzmann gekommen seiFoto: Jesus Renedo/Sailing Energy/Weltcup Hyères
Kämpften am Freitag mit gemischter Bilanz: Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann. Ihr Trainer Jörg Rothert bemängelte, dass es zu Matchrace-Attacken von Kohlhoff/Werner gegen Erichsen/Spitzmann gekommen sei

Für Olympia reicht es nicht, nur die nationale Konkurrenz nach Punkten zu besiegen. In diesem Duell hätten weiterhin Erichsen/Spitzmann die Bugspitze vorn. Entsprechend der Kriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) müssen die deutschen Olympiasegler am Ende ihrer jeweiligen Ausscheidungsserien mit drei vorab festgelegten Regatten rechnerisch einen Platz unter den besten zehn Nationen belegen. Für die Nacra-17-Crews markiert der Weltcup vor Hyères das Ausscheidungsfinale.

  Segelt die Nacra-17-Flotte ohne deutsche Beteiligung vor Rio?Foto: Jesus Renedo/Sailing Energy/Weltcup Hyères
Segelt die Nacra-17-Flotte ohne deutsche Beteiligung vor Rio?

Beim Zwischenstand nach drei Tagen und neun Wettfahrten hätte am Freitagabend keine der beiden deutschen Nacra-17-Mannschaften die DOSB-Bedingungen erfüllt. Während sie selbst wackeln, trumpfen die direkten internationalen Gegner beim Weltcup und damit auch in der von den deutschen Ausscheidungs-Wächtern geführten Nationenwertung stark auf. So müssten beispielsweise Erichsen/Spitzmann die in der Nationenwertung vor ihnen positionierten Argentinier Santi Lange und Cecilia Carranza Saroli deutlich überholen (die Südamerika haben in der nach DOSB-Vorgaben geführten Nationenwertung 4 Punkte Vorsprung), um noch in die Top Ten vorzudringen. Eine Gefahr für die Olympiaträume der deutschen Mixed-Katamaran-Segler stellen auch die erfahrene Steuerfrau Mandy Mulder und Coen de Koning dar. Die Niederländer hatten verletzungsbedingt nicht an den ersten beiden aus deutscher Sicht wichtigen Ausscheidungsregatten teilgenommen. Jetzt aber melden sie sich beim Weltcup als Spitzenreiter nach neun Rennen eindrucksvoll zurück und entwickeln sich damit ebenfalls zu einem für die deutschen Crews gefährlichen Hindernis auf dem Weg in die Top Ten.

Die Rechenspiele ließen sich fortsetzen. Was zählen wird, sind die Ergebnisse in den drei geplanten Samstag-Wettfahrten für die Nacra-17-Flotte. Danach wird am Vorabend des Medaillenrennens abgerechnet und voraussichtlich klar sein, ob der deutsche Segelsport bei der Premiere der neuen olympischen Mixed-Katamaran-Klasse dabei ist oder nicht. Morgen geht es vor Hyères um nichts weniger als die vom Audi Sailing Team herbeigesehnte siebte und letztmögliche Olympia-Fahrkarte.

  Sein Weltcup-Tag verlief mit den Rängen 33 und 15 auch nicht nach Wunsch: Philipp Buhl liegt als Gesamt-Fünfter dennoch weiter gut im RennenFoto: Jesus Renedo/Sailing Energy/Weltcup Hyères
Sein Weltcup-Tag verlief mit den Rängen 33 und 15 auch nicht nach Wunsch: Philipp Buhl liegt als Gesamt-Fünfter dennoch weiter gut im Rennen

Der dritte Wettfahrttag bot in Frankreich auch für die meisten anderen deutschen Olympiasegler und die paralympischen Crews nur wenige Grund zum Jubeln: Laser-Vize-Weltmeister Philipp Buhl büßte in den leichten Winden seine Führung ein, fiel mit den Rängen 33 und 15 auf Platz 5 zurück. 2.4mR-Steuermann Heiko Kröger verlor als Vortages-Fünfter mit den Rängen 12, 7 und 2 einen Platz. Die 470er-Europameister Ferdi Gerz und Oliver Szymanski kämpfen als Zehnte am Samstag um den Einzug ins Medaillenfinale, das für die Olympia-Starterinnen Annika Bochmann und Marlene Steinherr auf Platz 16 bei den 470er-Frauen nur noch schwer zu erreichen sein wird. Als beste deutsche Crew lagen die Berliner Erik Heil und Thomas Plößel im 49er nach acht Wettfahrten am Freitagabend auf Platz vier. Die 49erFX-Seglerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz kämpfen am Samstag als Siebte mit guten Aussichten um einen Platz im Medaillenfinale. RS:X-Surfer Toni Wilhelm ringt um Konstanz, wahrte als Neunter aber seine Finalteilnahmechance. In der Sonar konnte sich die Crew mit Steuermann Lasse Klötzing über einen Tagessieg freuen, liegt auf Platz sieben.

  Lasse Klötzing steuerte das deutsche Sonar-Team zu einem Tagessieg. In geänderter Crew-Formation liegt das Trio mit Jens Kroker und Siegmund Mainka nach drei Tagen auf Platz siebenFoto: Pedro Martinez/Sailing Energy/Weltcup Hyères
Lasse Klötzing steuerte das deutsche Sonar-Team zu einem Tagessieg. In geänderter Crew-Formation liegt das Trio mit Jens Kroker und Siegmund Mainka nach drei Tagen auf Platz sieben
  Noch nicht so konstant unterwegs wie gewünscht, aber als Neunter auf Kurs Medaillenfinale: RS:X-Surfer Toni WilhelmFoto: Pedro Martinez/Sailing Energy/Weltcup Hyères
Noch nicht so konstant unterwegs wie gewünscht, aber als Neunter auf Kurs Medaillenfinale: RS:X-Surfer Toni Wilhelm

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