Olympische Spiele

Segeln olympisch: Die Schöne und das Biest in ihr

Tatjana Pokorny

 · 27.02.2020

Segeln olympisch: Die Schöne und das Biest in ihrFoto: Ocean Images

Marit Bouwmeester zählt zu den erfolgreichsten Seglerinnen der Welt. Jetzt nimmt die Holländerin mit ihrem vierten WM-Titel Kurs aufs zweite Olympia-Gold

Dort, wo am 16. Februar Philipp Buhl seinen ersten WM-Titel im Laser feierte, schlug Marit Bouwmeester heute zum vierten Mal zu: Die Niederländerin holte sich in der Phillip-Bucht vor Melbourne ihren WM-Titel zurück, den sie in den beiden Vorjahren erst der Belgierin Emma Plasschaert (2018) und dann der dänischen Rivalin Anne-Marie Rindom (2019) hatte überlassen müssen. Bouwmeester ist zur richtigen Zeit wieder voll da und startet nun im Sommer im Laser Radial vier Jahre nach ihrem goldenen Triumph unter Rio de Janeiros Zuckerhut erneut als Top-Favoritin in die olympische Regatta. Olympia-Silber hatte sie 2012 gewonnen. Dem Olympiasieg von 2016 würde Marit Bouwmeester im japanischen Revier von Enoshima ab 26. Juli liebend gern einen zweiten folgen lassen.

  Rolex-Weltseglerin des Jahres 2017: Marit Bouwmeester – von ihrem Verband bereits für Olympia 2020 nominiertFoto: EderAcevedoWeddingPhotography2017/World Sailing
Rolex-Weltseglerin des Jahres 2017: Marit Bouwmeester – von ihrem Verband bereits für Olympia 2020 nominiert
  Nur eines der legendären Bilder, die von Marit Bouwmeester in den vergangenen Jahren entstanden. Mit diesem hatte Fotokünstler Jesus Renedo an einem Fotowettbewerb teilgenommenFoto: Jesus Renedo/Sailing Energy
Nur eines der legendären Bilder, die von Marit Bouwmeester in den vergangenen Jahren entstanden. Mit diesem hatte Fotokünstler Jesus Renedo an einem Fotowettbewerb teilgenommen

Bekannt als trainingsintensive und athletisch herausragend ausgebildete Einzelkämpferin, hat Bouwmeester zuletzt ihr Konzept geändert und sich gemeinsam mit drei weiteren niederländischen Teamkameradinnen auf WM- und Olympiavorbereitung konzentriert. Das WM-Ergebnis des Quartetts zeigt das Niveau, auf dem die fliegenden Holländerinnen nun gemeinsam operieren. Vizeweltmeisterin wurde in Down Under Bouwmeesters "Thronfolgerin" Maxime Jonker. Daphne van der Vaart segelte auf Platz sieben, die junge Teamkameradin Mirthe Akkerman auf Platz 10 – die Addition der Erfolge ergab vier Top-Ten-Platzierungen für die Gastgeber der gemeinsamen Segel-Weltmeisterschaft aller olympischen Segeldisziplinen 2022 in Den Haag. "Wir haben gerade erst begonnen, gemeinsam zu trainieren", berichtete Bouwmeester, "das Trainingsniveau ist so hoch. Sie machen mir jeden Tag Druck. Das Ergebnis hier ist wirklich eine Teamleistung." WM-Bronze sicherte sich in Australien die Norwegerin Line Flem Høst.

  In ihrem Element: Laser-Radial-Bändigerin Marit BouwmeesterFoto: Sander van der Borch
In ihrem Element: Laser-Radial-Bändigerin Marit Bouwmeester

Das Biest in sich beschrieb Bouwmeester am Ende der Serie heiter, als sie auf die Frage antwortete, warum sie in einem Rennen mit einer gelben Flagge bestraft wurde: "Ich habe das Boot zu hart gerockt. Ich dachte schon, dass ich eine gelbe Flagge verdiene, und dann bekam ich sie auch…" Bouwmeester ist Meisterin darin, sich für den Erfolg zu quälen und an die eigenen Grenzen zu gehen, manchmal auch darüber hinaus.

  Laser-Radial-Steuerfrau Svenja Weger, hier bei der Kieler WocheFoto: tati
Laser-Radial-Steuerfrau Svenja Weger, hier bei der Kieler Woche

Deutschlands beste Laser-Radial-Steuerfrau Svenja Weger beendete die Welttitelkämpfe mit Platz 13. Die 26-jährige Sportsoldatin und Psychologie-Studentin vom Potsdamer Yacht-Club, die unter der Regie von Jonasz Stelmaszyk trainiert, konnte mit zwei Top-Fünf-Rängen zwar glänzen, hatte sich aber in schwierigsten WM-Bedingungen auch einige zu hohe zweistellige Ergebnisse eingefangen. Den Finaltag, an dem sie die Dreher nicht optimal erwischte, beschrieb Weger als "sehr schwierig, sehr drehend und löchrig". Ihre Bilanz fiel zum Auftakt der nationalen Olympia-Ausscheidung der Laser-Radial-Seglerinnen aber vorsichtig optimistisch aus: "Im Großen und Ganzen bin ich mit der Regatta als Einstieg in unsere Olympia-Quali zufrieden. Ein Streicher zu viel im Qualifying hat mich leider wertvolle Punkte gekostet." Im Gegensatz zu den Laser-Männern, bei denen sich Philipp Buhl als Weltmeister bereits souverän für die Olympia-Regatta qualifiziert hat, sind die Damen mit der WM in Australien gerade erst in ihre Ausscheidung durchgestartet.

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