Platz 17 nach zwei Tagen und vier Rennen war nicht das, was sich Philipp Buhl für den Auftakt zu seiner Olympia-Premiere vorgestellt hat. Der Sonthofener hatte auch am Dienstag mit den stark drehenden, leichten Winden zu kämpfen, konnte sich aber nach den beiden 16. Rängen am Vortag mit den Rängen acht und 13 immerhin steigern. Zum Druchbruch nach vorne reichte das noch nicht. Dennoch blieb der Allgäuer optimistisch und sagte kämpferisch: "Das ist noch kein Weltuntergang. Immerhin war's besser als gestern, obwohl mehr einstellige Ergebnisse auch schön wären. Die Abstände nach vorne sind aber nichts, denn vor uns liegen noch sechs Wettfahrten und das Finale."
Ein guter und ein misslungener Start, eine nicht ganz gelungene Wettfahrt und eine befriedigende Aufholjagd sind die Erkenntnisse, die Buhl am Abend nach Wettfahrt vier mit an Land nahm. Dazu kam eine frohe Kunde: Die Wetterprognose versprach für Mittwoch auffrischende Winde auf 16 bis über 20 Knoten auf der Außenbahn Copacabana, auf der die Lasersegler dann zum Tanz gebeten sind. "Darauf freue ich mich so richtig", sagte Buhl, in dessen grünen Augen es angriffslustig blitzte. Der Alläuer gilt als "Gerne-Jäger", muss und will am dritten Regattatag punkten, wenn er seine Medaillenchance wahren will.
Für DSV-Cheftrainer David Howlett war die bislang mäßige Ausbeute seiner Schützlinge noch kein Grund zur Sorge: "Es ist noch alles drin für unsere Segler. Diese Olympia-Regatta wird bis zum Ende eine Nervenschlacht bleiben und eine Regatta sein, die mit hohen Punktständen auf den Konten endet. Man darf die Nerven nicht verlieren und muss bis zum Ende kämpfen." So sieht es auch Brasiliens Segelstar Robert Scheidt, der mit einem 27. und einem vierten Rang in den Hafen zurückkehrte und auf Platz acht liegt: "Es war wieder ein Tag im typischen Rio-Stil, tricky und fordernd. Die Laser-Flotte segelt auf enorm hohem Niveau. Und der Zuckerhut, der große Felsen, hat viel Einfluss auf auf den Wind. Am Mittwoch werden wir auf der Außenbahn große Wellen und viel Wind erleben. Hier werden Segler in allen Bedingungen getestet."
Parallel zu Philipp Buhl rang auch RS:X-Surfer Toni Wilhelm mit den launischen Windbedingungen auf Kurs Naval im Schatten des Zuckerhuts. Belastet von einer heftigen Erkältung ("Ich habe Ibuprofen wie Gummibärchen geschluckt") kämpfte sich der 33-Jährige aus Dogern mit gemischtem Erfolg durch seine drei Wettfahrten des Tages. "Ich habe mich heute brutal über mich selbst geärgert, einfach zu viele Fehler gemacht", sagte Wihelm am Abend. Der Schwarzwälder weiß: "Das setzt mich jetzt unter Druck, wenn ich noch vorne angreifen will. Ich muss jetzt sehr sauber durch die nächsten Rennen kommen, und die anderen müssen auch mal Fehler machen." Die Medaillenhoffnung aber hat Wilhelm noch nicht aufgegeben: "Es stehen noch sieben Wettfahrten aus. Da geht noch was."
Am Mittwoch pausieren die RS:X-Flotten der Männer und Frauen und schenken dem angegriffenen Wilhelm einen Tag zur Erholung. Während sich Philipp Buhl auf seine Rennen fünf und sechs freut, fallen auch für die deutschen 470er-Teams der Männer und Frauen die ersten Startschüsse. Gleichzeitig steigen die jungen Kieler Nacra-17-Segler Paul Kohlhoff und Carolina Werner ins Geschehen ein.

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