Die Kieler Katamaran-Segler Paul Kohlhoff und Carolina Werner dürfen auf ihre Nominierung für die Olympischen Spiele hoffen. "Wir sind unserem Traum für die Olympischen Spiele einen sehr großen Schritt näher gekommen und super happy, dass wir hier so gute Leistungen zeigen konnten", sagte die 22-jährige Vorschoterin Carolina Werner.
Das Mixed-Team vom Kieler Yacht-Club hat bei der Weltcup-Regatta vor Weymouth mit Platz zwei schon vor dem finalen Medaillenrennen der besten zehn Mannschaften die Bedingungen des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) für einen Einzelfall-Nominierungsantrag beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erfüllt. "Wenn das finale Endergebnis vorliegt, werden wir den Antrag wie vereinbart stellen", sagte DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, die als Beobachterin mit DSV-Cheftrainer David Howlett vor Ort ist.
Nach ihren starken Leistungen in den flauen und komplizierten britischen Windbedingungen greifen der erst 20-jährige Steuermann Paul Kohlhoff und seine Vorschoterin am Sonntag im Weltcup-Medaillenfinale sogar nach Edelmetall. Folgt der DOSB dem voraussichtlichen Antrag des DSV, dann wären Kohlhoff/Werner das siebte Team der deutschen Segel-Nationalmannschaft, die vom 8. bis 18. August vor Rio de Janeiro um Medaillen kämpft.
Für die nationalen Gegner im Kampf um die Rio-Fahrkarte verlief die windarme, von langen Wartezeiten und wenigen Rennen geprägte Weltcup-Regatta nicht nach Wunsch: Jan Hauke Erichsen und Lea Spitzmann verpassten das Medaillen-Rennen als Zwölfte und haben keine Chance mehr auf eine Nominierung für die Olympischen Spiele. Die FSC-Crew erwies sich in der Niederlage als überaus fair. Paul Kohlhoff sagte: "Alles, was in der Vergangenheit passiert ist, war heute vergessen. Die beiden haben sich sehr fair verhalten und uns gratuliert."
Für Kohlhoff/Werner geht das Rennen am Sonntag weiter. Der Steuermann sagte: "Wir sind jetzt schon froh, dass wir mit unseren Leistungen allen etwas zurückgeben konnten, die für uns gekämpft haben. Da würden wir jetzt gerne noch eins drauflegen und am Sonntag am liebsten eine Weltcup-Medaille gewinnen. Damit könnten wir auf dem Weg zu den Olympischen Spielen noch eine gute Botschaft an unsere Gegner und auch an diejenigen senden, die über unseren Olympia-Start entscheiden."
"Platt. Erleichtert. Glücklich!" So beschrieb Kohlhoff seinen persönlichen Zustand am Ende der langen Ausscheidung, die bereits im vergangenen Jahr begonnen hatte. Mit einem überraschenden fünften Platz bei der Weltmeisterschaft 2015 und Platz vier bei der vorolympischen Testregatta in der Guanabara Bay vor Rio de Janeiro hatten sich Deutschlands Newcomer des Jahres 2015 ins Rampenlicht katapultiert. Um den Jahreswechsel herum hatten sie einige Rückschläge zu verkraften.
Zu den Faktoren, die nun zum überragenden Comeback im ehemaligen Olympiarevier vor Weymouth geführt haben, sagte Kohlhoff: "Da sind einige Details zusammen gekommen. Es haben sich viele Leute für uns eingesetzt, denen wir sehr dankbar sind. Wir haben intensiv trainiert für dieses Ausscheidungsfinale in Weymouth. Etwa drei Wochen am Stück. Und wir sind dabei auch besser geworden. Wir sind, teilweise auch krankheitsbedingt, in der Qualifikation durch schwere Zeiten gegangen. Dass Caro wieder richtig fit ist, hat eine wichtige Rolle für uns gespielt. Am Ende gab es jetzt nur noch eins... Dann haben wir in Weymouth sehr nett gewohnt. Wir waren gut vorbereitet, haben unsere Routinen durchgezogen." Auch Betreuer Marc Pickel bezeichnete Kohlhoff als großen Gewinn: "Er hat an vier Olympischen Spielen teilgenommen – zweimal als Sportler, zweimal als Trainer. Seine Erfahrung ist für uns sehr wertvoll."
Die nun mit Spannung erwartete zweite von drei DOSB-Nominierungsrunden am 28. Juni könnte die erhoffte Entscheidung bringen, der Kohlhoff und Werner nun entgegenfiebern: Das siebte Ticket für das Audi Sailing Team Germany! Paul Kohlhoff und Carolina Werner wären dann das jüngste Team in der DSV-Flotte. Und würden in der Form dieser Woche bei ihrer Premiere nicht ohne Medaillenchancen antreten.

Freie Reporterin Sport