Segeln olympischComeback beschlossen: Robert Scheidt kommt zurück!

Tatjana Pokorny

 · 04.02.2019

Segeln olympisch: Comeback beschlossen: Robert Scheidt kommt zurück!Foto: Mark Lloyd/Oman Sail

Er ist Doppel-Olympiasieger, hat fünf olympische Medaillen gewonnen, feierte neun Laser-WM-Siege. Dann trat er 2016 ab. Doch nun ist er wieder da

Der brasilianische Segler-Verband hat heute offiziell gemacht, was Robert Scheidt YACHT online bereits im Dezember beim Finale der Star Sailors League exklusiv und persönlich angekündigt hat: das Comeback des Segelstars! Den 45-Jährigen, der nach den Olympischen Spielen im Heimatrevier von Rio de Janeiro als Vierter seinen Abschied ohne die sechste Olympia-Medaille seiner Karriere hatte nehmen müssen, zieht es noch einmal zurück in die Arena seines Lebens. Offensichtlich haben ihn erste Intensiv-Tests dazu bewogen, sich die Mission Olympia erneut zuzumuten.

  Sein Stil: einzigartig. Seine Laser-Erfolge: ungeschlagen. Sein Name: Robert ScheidtFoto: Sailing Energy / World Sailing
Sein Stil: einzigartig. Seine Laser-Erfolge: ungeschlagen. Sein Name: Robert Scheidt

Die Herzen der Fans wird der Vater von zwei Söhnen dabei auf seiner Seite haben. Der sympathische Brasilianer gilt vielen als Vorbild an Kampfgeist, Fairplay und seglerischer Exzellenz – und das seit vielen Jahrzehnten. Scheidt selbst sagte zu seinem Comeback: "Der Wille, mich zu überwinden, dieses Ziel zu erreichen, sprach lauter." Der Champion kommt zurück und wird die Laserklasse auf vielfältige Weise bereichern.

  Der nimmermüde Meister in Aktion bei der olympischen Regatta von Rio de Janeiro: Robert Scheidt im LaserFoto: Sailing Energy / World Sailing
Der nimmermüde Meister in Aktion bei der olympischen Regatta von Rio de Janeiro: Robert Scheidt im Laser
  Gintaré und Robert Scheidt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Mit ihr an seiner Seite nahm er damals Abschied vom Leistungssport. Doch jetzt hat er den Rücktritt vom Rücktritt beschlossenFoto: WS
Gintaré und Robert Scheidt bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Mit ihr an seiner Seite nahm er damals Abschied vom Leistungssport. Doch jetzt hat er den Rücktritt vom Rücktritt beschlossen

Scheidt hatte seinen ersten Laser-WM-Titel im Laser 1995 vor Teneriffa gewonnen. Das ist 23 Jahre her. Der letzte WM-Sieg war ihm 2013 vor Al Musannah gelungen, als der damals erst 24 Jahre alte Sonthofener Philipp Buhl stolz seine erste WM-Bronzemedaille gewann. Auch im Starboot segelte Scheidt 2007 und 2011 zu zwei WM-Titeln und Olympia-Bronze mit Bruno Prada 2012, stellte damit sein Allround-Talent eindrucksvoll unter Beweis. Jetzt hat Scheidt infolge seiner Laser-Comeback-Ankündigung für den Frühjahrs-Klassiker Trofeo Princesa Sofía vor Mallorca gemeldet. Das wolle er tun, so hatte er YACHT online vor knapp zwei Monaten bereits erzählt, wenn er daran glaube, dass er wettbewerbsfähig sein kann. Smart, so sagt er, muss er agieren, mit den Kräften seines betagteren Körpers haushalten. Er weiß nur zu gut, dass er keine 25 Jahre alt mehr ist. Aber er sagt, dass es ihm gut tut, morgens aufzustehen und ein sportliches Ziel vor Augen zu haben.

  Auch das Starboot beherrschte Robert Scheidt als Steuermann mit Vorschoter Bruno Prada olympisch hervorragend: Zwei WM-Titel und Olympia-Bronze 2012 sind die metallenen ZeugenFoto: SSL/Marc Rouiller
Auch das Starboot beherrschte Robert Scheidt als Steuermann mit Vorschoter Bruno Prada olympisch hervorragend: Zwei WM-Titel und Olympia-Bronze 2012 sind die metallenen Zeugen
  Das Podium bei der Laser-WM 2013: Scheidt siegte damals vor Pavlos Kontides (l.), der die letzten beiden WM-Titel 2017 und 2018 im Laser abgeräumt hat. Bronze erkämpfte im Finalkrimi 2013 der junge Philipp Buhl, inzwischen mit zwei WM-Bronzemedaillen und einmal Silber ebenfalls hochdekoriert und mehr als hungrig auf den ersten eigenen WM-TitelFoto: Mark Lloyd/Oman Sail
Das Podium bei der Laser-WM 2013: Scheidt siegte damals vor Pavlos Kontides (l.), der die letzten beiden WM-Titel 2017 und 2018 im Laser abgeräumt hat. Bronze erkämpfte im Finalkrimi 2013 der junge Philipp Buhl, inzwischen mit zwei WM-Bronzemedaillen und einmal Silber ebenfalls hochdekoriert und mehr als hungrig auf den ersten eigenen WM-Titel

Hat er das, kann er jederzeit zur Macht werden. So wie 1996, als er Sir Ben Ainslie in einer Blitz-, Donner- und Regenschlacht von Savannah nach allen Regeln der Segelkunst niederrang. Ainslie revanchierte sich vier Jahre später, stieg danach aber ins Finn-Dinghy um. Das spektakuläre Duell zwischen den beiden Ausnahmeseglern hätte sonst vermutlich noch viele Jahre angedauert. So aber suchte und fand Scheidt andere hochkarätige Gegner, die er meistens geschlagen hat. Nur beim Heimspiel in Rio ging ihm das Pulver aus; er musste ausgerechnet in Brasilien als Vierter abtreten. Möglich, dass der medaillenlose Abgang neben seiner Leidenschaft für den Laser- und den olympischen Segelleistungssport auch eine Rolle in Scheidts Comeback-Gedanken gespielt hat.

  Dieses eindrucksvolle Porträt von Robert Scheidt gelang 2013 dem britischen Fotografen Mark Lloyd. Es zeigt abseits von Erfolg, Ruhm und Glücksgefühlen auch die harte, körperlich und mental fordernde Seite des olympischen SegelsportsFoto: Mark lloyd/Oman Sail
Dieses eindrucksvolle Porträt von Robert Scheidt gelang 2013 dem britischen Fotografen Mark Lloyd. Es zeigt abseits von Erfolg, Ruhm und Glücksgefühlen auch die harte, körperlich und mental fordernde Seite des olympischen Segelsports
  Philipp Buhl kann die Comeback-Motivation Scheidts nachvollziehenFoto: tati
Philipp Buhl kann die Comeback-Motivation Scheidts nachvollziehen

Philipp Buhl, heute selbst ein Weltklasse-Akteur im Laser, aber nur etwas mehr als halb so alt wie Scheidt und einst sein Lehrling – erst als Teenager im Studium aus der Ferne und später als selbst erfolgreicher Athlet aus immer kleiner werdender Distanz auf dem Kurs –, sagt zum Comeback des Laser-Königs: "Mein erster Gedanke ist: beeindruckend! Sich mit 45 Jahr noch zuzutrauen, die ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit mitzubringen, um konkurrenzfähig zu sein, das ist schon einzigartig. Ich weiß, dass auch ich und andere, noch etwas Jüngere schon ihre Wehwehchen haben. Also: Respekt! Am Ende ist Scheidt ein Laser-Spezialist. Er segelt in der Klasse länger als alle anderen und will einfach nur diese sechste Olympia-Medaille. Mit glücklichen Bedingungen kann er das auch schaffen. Es ist seine einzige Chance, der Einzige mit sechs Olympia-Medaillen zu werden. Warum also nicht?" Bislang ist es in der Olympia-Geschichte keinem Segler und keiner Seglerin gelungen, sechs Medaillen zu gewinnen. Das Ziel ist also höchst attraktiv für einen, der sich gern hohe Ziel steckt.

  Er ist wieder da! Mit diesem Bild kündigte der brasilianische Segler-Verband das Comeback von Robert Scheidt am Dienstag anFoto: CBVela
Er ist wieder da! Mit diesem Bild kündigte der brasilianische Segler-Verband das Comeback von Robert Scheidt am Dienstag an

Meistgelesene Artikel