Segeln olympischBleiben Sie cool, Herr Buhl!

Tatjana Pokorny

 · 31.07.2016

Segeln olympisch: Bleiben Sie cool, Herr Buhl!Foto: Richard Walch/AUDI

Unsere olympische Porträt-Serie beginnen wir mit dem Aktivensprecher der deutschen Segler: Philipp Buhl kämpft im Laser um Edelmetall

  In einer Woche fällt für ihn der erste Startschuss zur olympischen Regatta: Philipp Buhl ist bereitFoto: www.segel-bilde.de/Kieler Woche
In einer Woche fällt für ihn der erste Startschuss zur olympischen Regatta: Philipp Buhl ist bereit

Keiner wurde in den letzten zwei Jahren so oft als größter Hoffnungsträger der deutschen Olympia-Segler bezeichnet wie Philipp Buhl. Dem Vizeweltmeister von 2015 ist es daher lieb, dass inzwischen auch weitere Teamkameraden mit ernsthaften Medaillenchancen in Rio antreten und der Medaillendruck nicht allein auf seinen Schultern liegt. Dass der Sonthofener Druck standhalten und sich gerade unter schwierigsten Bedingungen noch steigern kann, hat er oft bewiesen.

Leitwolf, Spitzensportler und Fairplayer: Philipp Buhl ist bereits ins Olympische Dorf in Rio den Janeiro eingezogen und startet wie Toni Wilhelm am 8. August in seine ersten Olympischen Spiele

In der größten olympischen Flotte der 46 Lasersegler aus ebenso vielen Ländern will Buhl um Edelmetall kämpfen. Er selbst hat neun Segler auf der Liste, die eine Medaille gewinnen können – allen voran Brasiliens Supersegler Robert Scheidt, seinem Idol aus Schulzeiten, aber auch Männer wie den amtierenden Weltmeister Nick Thompson oder den Australier Tom Burton. Sich selbst zählt Buhl ebenfalls zum Kreis der Medaillenanwärter: "Wenn alles perfekt zusammen passt, dann ist eine Medaille drin." Zweimal war der 26-Jährige schon Deutschlands Segler des Jahres. Nach der ganz knapp verpassten Olympia-Qualifikation vor vier Jahren hat sich der starke Athlet und talentierte Autodidakt noch einmal deutlich gesteigert und sich – in Deutschland konkurrenzlos gut – seinen Startplatz für die Olympischen Spiele in Brasilien erkämpft.

  Philipp Buhl wirft ein Auge auf die Goldmedaille von Willy Kuhweide, die im Verein Seglerhaus am Wannsee ausgestellt ist. Kleiner Flirt mit großen Hoffnungen...Foto: tati
Philipp Buhl wirft ein Auge auf die Goldmedaille von Willy Kuhweide, die im Verein Seglerhaus am Wannsee ausgestellt ist. Kleiner Flirt mit großen Hoffnungen...

Allein in diesem Jahr hat Philipp Buhl mit insgesamt 680 Segelstunden, 480 Stunden Training auf dem Wasser, 100 Stunden Bootsbauarbeiten, 100 Stunden im Fitness-Studio, 350 Stunden Konditionstraining und 200 Stunden Theorie auf seine Olympia-Premiere vorbereitet. Details der akribischen Arbeit sind im YACHT-Extra "Olympische Spiele 2016" nachzulesen, das der YACHT 15 beilag.

  Wird er auch bei Olympia so schön jubeln dürfen?Foto: tomthouwphotography
Wird er auch bei Olympia so schön jubeln dürfen?

DSV-Cheftrainer David Howlett sagt über den bayerischen Gipfelstürmer, der auch das Skifahren und Bergsteigen liebt: "Philipp ist ein heiterer und stabiler Charakter, ein ausgeglichener Typ. Er ist vermutlich der stärkste und beste Athlet im Team. Einen wichtigen Punkt für die olympische Regatta hat er auf der Habenseite: Philipp hat schon mehrfach mit Medaillen bei großen Titelkämpfen bewiesen, dass er es draufhat. Er hat viel im Olympiarevier gearbeitet, kennt es gut und ist somit ein Medaillenkandidat. Gleichzeitig gibt es in der Disziplin Laser mit den zur Verfügung gestellten Booten mehr Medaillenkandidaten als in jeder anderen Disziplin."

  Geballte Ladung Segellust: Philipp Buhl im LaserFoto: Lars Wehrmann/STG
Geballte Ladung Segellust: Philipp Buhl im Laser

Der Steuermann vom Segelclub Alpsee Immenstadt war in der laufenden Olympiade Deutschlands erfolgreichster Olympia-Segler, gewann 2015 WM- und EM-Silber. Sein Trainer ist der Berliner Thomas Piesker. Das Handwerk hat er von Papa Friedl Buhl auf dem Großen Alpsee im Allgäu gelernt. Neben Bundestrainer Piesker wird auch Friedl Buhl das eingespielte Team in Rio mit Informationen und Analysen unterstützen.

Buhl ist ein sympathischer Fairplayer und ein nahbarer Spitzensportler, der trotz vieler Höhenflüge nie die Bodenhaftung verloren und sich damit viel Respekt erworben hat. Seine Prognose: "Ich bin normalerweise mental stark und glaube daran, dass ich das auch bei der Olympia-Regatta sein kann. Ich weiß, dass ich in Rio etwas Großartiges machen will. Eine Medaille wäre schon toll!" Sein Apartment im Olympischen Dorf teilt sich Buhl mit RS:X-Surfer Toni Wilhelm. Beide sind bereits eingezogen, haben den restlichen Baustaub weggeputzt und fühlen sich im 17. Stockwerk der Wolkenkratzer mit "toller Aussicht" (Buhl) wohl.

Am 8. August fällt für den Sonthofener Sportsoldaten der erste Startschuss. Heute, eine Woche vorher, sagte Buhl YACHT online : "Der Spirit ist cool hier. Macht Spaß!" Das Medaillenrennen der besten zehn Lasersegler steigt am 15. August um 19 Uhr deutscher Zeit.

  Rio kann kommen!Foto: Team Buhl
Rio kann kommen!

Meistgelesene Artikel