Olympische Spiele

Segeln olympisch: Befreiungsschlag mit Bronze

Tatjana Pokorny

 · 17.08.2016

Segeln olympisch: Befreiungsschlag mit BronzeFoto: Sailing Energy

Erik Heil und Thomas Plößel haben ihre Medaille im Final-Krimi festgehalten. Mit Bronze gelang das Happy End für das Sailing Team Germany

  Starker Fanclub für Erik Heil und Thomas Plößel: Jugend-Trainer Michael Kosta (u.l.), der die beiden Segler 2001 zusammenbrachte, und Heils Schwester Britta (u.r.). Dazu oben (v.l.n.r.): Sven Taube, Mama Barbara Heil, Rico Schurich, Anja Dethlefsen und Karo KostaFoto: tati
Starker Fanclub für Erik Heil und Thomas Plößel: Jugend-Trainer Michael Kosta (u.l.), der die beiden Segler 2001 zusammenbrachte, und Heils Schwester Britta (u.r.). Dazu oben (v.l.n.r.): Sven Taube, Mama Barbara Heil, Rico Schurich, Anja Dethlefsen und Karo Kosta

Erik Heil und Thomas Plößel sind die Olympia-Helden im Sailing Team Germany. Die beiden Berliner konnten ihre Medaille im spektakulären Finale der 49er-Segler am Donnerstag festhalten. Zwar mussten sie die australischen Olympiasieger von 2012, Nathan Outteridge und Iain Jensen, im Rennen und in der Gesamtwertung passieren lassen, doch mit der Medaille bescherte die Crew, die für den Norddeutschen Regatta Verein startet, dem deutschen Segelsport das erste olympische Edelmetall seit 2008 und eine versöhnliche Bilanz.

  Simultaner Rückwärts-Salto ins Bronze-Glück: Erik Heil und Thomas Plößel mit der deutschen FlaggeFoto: Sailing Energy
Simultaner Rückwärts-Salto ins Bronze-Glück: Erik Heil und Thomas Plößel mit der deutschen Flagge
  Erstes Interview nach dem Bronze-Erfolg: Erik Heil und Thomas PlößelFoto: tati
Erstes Interview nach dem Bronze-Erfolg: Erik Heil und Thomas Plößel

"Neben zwei Olympiasiegern auf dem Podest zu stehen, das ist großartig", sagte Steuermann Erik Heil, der noch scherzte, dass er eigentlich lieber "zwischen zwei Olympiasiegern" gesagt hätte. Vorschoter Thomas Plößel war nach den ersten kurzen Fernseh-Interviews zunächst noch zur Doping-Kontrolle gebeten worden. Mit einem Rückwärtssalto hatten die Deutschen ihre Medaille kurz nach dem Zieldurchgang überglücklich gefeiert. "Den haben wir gleich fünfmal gemacht, damit ihn auch alle sehen", sagte Heil und lachte erlöst.

Das Finalrennen war an Spannung kaum zu überbieten, denn den Berlinern gelang nicht ganz, was sie sich so fest vorgenommen hatten. "Wir wollen auf keinen Fall am Start unseren Hintern hinhalten", hatte Thomas Plößel gesagt. Es kam anders. "Wir haben die Strömung unterschätzt. Sie war stärker als gedacht. Und dann waren wir plötzlich in dieser Sch...situation." Die Anfangsszenen sorgten bei den deutschen Fans, die das Rennen im ZDF-Live-Stream verfolgten, für Schreckminuten, denn die vor dem Finale viertplatzierten Engländer segelten zeitweise mit gutem Zug nach vorn auf Rang fünf. Als die Briten jedoch kenterten, war die Medaillen-Entscheidung zugunsten von Heil und Plößel gefallen. "Wir haben sogar noch versucht, auf die Australier aufzuholen. Das sah erst ganz gut aus, doch dann sind wir in einem Windloch fast stehengeblieben."

  Beste deutsche Segel-Crew in Rio: Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel vom Norddeutschen Regatta VereinFoto: Sailing Energy
Beste deutsche Segel-Crew in Rio: Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel vom Norddeutschen Regatta Verein

Acht Jahre nach 49er-Bronze durch die Brüder Jan-Peter und Hannes Peckolt hat damit erneut ein deutsches Skiff-Team eine Medaille bei Olympischen Spielen gewonnen. "Die haben wir auch der stärksten Trainingsgruppe der Welt zu verdanken. Ohne Justus Schmidt und Max Boehme wäre das hier so nicht möglich gewesen", sagte Erik Heil. Schmidt/Boehme gehören der Trainingsgruppe von Trainer Thomas Rein seit fünf Jahren an. Die Youngster und Europameister von 2015 hatten Heil/Plößel in der nationalen Olympia-Ausscheidung erheblichen Druck und die Routiniers damit auch wieder stark gemacht. Schmidt und Boehme unterlagen nur knapp.

  Hatten sich für Rio viel vorgenommen und kamen durch: Die Berliner Skiff-Segler Heil und Plößel holten BronzeFoto: Sailing Energy
Hatten sich für Rio viel vorgenommen und kamen durch: Die Berliner Skiff-Segler Heil und Plößel holten Bronze

In den Stunden nach dem Medaillen-Erfolg gab es zwar von Heil/Plößel noch kein klares Bekenntnis für eine weitere Olympia-Kampagne, doch Heil sagte: "Wir haben ein so starkes Team, dass es sicher Spaß machen würde. Philipp Buhl wäre in einem anderen Revier dreimal Olympiasieger geworden und wird noch sehr viele geile Titel holen. Der ist jetzt schon Legende. Er hat einfach mit Rios Revier nie seinen Frieden machen können und nur deshalb ein für ihn frustrierendes Ergebnis eingefahren. Paul Kohlhoff und Carolina Werner sind ein starkes Team. Es ist schön, wenn wir mit unserer Medaille dazu beitragen können, dass die Bilanz bei diesen Spielen für das gesamte Team positiv ausfällt."

Am Flamengo-Strand hatten Heils Mutter Barbara Plößel, Schwester Britta, Plößels Freundin Andrea, Jugend-Coach Michael Kosta ("Ich bin so stolz auf die Jungs!") vom Tegeler Segel-Club und viele weitere Freunde und Fans mitgefiebert und feierten ihre Mannschaft mit einem kleinen deutschen Fahnenmeer und nicht enden wollendem Jubel. Den Olympiasieg im 49er hatten sich vorzeitig die neuseeländischen America's-Cup-Stars Peter Burling und Blair Tuke gesichert. Silber ging an die Australier Nathan Outteridge und Iain Jensen.

DSV-Cheftrainer David Howlett sagte: "Erik und Thomas haben einen großartigen Job gemacht. Sie haben sich im Kampf mit zwei Olympiasiegern gut behauptet und sind auf Kurs Zukunft tolle Vorbilder für die deutschen Olympiasegler. Sie haben den Maßstab für die nächsten Jahre gesetzt." Howletts Gesamtbilanz fiel nach dem bronzenen Happy Ende positiv hoffnungsfroh aus: "Das Team hat jetzt die Sicherheit, dass es gelingen kann, eine Medaille zu gewinnen. Das ist die wichtigste Botschaft. Wir müssen den eingeleiteten Modernisierungskurs jetzt konzentriert fortsetzen. Dann werden uns in vier Jahren die in Rio von der Mehrheit der Neu-Olympioniken gesammelten Erfahrungen sehr, sehr nützlich sein."

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