Die Segelnationalmannschaft kommt bei der Weltmeisterschaft vor Den Haag immer besser in Fahrt. Nach neun von 15 Rennen bis zu ihrem Nacra-17-Finale sind die Olympia-Dritten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club) mit einem weiteren Tagessieg als Zweite hinter den italienischen Olympiasiegern Ruggero Tita und Caterina Banti in die Hauptrunde eingezogen.
Es ist eine schöne Superstärke, dann liefern zu können, wenn es darauf ankommt” (Paul Kohlhoff)
Die Italiener (8 Tagessiege in 9 Wettfahrten) und die deutschen Kat-Könner vom Kieler Yacht-Club (4 Tagessiege, 3 zweite Ränge) bildeten in der Vorrunde mit nur acht und 14 Punkten auf dem WM-Konto eine Klasse für sich. Dritte sind zur WM-Halbzeit bei den foilenden Zweirumpfgeschossen die britischen Olympia-Zweiten von Enoshima, John Gimson und Anna Burnet, mit 22 Zählern bislang.
Paul Kohlhoff mahnte aber wie stets während einer laufenden Regatta zur Zurückhaltung: “Am Montag beginnt ein neues Rennen. Wir wollten uns hier einen Vorsprung erarbeiten in Bedingungen, die uns liegen. Das haben wir gut gemacht. Die WM ist die wichtigste Regatta seit Enoshima. Und die wichtigste Aufgabe ist, den Nationenstartplatz zu sichern. Dabei schielen wir nicht auf andere oder die Medaillen. Wir schauen nur auf uns.”
Gleichzeitig schwärmte Paul Kohlhoff vom WM-Revier vor Scheveningen: “Es macht viel Spaß da draußen! Welle ist immer, dazu viel Strom.” Gefragt nach der aktuellen Güte seiner Crew, sagte Kohlhoff: “Wir haben das richtige Equipment ausgesucht, einen starken Trainer, der das Revier gut versteht, und zwei kühle Köpfe, die so gut zusammenarbeiten wie lange nicht mehr. So wollen wir gerne weitermachen.”
Im 470er-Mixed waren die Vize-Europameister und Kieler-Woche-Sieger Simon Diesch/Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Joersfelder Segel-Club) bereits am Samstag auf Platz drei vorgerückt. Die Titelverteidiger Luise Wanser/Philipp Autenrieth (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club) sind nach vier Wettfahrten 13. Die 470er-Mixed-Flotte pausierte am Sonntag.
Im Ilca 6 eröffnete Julia Büsselberg (Verein Seglerhaus am Wannsee) die WM am Sonntag mit den Rängen zwei und elf als Tages-Vierte überraschend auffällig stark. Im Ilca 7 stieg Philipp Buhl (Norddeutscher Regatta Verein) mit den Rängen 3 und 17 trotz eines gebrochenen Schäkels am gestellten Boot im zweiten Durchgang vielversprechend in die Welttitelkämpfe ein.
“Das Problem mit dem Block hat mir das Leben vielleicht für eine Runde ein bisschen erschwert. Ich hatte aber sehr guten Speed, das hat mich zuversichtlich gestimmt. Ich konnte ein bisschen Selbstbewusstsein tanken”, sagte der 33-jährige Allgäuer Weltmeister von 2020 zu seinem Auftakt in der mit 138 Startern größten WM-Flotte.
Das Segeln auf der Nordsee erlebt der zweimalige Olympiateilnehmer positiv: “Wir segeln gefühlt mitten auf Ozean, sind weiter weg von Land als bei anderen Regatten. Es gibt keine Hügel, keine Landeffekte. Man würde konstante Winde erwarten, aber sie sind es nicht. Teilweise durch den Einfluss von Wolken haben wir es mit kurzen oder langen Drehern zu tun. Es macht Spaß da draußen.”
Beim Nordsee-Gipfel der olympischen Segelwelt kämpfen rund 1.200 Athleten und Athletinnen in zehn Disziplinen um bereits 107 und damit 50 Prozent der Nationenstartplätze für Olympia 2024. Die frühe Sicherung der Tickets strebt das German Sailing Team in möglichst vielen den zehn olympischen Segeldisziplinen an.
Parallel zu den Wettbewerben der Olympioniken werden auf dem Braassemermeer bei Den Haag im Rahmen der Segel-WM des Weltseglerverbandes World Sailing auch vier Serien für Para-Segler ausgetragen. Im Ein-Personen-Kielboot 2.4 Norlin OD führt der 13-malige Weltmeister Heiko Kröger aus Ammersbek. Der Paralympics-Sieger von 2000 siegte in bislang sechs Rennen sechsmal. In der Tageszusammenfassung von World Sailing wird Heiko Kröger eine “Hegemonie” attestiert.
“Es ist nicht so, dass ich locker vor dem Feld herfahre. Ich bin einfach einen Tick schneller. Heute war der Teich allerdings echt ‘giftig’. Wir sind dicht unter Lande gefahren, und man musste die Dreher gut lesen können. Es ist ringsum flach, ganz anderes Segeln als in Kiel oder Finnland, aber guter Wind. Wenn man denn auf einem Binnenrevier WM segeln soll, dann ist es hier okay.”
Für Kröger und sein Boot begeisterte sich auch die Laser-Radial-Olympiasiegerin von 2012: Die Chinesin Lijia “Lily” Xu berichtet als Reporterin von der Segel-WM in Den Haag. Bei einem Interview mit dem 2.4-m-Dominator bot Heiko Kröger ihr an, doch selbst einmal in das anspruchsvolle Kielboot zu steigen und es auszuprobieren. Das tat sie, hatte plötzlich eine Menge mehr Strippen in der Hand als auf einem Laser – und war begeistert. “Ich habe ihr alles am Vorabend genau erklärt. Sie fand es klasse”, erzählt Heiko Kröger.
Jens Kroker (Yachtclub Berlin-Grünau) lag in der Hansa 303 nach sechs Wettfahrten auf Rang drei. Am Montag sind erstmals die Kiter sowie die Ilcas, 470er-Mixed, Nacra 17 und die Hansas gefordert. Die Medaillen in insgesamt 14 Wettbewerben werden zwischen dem 16. und dem 20. August vergeben.
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