Tatjana Pokorny
· 18.08.2023
Erstmals musste am Freitag bei der WM aller zehn olympischen Disziplinen in Den Haag ein Wettkampf ohne Medaillenrennen beendet werden. Die Skiffseglerinnen kürten ihre Champions entsprechend den Hauptrundenplatzierungen, weil der Wind fürs Finale fehlte. Wie bei den Frauen fielen die Entscheidungen auch im Männer-Skiff 49er ohne deutsche Beteiligung, aber mit Medaillenrennen. In beiden Disziplinen hatten sich die neuen Weltmeister mit Vilma Bobeck/Rebecca Netzler (Schweden) und Bart Lambrieux/Floris Van de Werken (Niederlande) ihr Gold schon vor dem Finale gesichert.
Nach windarmem Freitag wird es zum Wochenende aus deutscher Sicht aber noch einmal richtig spannend: Windsurf-Weltmeister Sebastian Kördel (Norddeutscher Regatta Verein) verteidigt am Samstag seinen Titel. Die Absage der letzten Rennen für die neu olympischen iQFoiler brachte dem Radolfzeller nach starker Serie mit vier Tagessiegen in 14 Rennen den direkten Einzug ins Halbfinale.
Der Weltmeister von 2022 freut sich auf die Entscheidung in besseren Winden: “Wir rechnen mit 15 bis 20 Knoten, das passt.” Bei den olympischen Windsurfern werden Viertelfinals, Halbfinale und Finale im “Sudden Death”-Prinzip ausgetragen. Das “Gladiatoren-Format”, mit jeweils nur einem Lauf in die nächste Runde zu gelangen, kommt Kördel meist entgegen.
Ich verspüre nach dem WM-Sieg im vergangenen Jahr nicht mehr diesen krassen Überdruck” (Sebastian Kördel)
Wenn er wählen dürfte, würde Kördel Edelmetall wie die Mehrheit der anderen Athleten lieber ohne Medaillenrennen, sondern nach dem Gesamtergebnis über eine lange Serie verteilen, doch kann der deutsche Surfriese mit dem Druck in der Regel gut umgehen. Der 32-Jährige sagte in Den Haags WM-Hafen von Scheveningen: “Ich würde sagen, Nerven sind eine meiner Stärken.”
Zugute kommt dem in Kiel lebenden Sebastian Kördel auch, dass er seit dem WM-Triumph im vergangenen Jahr “nicht mehr diesen krassen Überdruck” verspürt, Gold gewinnen zu müssen. Seine potenziellen Gegner im Kampf um die Medaillen kennt Kördel lange und gut. Über den bereits fürs Finale qualifizierten italienischen Hauptrundensieger Nicolo Renna sagte Kördel: “Der war an unserem letzten Renntag zu stark, während ich zweimal danebengeschossen habe.” Über den Niederländer Luuc Van Opzeeland sagte Kördel: “Er war jahrelang der Schnellste, hat aber nie was gewonnen.” Ob einer dieser drei oder ein anderer Windsurfer aus den Top Ten, die übers Viertelfinale gehen müssen, das WM-Rennen am Samstag macht, müssen die Finalrunden zeigen.
Für Kiterin Leonie Meyer (Kiel) dagegen kam die Flautenabsage ihrer letzten WM-Rennen am Freitag mehr als unglücklich. Nach Bruch und nicht selbst verursachten Folgeproblemen am Vortag, die sie von Platz vier auf 14 haben fallen lassen, wurde die Mutter und Medizinerin durch die Ausfälle der Chance beraubt, mit wenigstens einem noch ausgetragenen Rennen eines ihrer hohen Bruch-Resultate streichen und noch ins Finale der Top Ten vordringen zu können: “Das ist schon gemein, aber der gesicherte Nationenstartplatz für Olympia 2024 ist ein kleines Trostpflaster“, sagte die 30-Jährige, die das Wetterpech nach Klasseleistungen hart trifft.
Während es für alle vier neu olympischen Board-Disziplinen (iQFoil Männer, iQFoil Frauen, Formula Kite Männer, Formula Kite Frauen) unter dem Dach des Segelsports in die Entscheidungen geht, will Ilca-7-Steuermann Philipp Buhl am Samstag darum kämpfen, seine desaströsen Ergebnisse vom Vortag zu kompensieren. Der Weltmeister von 2020 war am Donnerstag mit den Rängen 49 und 40 von Platz vier auf Platz zwölf abgestürzt und darüber selbst “erschüttert”.
Inzwischen hat sich der erfahrene 33-jährige Allgäuer gesammelt und will am Samstag um den Einzug ins Medaillenrennen der Ilca-7-Flotte am Sonntag ringen. “Für mich kann diese WM keine Super-WM mehr werden. Aber ich werde mein Bestes geben, den Schaden mit einem Top-Ten-Resultat zu begrenzen.”

Freie Reporterin Sport