Segel-WeltmeisterschaftMit der Segelnummer 13 zum WM-Coup

Tatjana Pokorny

 · 10.08.2018

Segel-Weltmeisterschaft: Mit der Segelnummer 13 zum WM-CoupFoto: Sailing Energy/World Sailing
Tag 11

Tim Fischer und Fabian Graf sind das deutsche Team der Stunde bei der Segel-WM im dänischen Aarhus. Für 49er-Bronze wurde das Duo von Prinz Frederik geehrt

  Vorschoter Fabian Graf schreit seine Freude heraus: Das ist die Bronzemedaille für das junge deutsche Team mit Steuermann Tim FischerFoto: Sailing Energy/World Sailing
Vorschoter Fabian Graf schreit seine Freude heraus: Das ist die Bronzemedaille für das junge deutsche Team mit Steuermann Tim Fischer
  Wollten eine Medaille, mussten diese Hoffnung aber nach Rang 10 im Finale begraben: Erik Heil und Thomas Plößel beendeten die Weltmeisterschaft als VierteFoto: Sailing Energy/World Sailing
Wollten eine Medaille, mussten diese Hoffnung aber nach Rang 10 im Finale begraben: Erik Heil und Thomas Plößel beendeten die Weltmeisterschaft als Vierte

Die einen jubelten über ihren Bronze-Coup, die anderen nahmen die verpasste Medaille mit der Souveränität von olympischen Bronzemedaillen-Gewinnern: Die deutschen 49er-Segler haben bei der Weltmeisterschaft auch unter schwierigen Vorzeichen einmal mehr ihre Zugehörigkeit zur absoluten Weltspitzen unterstrichen. Der größte Coup gelang Tim Fischer vom Norddeutschen Regatta Verein und Fabian Graf vom Seglerhaus am Wannsee. Die Segler aus dem Perspektiv-Kader von Bundestrainer Max Groy überraschten sich und alle anderen nach einer zweimonatigen Verletzungspause im Frühjahr mit ihrer WM-Medaille. "Damit hätten wir niemals gerechnet", sagte der erst 23 Jahre alte Steuermann und Sportsoldat Tim Fischer. "Ja, wir haben in diesem Jahr gekämpft. Auch jetzt bei der WM. Und dann konnten wir auf den Punkt abliefern."

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Die Wiederholung der Live-Übertragung der Finalrennen der 49er- und 49erFX-Crews

  Die Bronze-Crew mit ihrem Trainer Max Groy (Mitte)Foto: Lina Nagel / German Sailing Team
Die Bronze-Crew mit ihrem Trainer Max Groy (Mitte)
  Nach der Medaillenzeremonie: Tim Fischer und Fabian GrafFoto: tati
Nach der Medaillenzeremonie: Tim Fischer und Fabian Graf

Zwar kam die beiden überglücklichen Segler aus Kiel am Samstag im abschließenden Medaillenrennen erst als Neunte ins Ziel, waren aber nach den zwölf Wettfahrten der Qualifikations- und Hauptrunde von Platz zwei aus ins Finale gestartet. Die insgesamt herausragende Leistung der jungen Mannschaft, die DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner als "sensationell" bezeichnete, reichte zur Verteidigung des Podiumsplatzes. Für Erik Heil und Thomas Plößel dagegen platzten die Medaillenhoffnungen im Medaillenrennen. Nach einem Timing-Fehler im Start konnten die Berliner vom NRV Olympic Team zwar schnell wieder eine Position im Mittelfeld erobern. Doch als der erhoffte Druck auf ihrer Seite bis zur ersten Wendemarke nicht ganz durchhielt, wurden die Deutschen vom Feld überrollt. "Uns fehlten vielleicht 20 Meter", sagte Heil, "danach gab es nicht mehr viele Überholspuren. Das Rennen hat geschmerzt, weil es so schlecht war. Aber wenn uns vor der WM Platz vier angeboten worden wäre, hätten wir den genommen."

  Hier sind sowohl der gelungene Start von Fischer/Graf als auch der verpatzte von Heil/Plößel gut zu sehen…Foto: Sailing Energy/World Sailing
Hier sind sowohl der gelungene Start von Fischer/Graf als auch der verpatzte von Heil/Plößel gut zu sehen…

Der 29-jährige Steuermann und sein Vorschoter hatten sich nach ihrem Erfolg bei den Olympischen Spielen 2016 zuletzt zwei Jahre intensiv aufs Studium konzentriert und sind erst in diesem Sommer wieder voll in ihre zweite Olympia-Kampagne eingestiegen. Ihre Leistung erscheint vor diesem Hintergrund umso erstaunlicher. Addiert man WM-Platz zwölf der Trainingspartner Justus Schmidt und Max Boehme zu den Erfolgen, dann zählt die Skiffklasse zum Besten, was der deutsche olympische Segelsport aktuell zu bieten hat. In enger und einander gegenüber ungewöhnlich offener Zusammenarbeit und Freundschaft haben Erik Heil/Thomas Plößel und Justus Schmidt/Max Boehme die Disziplin in den vergangenen vier Jahren stark gemacht. Jetzt wollen sie auch Tim Fischer und Fabian Graf in ihre "weltbeste Trainingsgemeinschaft" aufnehmen.

  Verpassten das Medaillenfinale als dritte deutsche Crew aufgrund des verunglückten ersten WM-Tages nur knapp: Justus Schmidt und Max Boehme sind Teil der starken deutschen 49er-GruppeFoto: Felix Diemer / German Sailing Team
Verpassten das Medaillenfinale als dritte deutsche Crew aufgrund des verunglückten ersten WM-Tages nur knapp: Justus Schmidt und Max Boehme sind Teil der starken deutschen 49er-Gruppe
  Segelten auch kein brillantes Finalrennen, waren aber vorher so gut, dass sie ihre Medaille gewannenFoto: Sailing Energy/World Sailing
Segelten auch kein brillantes Finalrennen, waren aber vorher so gut, dass sie ihre Medaille gewannen

Eben noch Perspektivkader-Crew und nun bestes deutsches Team bei den Welttitelkämpfen: Für Tim Fischer und Fabian Graf war das am Samstag kein Grund zum Abheben. Sie segeln auf derselben Welle, die Heil/Plößel und Schmidt/Boehme schon weit getragen hat und noch weiter tragen soll. Auch wenn den Kielern bei dieser Weltmeisterschaft durch einen gründlich verpatzten ersten Tag den Einzug ins Medaillenrennen verpasst haben – weit davon entfernt waren sie als WM-Zwölfte nicht. Echtes Teamwork hat das führende 49er-Quartett zu einer Macht in der Skiffklasse gemacht. Als Sextett soll es nun weitergehen. Tim Fischer, dessen Team sich mit der Bronzemedaille auch für den DSV-Olympiakader empfohlen hat, sagte: "Ich denke, dass wir Deutschland alle zusammen richtig nach vorn bringen können!"

49er-Weltmeister wurden in Aarhus zwei Umsteiger: Sime Fantela hatte noch in Rio de Janeiro Gold im 470er gewonnen und war dann – neu mit seinem Bruder Mihovil Fantela – ins Skiff umgestiegen. Lange haben die Kroaten zum Umlernen nicht gebraucht, schon sind sie wieder obenauf. Die Silbermedaille gewannen Mathieu Frei und Noel Delpech aus Frankreich, die Fischer/Graf mit ihrem Rennsieg im Finale noch auf Platz drei verweisen konnten. Dabei halfen auch die Landsleute Lucas Rual und Emile Amoros freundlich mit: Sie ließen das Top-Team ihrer Mannschaft verständlicherweise, aber auch recht auffällig auf dem Weg ins Ziel passieren.

  An Land feierten die dänischen Fans, auf dem Wasser die neuen kroatischen Weltmeister Sime und Mihovil FantelaFoto: Sailing Energy/World Sailing
An Land feierten die dänischen Fans, auf dem Wasser die neuen kroatischen Weltmeister Sime und Mihovil Fantela

Mitgelitten haben die Fans mit Tanja Frank und Lorena Abicht. Die Österreicherinnen waren als Spitzenreiterinnen mit 11 Punkten Vorsprung auf die Verfolgerinnen ins Medaillenrennen der 49erFX-Seglerinnen gestartet. Ein 180-Grad-Winddreher brachte das Duo aber zum Kentern. "Den Winddreher hat man überhaupt nicht vorhersehen können. Ich habe sogar damit gerechnet, dass er von der anderen Seite kommt. Wir sind aber trotzdem sehr glücklich mit der Medaille", sagte Tanja Frank. Vom Malheur profitierten die neuen Weltmeisterinnen Annemiek Bekkering und Annette Duetz. Die Niederländerinnen sicherten sich das Gold als Vierte im Finale mit zwei Punkten Vorsprung vor den Österreicherinnen. Bronze gewannen die Britinnen Sophie Weguelin und Sophie Ainsworth.

  Die Kenterung der Österreicherinnen Tanja Frank und Lorena Abicht hat sie den WM-Titel gekostet. Das Duo konnte sich aber auch ehrlich über Silber freuen – holte damit erstmals eine FX-WM-Medaille für ihr LandFoto: Sabina/Thanks for being so helpful/S&V/World Sailing
Die Kenterung der Österreicherinnen Tanja Frank und Lorena Abicht hat sie den WM-Titel gekostet. Das Duo konnte sich aber auch ehrlich über Silber freuen – holte damit erstmals eine FX-WM-Medaille für ihr Land

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