Tatjana Pokorny
· 28.01.2018
Der britische Doppel-Weltmeister Nick Thompson hatte es vor Beginn des Finalrennens der Lasersegler selbst in der Hand. Während das Weltcup-Gold bereits vorzeitig an Olympiasieger Tom Burton aus Australien vergeben war, starteten fünf Segler – darunter der Zweitplatzierte Thompson und der einen Punkt dahinter auf Platz drei liegende Philipp Buhl – mit Chancen auf Silber oder Bronze in den finalen Showdown. Die besten Aussichten hatte Thompson, doch dessen Positionierung im Feld war nicht zwingend genug. Sein deutscher Kontrahent Philipp Buhl machte es besser, ersegelte sich in der zweiten Hälfte des packenden Rennens nach vielen Positionswechseln Rang zwei und verteidigte den hochkonzentriert und mit imposanter Geschwindigkeit – vor allem vor dem Wind. Am Ende war es der Sonthofener, der Silber wie Gold feierte, weil er ein brillantes Rennen hingelegt, alle Attacken des angreifenden Thompson, insbesondere auf dem letzten Vorwind-Abschnitt, pariert und nicht gewackelt hatte.
"Für mich fühlt sich diese Silbermedaille schon ein bisschen wie Gold an", sagte Buhl am Nachmittag in Miami in gelöster Stimmung. "Da Gold vor dem Finale vergeben war, habe ich das Beste geholt, was noch drin war. Darüber bin ich megahappy. Ich gönne Tom sein Gold und ziehe den Hut vor seiner Leistung. Ich selbst bin froh darüber, dass mir endlich wieder so ein gutes Medaillenrennen gelungen ist, nachdem sich bei mir zuletzt nach ein paar Unsicherheiten leise Zweifel eingeschlichen hatten."
Noch einmal zum Genießen und auch als Taktikschule hervorragend geeignet: das Finale der olympischen Lasersegler beim Sailing World Cup vor Miami
Neben dem eigenen Erfolg freute sich Buhl auch über die guten Leistungen seiner Teamkameraden, deren Aktivensprecher der 28-Jährige ist: "Toll, wie Vicky und Anika performt haben! Das finde ich doppelt cool!" Wie die beiden Berliner Siegerinnen der Weltcup-Regatta im 49erFX will auch Buhl im Rahmen seiner dritten Olympia-Kampagne bei der Weltmeisterschaft in Aarhus im Sommer frühzeitig die Nationenqualifikationshürde für die Olympischen Spiele 2020 im Laser nehmen. Doch das ist nicht alles – Buhl hat mehr im Sinn: "Ich will um den WM-Titel kämpfen." Die deutschen Olympiasegler warten seit dem letzten WM-Gold durch die Tornado-Segler Roland Gäbler und René Schwall im Jahr 2000 auf den nächsten WM-Titel.
Nach den Laserseglern und den Laser-Radial-Seglerinnen waren vor Miami die 470er-Crews im Medaillenrennen gefordert. Mit Simon Diesch/Philipp Autenrieth (Bayerischer Yacht-Club) und Malte Winkel/Matti Cipra (Plauer Wassersportverein) war das German Sailing Team doppelt vertreten. Diesch/Autenrieth und Winkel/Cipra beendeten die Serie auf den Plätzen 8 und 10. In der inoffiziellen Nationenwertung hat das German Sailing Team dank 49erFX-Gold, Laser-Silber und weiteren vier Top-Ten-Rängen Platz vier hinter den Segelnationen Großbritannien (4 x Gold, 1 x Bronze), Frankreich (2 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze) und Australien (2 x Gold, 1 x Bronze) erkämpft und startet mit diesem guten Gefühl in die Segelsaison 2018.

Freie Reporterin Sport