Rio 2016Die Olympia-Bucht bleibt eine Kloake

Lars Bolle

 · 29.07.2015

Rio 2016: Die Olympia-Bucht bleibt eine KloakeFoto: www.sailing.org

Die Organisatoren sehen Probleme, die Guanabara-Bucht vor Rio zu reinigen. In drei Wochen beginnen die Preolympics auf dem Olympiarevier

IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bezeichnete gestern die Reinigung der Guanabara-Bucht als eine der größten Herausforderungen der Organisatoren der Spiele 2016 vor Rio. "Es geht um die Sicherheit und Gesundheit der Athleten vor Rio", sagte Bach. Zuvor hatte die Bezirksverwaltung berichtet, das vorgegebene Ziel, die Guanabara-Bucht bis zu dem Spieln zu 80 Prozent zu reinigen, nicht erreichen zu können.

Die Wasserqualität der Bucht war immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Treibender Müll, Tierkadaver und Fäkalbakterien machten den Austragungsort der Segelwettbewerbe wie auch der Triathleten zu einer Kloake.

Dass das Organisationskomitee die Herausforderung erkannt habe, sei "ein erster, wichtiger Schritt, um die Hindernisse zu überwinden", so Bach. Es gelte jedoch, "keine Zeit zu verlieren".

Solcherart Parolen helfen den Aktiven aktuell indes wenig. In drei Wochen beginnen die Preolympics, die Vorolympischen Spiele, die Testregatta auf dem Olympiarevier. Mit zwölf Athleten wird der deutsche Segler-Verband vor Ort sein.

"Das Wasser der Bucht ist erheblich mit Fäkalbakterien belastet", sagt Hendrik Ismar, 470er-Jugendtrainer und als studierter Mediziner mit der Auswertung von Wasserproben aus der Bucht beauftragt. "In Deutschland würde jedes Gewässer mit solchen Werten sofort gesperrt werden."

Doch es wird gesegelt, und die Aktiven können sich nur bedingt schützen. "Wir haben eine zusätzliche Hepatitis-Impfung bekommen", sagt Lasersegler Philipp Buhl, die größte deutsche Medaillenhoffnung. "Ansonsten muss man eben aufpassen, dass man nichts von dem Wasser schluckt." Dazu gehöre unter anderem, das Mundstück einer Trinkflasche an Bord nicht zu berühren.

  Philipp BuhlFoto: tomthouwphotography
Philipp Buhl

Buhl hat im vergangenen Jahr bei einer Testregatta die Verschmutzung bereits erlebt. "Das war krass", so der Sonthofener. "Bei Flut drückte es türkisblaues Wasser in die Bucht, das sah völlig normal aus. Als dann die Tide kippte und Ebbe einsetzte, sah man ganz deutlich die Stromkante. Auf der einen Seite strömte noch blaues Wasser hinein, daneben bereits eine braune Brühe hinaus, in der alle zehn Meter ein größeres Müllstück schwamm und die mit Plastiktüten durchsetzt war. Das Dumme war nur, dass man in die Brühe segeln musste, um schnell zu sein."

Er würde viel lieber außerhalb der Bucht auf dem offenen Meer segeln, dort sei das Wasser augenscheinlich sauber und auch die Segelbedingungen würden deutlich besser sein.

Denn für Buhl birgt die Verschmutzung der Bucht eine große persönliche Gefahr: "Ich habe Angst davor, dass alles, was man investiert und auch aufgegeben hat, umsonst war, nur weil man sich bei den Spielen eine Infektion einfängt."

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