Regatta-News"Ich habe nichts gegen Alex"

Carsten Kemmling

 · 12.05.2004

Regatta-News: "Ich habe nichts gegen Alex"Foto: Th. Martinez Alinghi Challenge

Jochen Schümann nimmt bei YACHT online Stellung zum "Olympia-Streit"

Nach seinen Äußerungen zur Olympia-Qualifikation ist Jochen Schümann, der Teamchef der deutschen Olympia-Mannschaft, unter Beschuss geraten. Bild-Hamburg titelte dazu: "Olympia-Streit! Hagen droht mit Klage. Teamchef Schümann will Hamburgs Star-Segler das Ticket streitig machen."

Es ist eine Schlammschlacht entbrannt. Interessenvertreter der betroffenen Sportler zielen tief unter Schümanns Gürtellinie, indem sie ihm hinter vorgehaltener Hand persönliche Interessen unterstellen. Denn die Surferin Romy Kinzl, die nach seiner Meinung noch eine Chance für das Athen-Ticket erhalten sollte, ist Mitglied in Schümanns Sportclub Berlin-Grünau. Ebenso wie Starbootsegler Ingo Borkowski, der ehemals bei Schümann und jetzt bei Marc Pickel an der Vorschot segelt.

"Über so etwas lohnt es sich nicht zu reden", kommentiert Jochen Schümann gegenüber YACHT online. "Ich fühle mich in meinem Job als Team-Chef allein dem Erfolg bei Olympia verpflichtet. Ich möchte in Athen ein schlagkräftiges DSV-Team am Start sehen. Und dafür ist es gut, die interne Ausscheidung so lange wie möglich offen zu halten. Das verbessert die Leistungsfähigkeit unter Druck. Und das ist es, was in Athen zählen wird."

Bei den Starbooten sei es möglich, die Qualifikation, wie vorgesehen, erst bei der SPA-Regatta in Medemblik zum Abschluss zu bringen. Denn nach Schümanns Meinung hat Marc Pickel mit dem dritten Platz bei der PreOlympics-Regatta in Athen die Kriterien des Nationalen Olympischen Komitees bereits erfüllt, an denen er bei der Weltmeisterschaft mit Platz 18 scheiterte. Aber die Norm wurde ihm aberkannt, nachdem der damalige Vorschoter Tony Kolb das Boot verließ und Borkowski an Bord kam.

"Wenn der DSV wollte, dass die Ausscheidung bis SPA offen bleibt, hätte er die Möglichkeit, meiner Interpretation der Ausscheidungskriterien zu folgen", glaubt Schümann. "Die Buchstaben auf dem Papier sind durchaus interpretierbar." DSV-Sportdirektor Hans Sendes sieht das allerdings anders. "Ich kann Jochens Wunsch nachvollziehen, mit dem möglichst besten Team nach Athen zu fahren. Aber die Formulierung der Kriterien gibt uns keinen Spielraum. Das haben uns alle befragten Juristen bestätigt."

Jochen Schümann glaubt das nicht. "Ich attackiere nicht die Segler, sondern die Strategielosigkeit des Verbandes in dieser Sache. Ich habe nichts gegen Alex. Aber er müsste einsehen, dass ein möglichst hart geführter interner Wettbewerb auch ihm für Athen hilft, wenn er sich qualifiziert. Schließlich liegt er sechs Punkte vor Pickel. Es kann kein gutes Zeichen für Nachwuchssegler sein, die vielleicht auch einmal eine vierjährige Olympia-Kampagne starten möchte, dass ein einmaliger Glückstreffer für die Fahrkarte reicht."

Ähnlich sei die Situation bei den Surferinnen. Die Wiedergutmachungs-Entscheidung für die Französin, durch die Romy Kinzl vom entscheidenden 12. auf den 13. Rang zurückgestuft wurde, hält Schümann für einen "Witz". Vor dem NOK könne man durchaus argumentieren, dass Kinzl noch eine Chance bekommen solle. "Nur um den Wettbewerb offen zu halten", betont Schümann noch einmal. "Mir geht es dabei nicht um Personen, nur um die Verbesserung der Leistung in Athen."

Marcus Baur und Max Groy hätten das begriffen. Die befänden sich in einer ähnlichen Situation. Trotz Bronze bei der 49er-WM haben die Peckholt-Brüder mit dem für sie sensationellen Platz elf eine zweite Ausscheidung in Medemblik erzwungen. Baur/Groy wollten das Nachwuchsteam erst dazu bewegen, auf die Ausscheidung zu verzichten, weil die Regatta nicht in ihren Aufbau für Athen passe. "Aber dann sind sie sportlich meiner Argumentation gefolgt, dass sie die weitere Qualifikation noch stärker machen könne. Ich finde das klasse."

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