Regatta-NewsHagen wehrt sich gegen Schümann-Kritik

Lars Bolle

 · 17.05.2004

Regatta-News: Hagen wehrt sich gegen Schümann-KritikFoto: privat

Starbootsegler Alexander Hagen fühlt sich ungerecht behandelt

Dem neuen Mannschaftsleiter für Athen Jochen Schümann schlägt Gegenwind aus dem Aktivenlager entgegen. In einem offenen Brief an YACHT online wehrt sich der Hamburger Alexander Hagen gegen Aussagen von Schümann zu dessen Olympiaqualifikation.

Laut offiziellem Ausscheidungsmodus wurde Hagens Konkurrenten Marc Pickel die Olympianorm, die dieser im vergangenen Jahr ersegelte, aberkannt, nachdem er sich von seinem Vorschoter Toni Kolb getrennt hatte. Da Pickel die Olympianorm in diesem Jahr nicht erneut schaffte, Hagen dagegen mit EM-Platz vier das Kriterium erfüllte, ist nach dem Reglement die letzte Ausscheidungsserie Ende des Monats in Medemblik hinfällig geworden. Schümann vertrat in einer dpa-Meldung den Standpunkt, dass die Aberkennung des Status` von Pickel interpretierbar und damit eine Ausscheidungsverlängerung möglich sei.

In seinem Schreiben beklagt Hagen unter anderem die Art der Kommunikation. "Ich glaube Jochen, dass er nichts gegen meine Person hat", so Hagen. "Wir kennen uns seit fast 30 Jahren. Direkt nach der Wende hat er bei uns auf dem Sofa gesessen. Er agiert allerdings gegen meine Olympiaqualifikation. Nachdem ich über fast eine Woche aus dritter Hand von seinen Einwänden gehört hatte, schrieb ich ihm eine höfliche E-Mail (telefonisch konnte ich ihn nicht erreichen). Er möchte mir bitte persönlich mitteilen, welche Probleme er mit unserer gewonnenen Olympia-Quali hätte, da ich den Gerüchten nicht glauben wollte. Daraufhin ging seine dpa-Meldung an alle Medien."

Schümann wurde darin zitiert: „Es gab in den vergangenen Wochen irrtümlich die Meldung, dass die Ausscheidungen bei den Starbooten und Mistral-Surferinnen beendet ist. Aus meiner Sicht jedoch wird die Fortsetzung der nationalen Qualifikation dafür sorgen, dass unser Team noch wettbewerbsfähiger wird." Und weiter: "Sowohl Alex Hagen als auch Marc Pickel haben in diesem beziehungsweise im letzten Jahr die NOK-/DSB-Norm erfüllt. Alex Hagen führt in der Qualifikation zwar klar, doch angesichts der Tatsache, dass beide Mannschaften zuletzt leistungsmäßig auf der Kante standen, wird der weitere Wettbewerb zwischen den beiden dem Niveau nur gut tun."

Erst nach einer Pressekonferenz in Hamburg zwei Tage später, auf der DSV-Präsident Dierk Thomsen Hagens Nominierung bestätigte, habe Schümann bei Hagen angerufen, "um sich zu rechtfertigen und noch einmal seinen Standpunkt zu erklären, dass er das nach wie vor ganz anders sehe." Das Gespräch verlief nach Hagens Darstellung wie folgt: "Mir erlaubte er nicht, in ruhigem, sachlichem Ton meinen Standpunkt zu erklären. Wenn ich ihm etwas zu sagen hätte, dann müsste ich ihn anrufen, es sei hier sein Telefongeld, das verbraucht werde. Auf meine Anfrage 'Wie bitte?', wiederholte er den Satz und legte dann den Hörer auf. Das Gespräch hatte keine drei Minuten gedauert."

Hagen kann die Diskussion nicht nachvollziehen: "Fakt ist: Wir haben die Olympiaausscheidung 2004 auf dem Wasser gewonnen. Die Kriterien sind eindeutig und wir haben sie als einzige erfüllt. Sie sind nicht interpretierbar."

Was Schümann „Strategielosigkeit des Verbandes“ nennt, sei, so Hagen, in Wahrheit das strikte Festhalten an einem schriftlichen und von allen Beteiligten unterschriebenen Qualifikationsmodus. Dieser sei bereits sieben Jahre alt und habe schon die Olympiamannschaft 2000 für Sydney rekrutiert, zu der auch Jochen Schümann gehörte. Das Konzept habe sich als so gut erwiesen, dass es praktisch unverändert für Athen übernommen wurde.

"Ich war im vergangenen Jahr verletzt", so Hagen weiter, "und hatte nur die beiden Chancen in 2004 genau wie Pickel/Borkowski, um die hohe A-Kader/NOK-Norm zu stemmen (EM Platz 1 bis 5, WM Platz 1 bis 12). Wir haben sie mit dem vierten auf der EM geschafft, die anderen nicht."

"Als einer der weltweit erfolgreichsten Starbootsegler aller Zeiten (unter anderem zwei Gold- und sieben Silver-Stars) und deren Europapräsident möchte ich mir von meinem Teamchef nicht öffentlich sagen lassen, ich hätte einen einmaligen Glückstreffer gelandet, und das könne kein gutes Beispiel für den Nachwuchs sein."

Hagen abschließend: "Ich überlasse es den DSV-Oberen und vor allem Jochen selbst, zu entscheiden, ob hier das nötige Vertrauensverhältnis für eine fruchtbare Zusammenarbeit im Hinblick auf Athen geschaffen wurde. Ich freue mich riesig auf die Spiele und werde auf jeden Fall als schönen Abschluss meiner olympischen Laufbahn im August mit Jochen Wolfram in Athen aufschlagen - mit oder ohne Jochen Schümann."

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