Paralympics"Die Jungs wollen das genau wie wir"

Tatjana Pokorny

 · 04.09.2012

Paralympics: "Die Jungs wollen das genau wie wir"Foto: onEdition

Zwei Tage vor Ende der Paralympics-Regatta liegen beide GER-Teams auf Platz zwei. Trainer Bernd Zirkelbach erklärt den Leistungssprung

  Die Britin Helena Lucs segelt bei der Paralympics-Regatta vor Weymouth auf Goldkurs, Heiko Kröger (davor) kämpft wiedererstarkt um eine MedailleFoto: onEdition
Die Britin Helena Lucs segelt bei der Paralympics-Regatta vor Weymouth auf Goldkurs, Heiko Kröger (davor) kämpft wiedererstarkt um eine Medaille

Noch vor einem halben Jahr lief es für Heiko Kröger in seiner 2.4mR und Jens Krokers Sonar-Team weniger gut. Die Paralympics-Sieger von 2000 (Kröger) und 2008 (Kroker/Prem/Mainka) segelten nicht mehr so zwingend in der Top-Gruppe ihrer jeweiligen Disziplin wie einst. Es gab viele, die den beiden Mannschaften den erneuten Griff nach einer Medaille nicht mehr zutrauten. Und nun das: Beide Teams liegen zwei Wettfahrttage vor Ende der paralympischen Regatta im Olympiarevier zwischen Weymouth und Portland auf Platz zwei. Beide können eine Medaille gewinnen. Für die Steuerleute in der Einhand-Kielbootklasse 2.4mR stehen am Mittwoch zwei, am Donnerstag noch eine Wettfahrt auf dem Programm. Die Sonare sollen am Mittwoch sogar drei und am Donnerstag ebenfalls nur ein letztes Rennen segeln.

  Kröger-Trainer Bernd ZirkelbachFoto: tati
Kröger-Trainer Bernd Zirkelbach

"Der Funke ist übergesprungen", sagt Trainer Bernd Zirkelbach vom Sailing Team Germany, der Heiko Kröger seit 1996 mit einer Unterbrechung von zwei Jahren trainiert, "ich habe versprochen, dass ich etwas für diesen Erfolg tun werde. Das haben nicht alle geglaubt." Nun ist die Chance gekommen. "Unsere Maßnahmen haben voll gegriffen", freut sich Zirkelbach ebenso wie Sonar-Trainer Christian Bittner, ein ehemaliger Leistungssegler vom Yachtclub Berlin-Grünau.

  Die Sonar-Mannschaft von Jens KrokerFoto: onEdition
Die Sonar-Mannschaft von Jens Kroker

Die Leistungsexplosion der beiden GER-Teams ist dank vieler Helfer und sehr konzentrierter Arbeit gelungen. "Wir konnten Segler wie Dieter Below, Lucas Zellmer oder auch einen Robert Stanjek aktivieren, uns als Sparring-Partner mit ihrer Erfahrung zu unterstützen", erklärt Zirkelbach, "bei unseren beiden Booten stimmen nun Speed und Segel-Performance." Letzteres sei, so Zirkelbach, auch der intensiven Zusammenarbeit mit dem Segelmacher Faber & Münkner zu verdanken. Zum Kernteam der deutschen Paralympics-Segler zählt neben den Seglern und den beiden Trainern auch Thomas Dehler, der im Sailing Team Germany eine BFD (Bundesfreiwilligendiest)-Stelle besetzt.

Sowohl Heiko Kröger als auch die Sonar-Mannschaft haben ihr Trainingspensum vor den Paralympics deutlich erhöht. "Wir haben dreimal so viel gemacht wie sonst, und es gab auch nicht immer nur Zustimmung", sagt Zirkelbach, "aber unsere Segler vertrauen uns, haben sehr viel investiert. So ist beispielsweise Jens Kroker, der ja in Brasilien lebt und arbeitet, sehr, sehr viele Wochenenden immer wieder nach Berlin zum Training eingeflogen."

  Britannia rules the waves: Helena Lucas segelt vor Weymouth auf Goldkurs, Kröger ist der JägerFoto: onEdition
Britannia rules the waves: Helena Lucas segelt vor Weymouth auf Goldkurs, Kröger ist der Jäger

Als "hochmotiviert und gelassen" beschreibt Zirkelbach den Gemütszustand der vier deutschen Paralympics-Segler kurz vor dem Finale: Heiko Kröger, Jens Kroker, Robert Prem und Siegmund Mainka haben auf Angriffsmodus umgeschaltet. "Sie wollen die Medaille genauso wie wir", sagt Zirkelbach. Dass in der 2.4mR die Britin Helena Lucas Heiko Kröger im Kampf um Gold schon weit enteilt ist, sei zum einen Lucas' starkem Auftritt zuzuschreiben, ein wenig auch den vorherrschenden leichten Winden. "Bei Starkwind hätten wir unsere Joker vielleicht noch leichter aus dem Ärmel ziehen können." Zirkelbach, der vor zwölf Jahren als erfolgreichster Trainer der Spiele mit Krögers Gold und Krokers Silber gleich zwei Medaillen gleichzeitig gewann, sagt kurz vor dem spannenden Finale der Paralympics-Regatta 2012: "Wenn wir das momentane Ergebnis halten könnten, wären wir sehr, sehr glücklich. Wir wollen hier zwei Medaillen gewinnen und werden alles dafür tun." Werden es die Medaillen, die Deutschlands olympische Segler so schmerzlich knapp verpasst hatten?

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