Paralympics-Comeback-Bewegung #BacktheBidThomson macht mit: Alex Thomson: "Er hat jede Bö lange vor mir erkannt"

Tatjana Pokorny

 · 06.07.2022

Paralympics-Comeback-Bewegung #BacktheBid: Thomson macht mit: Alex Thomson: "Er hat jede Bö lange vor mir erkannt"Foto: Alex Thomson Racing

Im Kampf ums Paralympics-Comeback des Segelsports ist mit der Bewerbungsabgabe für 2028 ein Meilenstein erreicht. Thomson beflügelt die Kampagne #BacktheBid

Der Weltseglerverband World Sailing hat mit der Einreichung der offiziellen Bewerbung für die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles einen wichtigen Meilenstein im Kampf um das Comeback bei den Paralympics erreicht. Das vermeldete die Londoner Zentrale jetzt. World Sailings CEO David Graham sagte am Dienstag: "Heute ist ein entscheidender Moment – unsere LA28-Bewerbung für Para Sailing ist eingereicht. Wenn unsere Bewerbung erfolgreich ist, werden Athleten aus über 46 Ländern auf sechs Kontinenten ihre Nationen bei einem der größten Sportereignisse der Welt vertreten. Unsere globale Segelfamilie hat sich laut und deutlich geäußert und ist zusammengekommen, um #BacktheBid zu unterstützen – um diesen Sport, der so vielen Menschen so viel bietet, wieder bei den Paralympics zu sehen."

  Kämpft fürs paralympische Comeback: World Sailings CEO David GrahamFoto: World Sailing
Kämpft fürs paralympische Comeback: World Sailings CEO David Graham

Darauf hofft auch Weltumsegler und Vendée-Globe-Star Alex Thomson, der sich voller Überzeugung der Kampagne #BacktheBid angeschlossen und selbst gute Erfahrungen mit gehandicapten Mitseglern gemacht hat. "Ich bleibe mein Leben lang inspiriert von meinem blinden Crewmitglied im Clipper Race. Der war so feinfühlig mit dem Wind und im Umgang mit den Bewegungen des Bootes, dass er jede Bö lange vor mir erkannt hat."

Das Bestreben von World Sailing, als Sportart wieder in die Paralympischen Spiele aufgenommen zu werden, hatte in dem Moment begonnen, als Segeln als paralympischer Sport nach den Spielen von Rio de Janeiro aus dem Programm gestrichen worden war.

  Viel Segelprominenz hat sich der Kampagne #BacktheBid angeschlossenFoto: World Sailing
Viel Segelprominenz hat sich der Kampagne #BacktheBid angeschlossen

"Jetzt hat der Verwaltungsrat des Internationalen Paralympischen Komitees die schwierige Aufgabe, die Bewerbungen der internationalen Verbände zu prüfen, die sich um einen Platz im LA28-Sportprogramm bewerben, in dem derzeit 22 paralympische Sportarten berücksichtigt werden – genauso viele wie in Rio, Tokio und Paris. Nun wollen mehr Sportarten aufgenommen werden. Unsere Arbeit ist noch lange nicht getan", erklärt Graham.

David Graham: "Der paralympische Segelsport floriert"

Die Argumente des Segelsports sind vielfältig und gut: das schnelle globale Wachstum des paralympischen Segelsports, der zielgerichtete Ansatz von World Sailing zur Erhöhung der Zahl der weiblichen Para-Seglerinnen und die Tatsache, dass der Sport in hohem Maße inklusiv ist, haben ihn in den Blickpunkt des Internationalen Paralympischen Komitees gebracht, das im Januar 2023 endgültig über das paralympische Programm bei den Spielen in Los Angeles 2028 entscheiden wird. "Para Sailing floriert, obwohl die letzten Jahre für den globalen Sport eine Herausforderung waren", betonte Graham zur Bewerbungsabgabe. "Wir haben jetzt aktive Para-Segler in 41 Ländern auf fünf Kontinenten. Unser engagiertes Para Sailing Development Programme (PDP), das 2017 ins Leben gerufen wurde, war dabei von entscheidender Bedeutung. Wir haben das Jahr 2022 mit unserem ersten PDP im Sultanat Oman eröffnet. Erst vor einer Woche haben wir unser erstes Para Kiteboarding PDP überhaupt veranstaltet."

Para Sailing ist eine der inklusivsten Sportarten der Welt: 44 % der Top-Ten-Segler bei Para-Weltmeisterschaften haben einen hohen Unterstützungsbedarf. Segeln ist zudem eine der wenigen Sportarten, in denen Männer und Frauen nebeneinander und gegeneinander unter gleichen Bedingungen antreten können – die Bewerbung von World Sailing für LA28 spiegelt dies mit den vorgeschlagenen gemischten Männer- und Frauencrews und -flotten in allen drei vorgeschlagenen Klassen wider. Hier werben die Top-SailGP-Akteure für die Kampagne #BacktheBid (bitte anklicken!).

World Sailing hat im vergangenen Oktober offiziell seine Kampagne zur Wiederaufnahme der Paralympics gestartet, die von weltweit bekannten Seglern und führenden Persönlichkeiten des Sports unterstützt wird. Schwedens jüngste Athletin bei Paralympischen Spielen – die Seglerin Fia Fjelddahl – war 17 Jahre alt, als sie als Fahnenträgerin für die Abschlusszeremonie in Rio 2016 ausgewählt wurde: "Sechs Jahre später – zwei Spiele später – kann ich immer noch nicht in Worte fassen, wie es sich angefühlt hat, Schwedens Fahne in Rio zu tragen", erinnert sich die Studentin des nachhaltigen Ingenieurwesens. "Unser Sport floriert. Als Segler haben wir eine besondere Affinität zu dem, was uns umgibt – wir sind ständig auf der Suche nach Lösungen für unsere natürliche Umwelt und für die Gesellschaft. Wir haben den Paralympischen Spielen viel zu geben, da jeder auf der Welt nach der Bedeutung des Sports sucht und danach, wie er die Welt, in der wir alle leben, verbessern kann."

Die Zukunft des Para-Segelsports

Sir Ben Ainslie CBE, mit vier Goldmedaillen erfolgreichster Olympiasegler der Sportgeschichte, wünscht sich laut, dass in Los Angeles paralympische Segler antreten: "Segeln ist so integrativ und bietet so vielen Menschen die Möglichkeit, unabhängig von ihren körperlichen Fähigkeiten als Team zusammenzuarbeiten. Deshalb ist es so wichtig, dass das Segeln bei den Paralympischen Spielen für LA28 wieder dabei ist."

  Heiko Kröger in seinem 2.4-mR-Element. Auch er zählt zu den Antreibern der Kampagne #BacktheBidFoto: Cate Brown
Heiko Kröger in seinem 2.4-mR-Element. Auch er zählt zu den Antreibern der Kampagne #BacktheBid

Im Februar hielt das Internationale Paralympische Komitee eine mit Spannung erwartete Sitzung mit den internationalen Verbänden ab, bei der es um die LA28 ging, die Bedingungen und der Zeitplan umrissen wurden. "Ich habe es im Februar gesagt, und ich sage es jetzt noch einmal: Unsere Para-Sailing-Strategie ist vollständig auf die IPC-Leitprinzipien abgestimmt, wir können die Kriterien erfüllen und zeigen, dass Para Sailing heute eine der inklusivsten, vielfältigsten und universellsten Sportarten auf dem Planeten ist", unterstreicht David Graham.

Das kann Heiko Kröger nur bestätigen. Der 56-jährige Paralympics-Sieger von 2000 ist zehnmaliger Weltmeister und 15-facher Deutscher Meister. Bei der 2.4-mR-Europameisterschaft, deren Klasse er als Präsident führt, segelte Kröger zuletzt auf Platz drei, bei der Kieler Woche gewann er seinen 13. Titel. Sein Plädoyer für den paralympischen Segelsport ist so einfach wie überzeugend: "Segeln ist extrem inklusiv. Es erlaubt Seglern mit unterschiedlichen Fähigkeiten, in Booten auf einem Level zu agieren."

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