Tatjana Pokorny
· 10.05.2024
“Im Moment tut es einfach nur weh”, schrieben Luise Wanser und Philipp Autenrieth in ihrem kurzen und emotionalen Statement zur Halbzeit der 470er-Mixed-Europameisterschaft vor Cannes. Was war passiert? Die europäische Titelserie hatte als dritte und letzte Ausscheidungsregatta für die deutschen 470er-Mixed-Crews am Dienstag begonnen. Zwei Tage konnte in leichten Winden gesegelt werden. Die Rennen am Donnerstag fielen aus. Damit wurde das EM-Feld der 46 teilnehmenden Crews nach nur fünf Wettfahrten in Gold- und Silberflotte geteilt.
Luise Wanser und Philipp Autenrieth haben den Cut um zwei Punkte verpasst. In der Silberflotte haben die Weltmeister von 2022 keine Chance mehr, noch den benötigten Coup für ihre Olympia-Qualifikation zu landen, der ohnehin ein schwerer Gang geworden wäre. “Zuerst war da Fassungslosigkeit, dann übermannten uns die Tränen”, beschrieben Luise Wanser und Philipp Autenrieth ihre Gefühlswelt in Cannes.
Weiter erklärten die Hamburgerin und ihr bayerischer Vorschoter: “Aufgrund der Aussichtslosigkeit sehen wir uns emotional nicht in der Lage, die restlichen Wettfahrten ordentlich zu segeln, und haben uns deshalb entschieden, die EM vorzeitig zu beenden.” Während das Nord-Süd-Duo maximal enttäuscht die Heimreise antritt, geht der Kampf um nur eine Olympia-Fahrkarte in dieser starken deutschen olympischen Segeldisziplin weiter. Zur Übersicht die Stände in der nationalen Ausscheidung nach zwei von drei Regatten und vor dem EM-Finale:
Nach den bislang nur zwei gesegelten Tagen ist das Bild bei der Europameisterschaft aus deutscher Sicht anders als gewohnt. Nicht eine GER-Crew ist unter Ausscheidungsdruck und im flauen Kräftemessen bislang in den Top Ten zu finden. Als beste Crew lagen Theres Dahnke und Matti Cipra (Plauer Wassersportverein) am Freitagmittag mit 26 Punkten auf Platz 13. Es folgten die in der Ausscheidung führenden Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee) mit 27 Punkten auf Platz 15.
Auf Platz 19 lagen mit 32 Zählern Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/Norddeutscher Regatta Verein) direkt vor Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee) mit 34 Punkten. Sorgen machten Veranstaltern wie Seglern die nach wie vor flauen Prognosen. Auch der EM-Freitag begann zunächst mit einer Startverschiebung. “Am Nachmittag soll vielleicht eine leichte Thermik kommen. Was der Wind heute und morgen macht, liegt nun einmal nicht in unserer Hand. Wir nehmen das, was kommt. Und sind für jedes Rennen bereit”, sagte Malte Winkel.
Die 470er-Mixed-EM wird bis zum Wochenende mit der Hauptrunde fortgesetzt, wenn gesegelt werden kann. Das doppelt gewertete Medaillenrennen soll am Sonntag stattfinden. Spätestens dann ist klar, welche deutsche Crew das Ticket nach Marseille lösen konnte.
Gleichzeitig nutzt Deutschlands beste und bereits für Olympia qualifizierte Nacra-17-Crew ihre WM in La Grande Motte zu letzten Vorbereitungen für den erhofften zweiten olympischen Gipfelsturm im Sommer in der Bucht von Marseille. Dabei haben Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club) einen ärgerlichen Auftakttag zu verdauen: Sie waren im zweiten Rennen in die Ankerkette des Zielschiffs gecrasht. Dadurch verpassten sie auch das Folgerennen und kassierten zweimal die volle Punktzahl.
Inzwischen sind Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer nach zwei Rennsiegen und zuletzt den Rängen 4 und 6 aus den Niederungen des Klassements wieder auf Platz 17 vorgerückt. Das Kieler Duo kämpft in ebenfalls wackligen Mittelmeer-Winden im Golfe du Lion um das Erreichen des Medaillenrennens, das wie bei der 470er-WM für Sonntag geplant ist. Wenn gesegelt werden kann.
Warten auf Wind und die damit verbundene Geduld sind die gefragtesten Tugenden bei der 470er-Mixed-EM, die für die besten Crews vom German Sailing Team von so großer Bedeutung ist. Die Highlights von Tag 3 zeigen die flauen Bedingungen:

Freie Reporterin Sport