OlympiaJo oder No? Kiel will es olympisch zum dritten Mal wissen

Tatjana Pokorny

 · 10.03.2026

Der Blick aufs Olympiazentrum Kiel-Schilksee, das jedes Jahr Herzkammer der Kieler Woche ist und sich als Gastgeber für eine olympische Regatta der Zukunft bewirbt.
Foto: Christian Beeck/www.segel-bilder.de/Kieler Woche
Am 19. April stimmt Kiels Bevölkerung über die Olympia- und Paralympics-Pläne der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt ab. Es geht um grünes Licht für die Bewerbung als Segelpartner von drei der vier deutschen Kandidaten, die sich beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) um die Ausrichtung künftiger Olympischer Spiele bewerben. Dafür haben die Kieler ihre Pläne noch einmal vorgestellt.

Es sind XL-Pläne, die Kiel für die mögliche erneute Austragung einer olympischer Segelregatta und möglicherweise auch anderer Sportwettkämpfe unter den fünf Ringen schmiedet. Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt war 1936 und 1972 schon zweimal Gastgeberin von Olympiaregatten – und will es gerne zum dritten Mal werden. Von vier deutschen Bewerbern (Hamburg, München, Berlin und Köln-Rhein-Ruhr), setzen drei im laufenden nationalen Wettkampf um nur einen Kandidatenplatz für den internationalen Wettbewerb nur oder auch auf Kiel als Segelpartner.

Kiels Asse im Olympia-Ärmel: Erfahrung, hohe Segelsicherheit, bestehende Infrastruktur

Während in Berlin die Würfel für Rostock-Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern als Segelpartner gefallen sind, setzen die anderen drei Bewerber um die Ausrichtung Olympischer Spiele zwischen 2036 und 2044 alleine auf Kiel (Hamburg, München) oder auf beide deutschen Segelreviere (Köln-Rhein-Ruhr). Als erster Bewerber hatte sich Hamburg von Beginn an zu Kiel als Segelpartner bekannt.

Es folgte das Münchner Votum für Kiel. In der Bayern-Metropole haben die Bürger ihrer Olympiabewerbung auch schon das wichtige Jawort gegeben. Das Votum fiel bei 66,4 Prozent Ja- und 33,6 Prozent Nein-Stimmen deutlich pro Olympia in der eigenen Stadt aus. Für München (”Für Spiele mit Herz & Seele”) wären es die zweiten Olympischen Spiele nach 1972.

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In Kiel (19. April, “Jo! zu Olympia in Kiel”) und Hamburg (31. Mai, “Eine Chance für alle”) wird erst noch über die olympischen Pläne und Hoffnungen abgestimmt. Ebenso in den 17 Gemeinden der Köln-Rhein-Ruhr-Kampagne (”Unsere Städte, unsere Spiele”), wo das Bürgervotum wie in Kiel am 19. April eingeholt wird. Eine möglichst breite Zustimmung der Menschen in den Bewerberstädten gilt als wichtiger Faktor bei der finalen Entscheidung, welche Kandidatenkombination Deutschland ins internationale Rennen um die Austragung Olympischer Spiele 2036, 2040 oder 2044 ins Rennen schicken wird.

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Olympiabewerbungen: Konzeptabgaben bis zum 4. Juni

Im nationalen Verfahren zur Ermittlung des einen deutschen Kandidaten für die Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bleibt allen nicht von ihren Bürgern auf dem Weg gestoppten Kandidaten bis zum 4. Juni Zeit, die Bewerbungskonzepte beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einzureichen.

Am 26. September 2026 wird die DOSB-Mitgliederversammelung den nationalen Kandidaten für die internationale Olympiabewerbung wählen. Damit fällt dann auch die Entscheidung über das Segelrevier, das sich als Gastgeber für eine Olympia-Regatta mitbewerben darf. Die Pläne dafür hat Kiel jetzt noch einmal konkretisiert.

Die norddeutsche Sailing City und Gastgeberin der jährlich ausgetragenen Kieler Woche hat viel vor, wenn sich am 19. April mehr als 50 Prozent der Kieler Bürgerinnen und Bürger für die Olympia-Bewerbung entscheiden. Dem NDR sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: “Wir haben natürlich einerseits die riesige Erfahrung mit der Kieler Woche, die elfmal so groß ist wie Olympische Spiele. Wir haben schon zweimal bei Olympischen Spielen gezeigt, dass wir das können. Wir haben hier ein sehr segelsicheres Revier. Das heißt, an 90 Prozent der Tage im August kann man hier sicher segeln.”

Die Wirtschaft an Bord: “Die Spiele ersetzen 50 Jahre Standortmarketing”

Bald 54 Jahre ist es her, dass Kiel 1972 die Bühne für den olympischen Segelsport bot. Jetzt kämpfen Kiel und Schleswig-Holstein als Partner der großen Bewerber um eine Neuauflage und auch die Austragung weiterer Wettkämpfe im Handball, Rugby, Freiwasserschwimmen und Coastal Rowing. Für den olympischen Segelsport setzt Kiel auf das bestehende Olympiazentrum in Kiel-Schilksee, dessen Grundsteinlegung am 13. Oktober 1969 erfolgt war.

Am vergangenen Wochenende informierten Ulf Kämpfer, Sportdezernent Gerwin Stöcken und weitere Olympia-Mitstreiter über die Planungen für das Olympiazentrum. Im Rahmen eines Bürgertages informierten die Olympia-Antreiber über das Vorhaben auch auf der Wiese, die Kieler-Woche-Teilnehmer als Camping-Zuhause gut kennen. Hier könnte zwischen Schilksee und Strande einmal ein olympisches Dorf entstehen, das nach den Spielen als sozialer Wohnraum nutzbar wäre. Zusätzlich ist eine neue Bootshalle geplant, die aber auch unabhängig von Olympia kommen soll.

Die Stadt setzt intensiv auf bereits bestehende Infrastruktur, weiß aber, dass das Olympiazentrum modernisiert werden muss. Die Maßnahmen in diesem Bereich bezifferte Ulf Kämpfer mit insgesamt etwa 65 Millionen Euro Kosten. Unterstützung für die Kieler Bewerbung kommt auch aus der Wirtschaft. Knud Hansen, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK), sagt: “Es gibt nichts Vergleichbares, das wie die Faszination von Olympia den Wirtschafts- und Tourismustsandort Kiel nachhaltig beflügelt. Die Spiele ersetzen 50 Jahre Standortmarketing.”

Bund-Förderung für den deutschen Olympiakandidaten

In Hamburg hatte Sportsenator Andy Grote schon früh einende Worte für die Olympia-Bemühungen in der Hansestadt gefunden. Sein Aufruf: “Olympia ist das, was wir alle gemeinsam daraus machen!” Das gilt mit Blick auf die Träume, Hoffnungen, Risiken und Ziele aber auch für alle Bewerber. Klarer kommuniziert und vereinbart als beim letzten deutschen Bewerbungsanlauf ist dieses Mal, dass der Bund sich mit finanziellen Mitteln an der Seite des zu findenden deutschen Kandidaten engagieren wird.

Bei einer Podiumsdiskussion mit Kurs “Wissenschaft in Bewegung” des aktuellen Abiturjahrgangs am Hamburger Gymnasium Blankenese hatte Hamburgs Staatsrat Christoph Holstein im Februar zur klassischen Kritik, Olympia sei zu teuer und verschlänge Mittel, die sonst beispielsweise in die Modernisierung von schulischen und städtischen Sportstätten fließen würden, diese Antwort: “Das ist ein Irrtum. Wenn wir den Zuschlag bekommen würden, würde der Bund ein großes Interesse daran haben, dass unser Standort, der sich dann ja auch international bewirbt, gut zum Tragen kommt.”

Auf die Hansestadt bezogen hieße das laut Holstein: “Gelder, die sonst woanders hinfließen würden, die würden nach Hamburg fließen können. Der Bund würde uns helfen bei der Entwicklung unserer Sportinfrastruktur. In Deutschland wird es einen Kandidaten geben. Und dieser Kandidat profitiert davon, dass die Bundesregierung sagt, wir wollen, dass ein Kandidat erfolgreich ist. Dementsprechend wird dieser eine Kandidat mit finanziellen Mitteln unterstützt.” Darum kämpfen auch Hamburgs Konkurrenten.

Das Olympia-Heimspiel im Visier

Zur Unterstützung einer deutschen Olympia-Bewerbung hatte Bundeskanzler Friedrich März im Dezember gesagt: “Mit der Bewerbung präsentieren wir uns als eine leistungsfähige, innovative Nation. Wir investieren mit ihr in die Zukunfstfähigkeit unseres Landes. Unseren Olympiasiegerinnen und -siegern von morgen wollen wir ein Heimspiel ermöglichen.” Wer dafür auf die IOC-Auswahlbühne geschickt wird, entscheidet sich bei der finalen nationalen Wahl der DOSB-Mitgliederversammlung am 26. Spetember.

Christoph Holsteins Prognose für das nationale Rennen der vier Bewerberregionen um nur eine Nominierung für den internationalen Kandidatenwettbewerb: “Wir sind in einem Konkurrenzverfahren: Berlin, Rhein-Ruhr/Nordrhein-Westfalen, Hamburg oder München. Meine bescheidene Einschätzung: Es wird am Ende auf einen Wettbewerb zwischen München und Hamburg hinauslaufen.” Behielte Holstein Recht, käme in beiden Fällen Kiel als Segelpartner ins Spiel. Wenn die Bürger in der Sailing City zuvor Ja gesagt haben.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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