Olympia 2012Noch ist nichts verloren ...

Tatjana Pokorny

 · 29.07.2012

Olympia 2012: Noch ist nichts verloren ...Foto: tati
Die 49er-Segler Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann nach den ersten beiden Wettfahrten

Die junge DSV-Flotte kommt zum Auftakt der Olympia-Regatta nicht richtig in Fahrt. Und Englands Segelidol Ben Ainslie wackelt

  Robert Stanjek und Frithjof Kleen bei ihrer Olympia-PremiereFoto: onEdition
Robert Stanjek und Frithjof Kleen bei ihrer Olympia-Premiere

Die Bilder wiederholen sich. Wie am ersten Tag der olympischen Regatta Robert Stanjek und Frithjof Kleen, so führten am zweiten Tag auch Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann für einige Zeit ein Rennen an. ARD und ZDF übertrugen in ihrem Livestream begeisternde Szenen. Doch wie schon Stanjek/Kleen fielen auch Schadewaldt/Baumann am Ende zurück, konnten die eindrucksvolle Auftaktleistung nicht ins Ziel bringen.

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Schadewaldt/Baumann mit Lampenfieber

Eine durch einen Flüchtigkeitsfehler verknotete Schot und der dadurch blockierte Gennaker, über den sich der 49er nach dem Passieren des Gates schob, machten den Traum vom Wettfahrtsieg zunichte. Mit Rang fünf gelang nach quälend langer Bereinigung des Missgeschicks, während der die Highperformance-Jolle wie ein Fisch im Netz zappelte, immerhin noch ein gutes Ergebnis.

Wäre da nicht der ärgerliche Frühstart im ersten Rennen gewesen, hätte es ein toller Tag für das Team werden können. 20, 30 Zentimeter hatte sich der Bugspriet des deutschen 49ers mit dem Namen "Kraftwerk" beim Startschuss bereits über die Linie geschoben. Zunächst hofften Schadewaldt/Baumann noch, dass nicht sie, sondern nur die neben ihnen positionierten Amerikaner zu früh dran waren. Doch als nach der Rückkehr des US-Teams die Frühstart-Flagge immer noch oben wehte, wussten die Deutschen: Die gilt auch uns. Spät, viel zu spät drehte das Team vom NRV Olympic Team und dem Yachtclub Berlin-Grünau bei, hetzte zur Linie zurück und dem Feld anschließend ohne Hoffnung hinterher.

  Die 49er-Segler Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann nach den ersten beiden WettfahrtenFoto: tati
Die 49er-Segler Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann nach den ersten beiden Wettfahrten

Mit Rang 17 im ersten Rennen der 20 49er war der Auftakt gründlich danebengegangen. Kombiniert mit dem folgenden fünften Rang aber ergab sich immerhin Platz elf im Zwischenklassement und die positive Erkenntnis, dass da viel mehr drin ist, als der 27-jährige Steuermann und sein 29 Jahre alter Vorschoter am ersten Tag erreichen konnten. "Wir haben heute zwei teure Fehler gemacht", räumte Steuermann Schadewaldt ein gewisses Maß an Auftakt-Nervosität ein. "Wir wollten zwar aggressiv in die Serie starten. Allerdings nicht so."

Trost spendete DSV-Vizepräsident Torsten Haverland, der die Aktiven in dieser Woche in Weymouth besucht: "Sieger werden nicht zum Anfang, sondern am Ende gekürt. Die Regatta ist noch lang. Ich würde den Auftakt als solide und im grünen Bereich bezeichnen. Da haben einige andere Favoriten heute noch viel mehr Federn lassen müssen."

Grotelüschen will mehr

Nicht zufrieden mit sich war Laser-Ass Simon Grotelüschen, der mit den Ränden 14 und 12 als Gesamt-Dreizehnter verhalten in seine Olympia-Premiere startete. "Es war kein guter Tag", zog der 25-Jährige vom Lübecker Yacht-Club deutlich Bilanz, "aber noch ist ja nichts verloren." Auch sein österreichischer Konkurrent Andreas Geritzer haderte als Gesamt-Zwölfter mit seinen Rängen sechs und 20. "Ich bin wahrscheinlich etwas zu konservativ gesegelt", sagte Geritzer, "ich konnte zwar den Schaden in Grenzen halten, aber man muss hier verstehen, dass der Wind von den Seiten reinkommt. Wer in der Mitte ist, der kann ihn nicht kriegen."

Robert Stanjek und Frithjof Kleen mussten am späten Nachmittag nach Rang acht in Wettfahrt drei noch einmal erleben, wie ihnen ein möglicher Podiumsplatz durch die Hände glitt. Lange Zeit lagen die Berliner auf Rang drei, bevor sie kurz vor dem Ziel noch von einer Gruppe abgefangen wurden und auf Rang sieben zurückrutschten.

Laser-Radial-Steuerfrau Franziska Goltz dagegen segelt noch auf Formsuche. Zum Auftakt ihrer Olympia-Premiere liegt die Schwerinerin nach zwei Wettfahrten auf Platz 24. Dabei wäre ihr Ergebnis deutlich besser ausgefallen, wenn sie nicht von der Jury eine gelbe Flagge kassiert hätte. Durch die Bestrafung fiel sie im ersten Rennen von Rang zehn auf Rang 23 zurück und erholte sich davon nicht mehr.

Segelidol Ainslie wackelt

In England aber sind alle Augen sorgenvoll auf den angeschlagenen Segelstar Ben Ainslie gerichtet. Das Segelidol wackelt, seine "Mission Gold" scheint in Gefahr. Ein Finn Dinghy segelnder Däne hat sich aufgemacht, "Big Ben" in die Schranken zu weisen und den Olympiarekord von Landsmann Paul Elvstrøm zu verteidigen, den Ben Ainslie mit seiner möglichen vierten Goldmedaille so gern knacken möchte. Jonas Hogh-Christensen hat nicht nur die ersten beiden Wettfahrten vor Ben Ainslie gewonnen, sondern baute seinen Vorsprung am zweiten Tag mit den Rängen zwei und sieben noch aus, während Ainslie mit seinen Rängen sechs und zwölf haderte und sogar hinter den Franzosen Jonathan Lobert auf Platz drei zurückfiel. Das Tagesergebnis kam einer Majestätsbeleidigung nahe, die Ainslie aber selbst zu verantworten hatte. Elf Punkte Vorsprung hat sich der Skandinavier nun schon erarbeitet – ein dickes Polster im Kampf gegen den erfolgreichsten Olympiasegler des letzten Jahrzehnts. Ben Ainslie muss nun die Kämpferqualitäten ins Feld führen, die ihn so berühmt und so erfolgreich gemacht haben, will er seine Chance wahren, im Heimatrevier zum erfolgreichsten Olympiasegler aller Zeiten aufzusteigen.

Eine Wette und ihre Spätfolgen

Sorgen ganz anderer Art hat der irische Starboot-Steuermann Peter O'Leary, der bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren einige kleinere Wetten auf Ergebnisse der Olympischen Regatta abgeschlossen haben soll. IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, "dass die Ethikkommission die Anschuldigungen untersucht, die vor kurzem ans Licht kamen". Der Ire soll angeblich zwei Wetten auf einen Olympiasieg des britischen Seglers Iain Percy platziert und bei einem EInsatz von 300 Euro immerhin 3900 Euro gewonnen haben.

  Peter O'Leary und David Burrows im StarbootFoto: onEdition
Peter O'Leary und David Burrows im Starboot

Ein Athlet kann sich in einem solchen Fall vor der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verteidigen. Im drastischsten Fall droht ihm ein Olympia-Ausschluss. Für Peter O'Leary sprechen allerdings mindestens zwei Tatsachen: Er hatte sich bei den Olympischen Spielen 2008 als Olympia-Neuling gar nicht für das Medaillenfinale der besten zehn Teams qualifiziert und konnte deshalb auch keinen Einfluss auf den Ausgang des entscheidenden Rennens nehmen. Außerdem – so argumentieren der Irische Segler-Verband und viele internationale Segelfreunde des sympathischen Iren – sei das entsprechende Reglement erst vor einem Jahr geändert worden und 2008 in jetziger Form noch nicht gültig gewesen. Yacht online wird den Fall verfolgen und über die IOC-Entscheidung berichten.

Am Dienstag steigen auch die RS:X-Surfer in die olympische Regatta ein. Für Deutschland starten Moana Delle aus Kiel und Toni Wilhelm aus Dogern.

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