Olympia 2012"Ich will meinen Athleten beschützen"

Tatjana Pokorny

 · 30.07.2012

Olympia 2012: "Ich will meinen Athleten beschützen"Foto: onEdition

Eine Wette vor vier Jahren bringt dem irischen Starboot-Steuermann Peter O'Leary Probleme. Trainer Marc Pickel verteidigt seinen Schützling

Vor vier Jahren hat Starboot-Steuermann Peter O'Leary vor Qingdao in China erstmals an Olympischen Spielen teilgenommen. Damals erreichte der noch unerfahrene Segler das Medaillenfinale der besten zehn Segler nicht. Im Spaß schloss er Wetten auf den Sieg von Großbritanniens Starboot-Ass Iain Percy ab – und gewann einige tausend Euro. Längst schien die Geschichte abgehakt, bevor sie nun ausgerechnet bei O'Learys zweitem olympischem Einsatz hochkocht.

IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, "dass die Ethikkommission die Anschuldigungen untersucht, die vor kurzem ans Licht kamen". Ein Athlet kann sich in einem solchen Fall vor der Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verteidigen. Im drastischsten Fall würde ihm ein Olympia-Ausschluss drohen.

Für Peter O'Leary kommen die Diskussionen und der begleitende Medienansturm zur Unzeit. Der sympathische Ire kämpft vor Weymouth um eine Medaille, liegt nach vier Wettfahrten auf Platz fünf und konnte bereits mit einem zweiten und einem fünften Rang glänzen.

O'Learys deutscher Trainer Marc Pickel aus Kiel, Olympia-Siebter der Olympischen Spiele von 2008, stellt sich in Weymouth vor seinen Athleten: "Ich will die Jungs beschützen. Der Rummel hier ist groß und beeinträchtigt die Mannschaft natürlich." Ein irischer Journalist sei sogar über die Absperrung geklettert, um das Team im Bootspark zu verfolgen.

Wird hier aus einer Mücke ein Elefant gemacht, aus einer Spaßwette ein olympisches Vergehen? Marc Pickel sagt: "Peter war vor vier Jahren jung und hat vielleicht mit der Wette etwas naiv agiert. Aber erstens war er damals gar nicht im Medaillenfinale, hätte das Ergebnis also auch nicht beeinflussen können. Und zweitens gab es das dazu bestehende Reglement in seiner jetzigen Form vor vier Jahren noch nicht. Wir hoffen, dass der Fall nun sehr schnell geklärt werden und abgeschlossen werden kann."

Interessant ist die Frage, wer dem Internationalen Olympischen Komitee erst vier Jahre nach dem Vorfall pünktlich zu Beginn der nächsten Olympischen Spiele von der Wette Peter O'Learys berichtet hat. Offizielle Angaben gibt es dazu seitens des IOC nicht – siehe Zitat oben. Es riecht aber ein wenig nach dem Foul eines Gegners oder geschlagenen Rivalen in der nationalen irischen Olympia-Qualifikation.

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