Kieler WocheDrei Brüder, eine Leidenschaft

Tatjana Pokorny

 · 23.06.2016

Kieler Woche: Drei Brüder, eine LeidenschaftFoto: www.segel-bilder.de/Kieler Woche
Max Kohlhoff führt das Finn-Klassement nach drei Regattatagen an

Für das Brüder-Trio Max, Paul und Johann Kohlhoff ist die Kieler Woche ein schönes Heimspiel. Dabei segeln zwei von ihnen sogar auf Siegkurs

  Max Kohlhoff im Finn-DinghyFoto: okpress/Kieler Woche
Max Kohlhoff im Finn-Dinghy

Max, Paul und Johann Kohlhoff genießen ihr Heimspiel auf der Kieler Förde. Die drei Brüder verbindet ihre große Leidenschaft für den Segelsport. Sie sind damit groß geworden. Erst in Bremen und seit 2004 in Strande gegenüber vom Olympiazentrum Kiel-Schilksee. Bei der 122. Auflage der weltgrößten Regatta segeln Max und Paul zur Halbzeit der olympischen Regatta sogar auf Siegkurs. Der jüngste Bruder Johann steckt mitten im Abitur, liegt aber trotzdem im Laser auf Platz 47 von 110 Startern, statt zu pauken.

Verlagssonderveröffentlichung
  Johann Kohlhoff im LaserFoto: okpress/Kieler Woche
Johann Kohlhoff im Laser
  Paul Kohlhoff und Carolina Werner im Nacra 17 vor KielFoto: ©www.segel-bilder.de
Paul Kohlhoff und Carolina Werner im Nacra 17 vor Kiel

Nach sechs Wettfahrten führt Max Kohlhoff, 23, sein Klassement im Finn-Dinghy vor seinem Trainingspartner Phillip Kasüske an. Im Finn war 1967 Jochen Schümann zu seiner ersten Goldmedaille gesegelt. Der 20-jährige Paul ist mit seiner Vorschoterin Carolina Werner Spitzenreiter in der neuen olympischen Mixed-Katamaran-Klasse Nacra 17. Das Kieler Ergebnis aber will er nicht zu hoch bewertet wissen: "Das Feld hier ist so kurz vor Olympia in unserer Klasse nicht stark besetzt. Das darf man nicht überbewerten." Die größere Herausforderung wartet erst noch: Kohlhoff und Werner haben alle Qualifikationskriterien für Olympia erfüllt und dürfen auf ihre Nominierung durch den Deutschen Olympischen Sportbund hoffen – es wäre der erste ganz große Durchbruch für einen der Kohlhoff-Brüder.

"Der spannendste Sport auf der schönsten Bühne"

"Bei uns hat es mit dem Segelsport schon in der Kindheit gefunkt: Es ist der spannendste Sport mit dem besten Wettbewerb auf der schönsten Bühne", sagt Paul Kohlhoff, der am finalen "Super Sunday" der Kieler Woche seinen 21. Geburtstag feiern wird. Gefragt nach seinem größten Wunsch, sagt der junge Steuermann spontan: "Eine olympische Goldmedaille!"

Wie Bruder Max strebt auch Paul als Segler eine Profikarriere an. Diese Klarheit und das offene Anvisieren dieser Zielsetzung ist in Deutschland selten, weil viele Athleten das Risiko scheuen und sich nach ein oder spätestens zwei Olympia-Kampagnen doch lieber auf Studium und Job konzentrieren. In Deutschland gibt es kaum einmal große Profi-Kampagnen. Dadurch mangelt es an Chancen, sich auf größeren Booten weiterzuentwickeln. Wer als Profisegler Karriere machen will, der muss also idealerweise olympisch erfolgreich sein, um internationalen Projekten aufzufallen oder sich parallel eigene Wege über internationale Engagements ins Profigeschäft suchen. "Das Risiko, im Segelsport Profi werden zu wollen, ist vielleicht ein bisschen größer, aber wenn man es richtig macht, kann so viel auch nicht schiefgehen. Ich möchte Profisegler werden und will davon leben", sagt Max Kohlhoff, der vor Kiel nach den ersten drei Regattatagen der Finn-Segler wie auch Phillip Kasüske immerhin zwei erfahrene und kommende Olympiateilnehmer in Schach hält.

470er-Junioren-Teams greifen nach WM-Medaillen

In sechs von sieben olympischen Disziplinen führten am Freitagabend Mitglieder des Audi Sailing Team Germany. Nur Ausnahmesegler Peter Burling und Blair Tuke aus Neuseeland scheinen im 49er einmal mehr nicht zu schlagen zu sein. Auch die beiden deutschen paralympischen Teams – Heiko Kröger und die Sonar-Crew mit Steuermann Lasse Klötzing, Jens Kroker und Siegmund Mainka – konnten ihre Spitzenpositionen verteidigen. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft der olympischen 470er-Segler mischen die besten deutschen Mannschaften sowohl bei den Juniorinnen als auch bei den Junioren weiter vielversprechend im Kampf um die Medaillen mit. Malte Winkel und Matti Cipra vom Schweriner Yacht-Club liegen nur einen Punkt hinter den führenden Japanern Kaiju Okada und Naoya Kimura. Frederike Loewe und Anna Markfort vom Verein Seglerhaus am Wannsee liegen punktgleich mit zwei Französinnen auf Platz vier.

  J70-Europameisterschaft: Spitzenreiterin Claudia Rossi und ihr Team auf "Petite Terrible" aus Italien führen das Feld der 91 Teilnehmer punktgleich vor Stefano Roberti vom Yacht Club Monaco an. Als beste deutsche J 70 liegt nach fünf Wettfahrten Pit Finis "dralia.de" mit Taktiker Karol Jablonski auf Platz achtFoto: Sven Jürgensen/Kieler Woche
J70-Europameisterschaft: Spitzenreiterin Claudia Rossi und ihr Team auf "Petite Terrible" aus Italien führen das Feld der 91 Teilnehmer punktgleich vor Stefano Roberti vom Yacht Club Monaco an. Als beste deutsche J 70 liegt nach fünf Wettfahrten Pit Finis "dralia.de" mit Taktiker Karol Jablonski auf Platz acht

Meistgelesene Artikel