Ilca-7-WMUnter Druck Vierter – Philipp Buhl baut Vorsprung in Olympia-Quali aus

Tatjana Pokorny

 · 31.01.2024

Philipp Buhl hat das Olympiajahr bei der WM in Adelaide als Vierter vielversprechend eröffnet
Foto: Jack Fletcher/Down Under Sail
Philipp Buhl hat bei der Ilca-7-WM im australischen Adelaide nach durchwachsener Saison 2023 bewiesen, dass er pünktlich zu Beginn der Olympiasaison wieder in Form ist. Mit Platz vier verpasste der Allgäuer zwar seine insgesamt fünfte WM-Medaille. Doch wichtiger war ihm der Ausbau seiner Führung in der nationalen Olympia-Ausscheidung. Sich selbst hat Buhl in Down Under bewiesen, dass er auch unter Druck nervenstark und erfolgreich agieren kann

Er wollte seine fünfte WM-Medaille gewinnen, verpasste das Podium aber als Vierter. Ein Luxusproblem, möchte man sagen, denn ein vierter Platz bei einer herausragend besetzten WM mit 153 Startern aus 52 Nationen muss auch erst erkämpft werden. Philipp Buhl ist das mit einem starken WM-Einstieg und einer konzentrierten Endspurt-Leistung bei der Ilca-7-WM in Adelaide überzeugend gelungen.

Im Finale unter Druck: Buhl kontert nervenstark

Ein einziger Fehltritt in der sechsten von zehn Wettfahrten bis zum Finale hatte dem 34-jährigen Steuermann zur Halbzeit eine schwere Last beschert. Weil die WM im Olympia-Modus mit nur einem Streichergebnis ausgetragen wurde, bedeuteten 38 Punkte aus Rennen sechs für Buhl ein schwerwiegendes Handicap für die noch ausstehenden vier Wettfahrten bis zum Finale.

Der Allgäuer durfte sich keinen weiteren Patzer und vor allem keinen Frühstart mehr leisten, hätte sonst ganz schnell auch aus den Top 20 herausfallen können. Was dazu führte, dass Buhl bei seiner 15. WM-Teilnahme sein Risiko bei den Starts nach dem verflixten sechsten Rennen herabsetzen musste. Seiner Serie bis dahin (3-1-5-5-11-38) ließ er in hochkonzentrierten Einsätzen die Ränge 10, 9, 6 und einen Sieg im letzten Rennen der Hauptrunde folgen.

Mit dem Gesamtergebnis bin ich doch zufrieden” (Philipp Buhl)

Auch bei Rang sieben im Medaillenrennen stand Buhls Sicherung des vierten WM-Platzes im Fokus, weil der Abstand zu den Top Drei ohnehin so groß war, dass auch rechnerisch kein Griff mehr nach den Medaillen möglich war. So zog Buhl nach sechstägigem WM-Intensiveinsatz positiv Bilanz: “Mit dem Gesamtergebnis bin ich doch zufrieden, da ich mit der Olympiaausscheidung und dem schlechten dritten Tag zwischenzeitlich andere Sorgen hatte, als ums Podium zu fahren.”

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Was den Laser-Dauerbrenner besonders freute: “Nach dem 38. Rang aufgrund einer knapp verpassten Layline an der Luvmarke mit Halse, Kollision und zwei Strafkringeln war meine Konzentration wirklich gut.” Buhl wankte nach seinem Fehltritt nicht, sondern kämpfte sich im Klassement wieder nach oben.

Buhl baut Vorsprung in der Olympia-Ausscheidung aus

Später erklärte Buhl: “Das Format dieser Regatta mit nur einem Streicher erforderte eine makellose Qualifikationsserie, um für die Medaillen in Frage zu kommen. Die drei vor mir haben das geschafft. Ich musste mein Startrisiko für die Finalserie deutlich runterschrauben. Die Starts sind aber gerade im Goldfleet so wichtig. Das alles unter Berücksichtigung, fliege ich sogar sehr zufrieden nach Hause.”

Was auch daran liegt, dass Philipp Buhl seinen Vorsprung vor Teamkamerad Nik Willim in der nationalen Olympia-Ausscheidung ausbauen konnte. “Ich nehme wertvolle Punkte und einiges an Zuversicht von dieser WM mit”, sagte Buhl. Nach zwei von drei Ausscheidungsregatten führt er das Duell mit Nik Willim 26:12 an, hat 14 Zähler Vorsprung vor dem entscheidenden letzten Duell beim Mallorca-Klassiker Trofeo Princesa Sofía Anfang April.

Die Zusammenarbeit zwischen Nik und mit war in den letzten sechs Monaten sehr respektvoll und fair. Das schätze ich sehr!” (Philipp Buhl)

Weitergehende Prognosen zu seiner dritten Olympia-Qualifikation wollte der zweimalige Olympiateilnehmer aber noch nicht abgeben. “Das wäre unnötig früh. Ich traue Nik Top-Drei-Plätze zu. Und: Verletzungen oder Krankheit finden in Einhanddisziplinen wie im Ilca 7 keine Berücksichtigung bei der Ausscheidung”, erklärte Buhl. In anderen Worten: Abgerechnet wird in der ersten April-Woche in Palma de Mallorca, wo auch weitere Akteure des German Sailing Teams in anderen Olympia-Disziplinen stark gefordert sein werden. Zu den packendsten Ausscheidunsgkrimis dürfte jener im 470er-Mixed zählen.

In Sicherheit wiegt sich auch Buhl mit seinem angenehmen Punktepolster noch nicht. Nik Willim hat bei der WM in Down Under mit Platz 14 gezeigt, dass er dranbleibt. Philipp Buhl bedankte sich in Adelaide beim sieben Jahre jüngeren Trainingspartner und Rivalen für die gute gemeinsame Arbeit: „Die Zusammenarbeit und der Umgang zwischen Nik und mir war in den letzten sechs Monaten sehr respektvoll und fair. Das schätze ich sehr!”

Ich habe das beste WM-Ergebnis meiner Karriere erreicht” (Nik Willim)

Weiter sagte Buhl: “Die Tatsache, dass ich ein starkes Augenmerk auf Nik richten muss, zeigt, dass er einen großen Sprung gemacht hat und an der Weltspitze kratzt. Ich freue mich über ein paar Punkte, die ich auf ihn gewinnen konnte. Aber ich freue mich auch über seinen starken 14. Platz bei dieser WM.“

Nik Willim selbst sagte: „Ich bin auf dem richtigen Weg und habe das beste WM-Ergebnis meiner Karriere erreicht. Ich hatte zwar auf eine Top-Ten-Platzierung gehofft, war aber bei fünf Tagen Ballermann auch an meinen physischen Grenzen. Die Fitness und mein Zähneknirschen bleiben die Bereiche, an denen ich weiter stark arbeiten muss und will.” Mit Blick auf die finale Ausscheidungsregatta vor Mallorca sagte Nik Willim: „Ich bin bei mittleren Winden extrem schnell. Wenn Philipp sich dort Fehler erlaubt und ich extrem gut bin, ist immer noch einiges möglich.“

Man muss erst die Ausscheidung gewinnen, bevor man olympische Medaillen ins Visier nehmen kann” (Alex Schlonski)

Ilca-7-Coach Alex Schlonski zog ebenfalls ein positives WM-Fazit: „Natürlich will Philipp immer Medaillen gewinnen, wenn er bei Wettkämpfen startet. Hier aber ging die Ausscheidung vor, weshalb der vierte Platz sehr in Ordnung geht. Man muss erst die Ausscheidung gewinnen, bevor man olympische Medaillen ins Visier nehmen kann. Nik hatte hier einen schwarzen WM-Tag, aber sein 14. Platz ist sehr gut. Der Druck war bei uns allen wie in einigen anderen Nationenteams hoch.“

Olympiasieger Matt Wearn verteidigte seinen WM-Titel im Heimatrevier der Saint-Vincent-Bucht erfolgreich, siegte vor Philipp Buhls norwegischem Trainingspartner Hermann Tomasgaard und dem Briten Micky Beckett. Philipp Buhl sagte: „Beckett und Wearn sind über die letzten zwölf Monate klar die besten Spieler und einen Schritt voraus. Dass mein Freund und Trainingspartner Hermann die Party sprengen konnte, werde ich versuchen für uns zu nutzen.“

Optimistisch auf Olympia-Kurs nach Marseille

Mit den WM-Leistungen der besten deutschen Ilca-7-Steuermänner steht diese olympische Einhanddisziplin der Männer auf der Haben-Seite des German Sailing Teams auf Kurs Paris 2024. DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner sagte: „Die Klasse zählt zu den Medaillenhoffnungen für die olympische Regatta in Marseille.“

Zu Philipp Buhls Leistung sagte Nadine Stegenwalner: “Das ist ein sehr starkes Ergebnis von Philipp, ein sehr guter Einstieg ins Olympiajahr. Damit hat er seinen Hut für die Spiele in den Ring geworfen.” Lob gab es von Nadine Stegenwalner auch für Nik Willim: “Nik hat eine tolle WM bestritten. Philipp hat sich ein gutes Punktepolster verschafft, aber die finale Entscheidung der Ausscheidung fällt bei der Trofeo Princesa Sofía.“

Harter Kampf im Traumrevier – der sehenswerte Rückblick auf den packenden Vorschlusstag bei der Ilca-7-WM:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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