Ilca-7-WMJüngster und Bester – Schweckendiek “wie die Feuerwehr”

Tatjana Pokorny

 · 30.08.2026

Ole Schweckendiek segelte bei der Ilca-7-WM vor Dun Laoghaire als bester DSV-Steuermann auf Platz elf.
Foto: 2026 Ilca 7 Men's Worlds/Dublin Bay/Ireland
Die Ilca-7-WM im irischen Revier von Dun Laoghaire hat ihre 141 Herausforderer aus 43 Nationen mit komplizierten Bedingungen heftig geprüft. Am Ende gewann ein ungarischer Dauerbrenner nach Platz vier bei Olympia sein erstes WM-Gold. Im German Sailing Team erreichten nicht alle ihre Ziele. Einer aber beeindruckte, auch wenn er das Finale verpasste.

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Es war ein fulminanter Auftakt, den Ole Schweckendiek bei der Ilca-7-WM in Irland hingelegt hatte. Im Feld von 141 Startern aus 43 Ländern ließ es der erst 21-jährige Steuermann vom Kieler Yacht-Club mit den Rängen 6, 3, 1, 8 und 2 krachen. Am Ende der Qualifikation konnte Schweckendiek im blauen Leibchen des Gesamtzweiten in die Hauptrunde durchstarten. Philipp Buhl hielt fest: “Ole hat losgelegt wie die Feuerwehr. Da haben die Leute schon gewusst, dass da einer dabei ist, der sehr gut segeln kann.”

Die meisten schaffen es in ihrer Karriere nie, auch nur mal zeitweise bei so einer WM Top-Drei zu sein. Ole hat es über mehrere Tage geschafft.” Philipp Buhl

Ganz halten konnte der U21-Weltmeister von 2025 seine herausragenden Leistungen in der Hauptrunde nicht. Als die ungewöhnlichen auflandigen Winde in der irischen Dublin Bay noch komplizierter wurden, fing sich auch der Kieler eine halbe Handvoll hoher zweistelliger Resultate ein, bevor im Endspurt noch ein zweiter Rang gelang. Seine Gesamtleistung führte den Jüngsten und Besten vom German Sailing Team bei dieser Ilca-7-WM auf Platz elf. Damit hatte er sein Ergebnis von der ersten Senioren-WM im Vorjahr mehr als halbiert. Zu den aktuellen WM-Endergebnissen geht es hier. Für die Top Ten haben die Veranstalter eine eigene Ergebnisliste veröffentlicht.

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Ilca-7-WM: Schweckendiek im Plan

Vorgenommen hatte sich Ole Schweckendiek für sein erstes volles Seniorenjahr möglichst viele Top-20-Platzierungen in den mit olympischen Medaillengewinnern und Champions gespickten Feldern. Diese selbstgesteckte Zielsetzung hat er durchweg übererfüllt und bei der Weltmeisterschaft in Dun Laoghaire noch einmal gezeigt, zu was er im Aufstieg zwei Jahre vor LA28 schon imstande ist.

In der eigenen Bilanz hielt Schweckendiek fest: “Am Anfang haben wir die Bedingungen gut gelegen. Da herrschten Onshore-Bedingungen mit solidem Wind, etwa acht bis zehn Knoten. Da konnte ich gut vorne reinfahren. Dann wurde es umkalkulierbarer.” Nach dem Saisonhöhepunkt für die olympischen Einhandjollen blickte Schweckendiek auch insgesamt auf eine erfolgreiche Saison zurück, sagte: “Ich kann zufrieden sein mit der WM und mit der Saison. Mein Plan für das Jahr, möglichst immer in die Top-20 zu fahren, war ziemlich ambitioniert, aber das muss auch so sein, wenn LA28 möglich sein soll.”

Von Bundestrainer Alex Schlonski gab es viel Lob bei der Ilca-7-WM. Er sagte: “Ole hat das ganz stark gemacht. Platz elf bei einer Weltmeisterschaft ist ein herausragendes Ergebnis. Ole ist fit im athletischen Bereich und auch technisch sehr gut geworden. Mit der Entwicklung bin ich sehr zufrieden.” Anfangs beim Wechsel aus dem Junioren- in den Seniorenbereich noch einige Kilo zu leicht, hat Ole Schweckendiek inzwischen mit viel Training die aus seiner Sicht idealen 83 Kilogramm Athletengewicht erreicht.

Die Ilca-7-WM als Augenöffner

Teamkamerad Philipp Buhl (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Alpsee-Immenstadt) indessen konnte mit seinem 17. Platz bei der Ilca-7-WM nicht zufrieden sein. Die Erkenntnis des Weltmeisters von 2020, viermaligen WM-Medaillengewinners und Vizeeuropameisters 2026: “Das war die drittschlechteste aller 17 WMs, die ich bislang bestritten habe. Das tut nach der tollen Saison natürlich nicht so gut. Aber es entmutigt mich nicht allzu sehr, ich weiß es einzuordnen.”

Buhl haben die für das Revier von Dun Laoghaire untypischen Windbedingungen mit “teilweise ekelhafter Welle” und “mageren auflandigen leichten bis mittleren Winden” am wunden Punkt getroffen. Auch, weil die Bedingungen für die Jahreszeit nach allen Statistiken und Erfahrungen so nicht erwartbar und im intensiven Vorab-Training nie aufgetreten waren.

Mit weiteren Solisten in Dun Laoghaire von Coach Marc Pickel betreut, konnte Buhl zwar zwischenzeitlich glänzen, kassierte aber zu viele hohe zweistellige Ergebnisse. Marc Pickel sagte am Ende der Ilca-7-WM: “Wir waren für die Bedingungen nicht gut genug. Deswegen sind wir nicht in die Top-Zehn gefahren. Das ist natürlich eine Enttäuschung. Aber es war ein Augenöffner zu sehen, wie man auch in solchen Bedingungen performt. Da muss man sich jetzt in Ruhe hinsetzen und überlegen, wie man in solchen Bedingungen besser werden kann. Das geht.“

Auch Doppel-Olympiasieger Matt Wearn stolperte mehrfach, fiel aber nicht

Eine beachtliche Qualifikation hat bei der Ilca-7-WM auch Nik Willim (Norddeutscher Regatta Verein) bestritten, der als starker Achter in die Hauptrunde einzog und die Welttitelkämpfe als Neunzehnter mit einem Sieg im letzten Rennen beendete. Bundestrainer Schlonski erinnerte daran, dass Willim noch nicht sehr lange von seiner zweijährigen Auszeit zurück ist im olympischen Leistungssport. Der 29-Jährige vom Norddeutschen Regatta Verein habe schon wieder “ein starkes Leistungsniveau” erreicht.

Das ließ sich während der Ilca-7-WM ebenso über den zweimaligen Weltmeister und Doppel-Olympiasieger Matt Wearn aus Australien sagen. Auch der so vielfach Vergoldete aus Down Under bekam die Unwägbarkeiten des WM-Reviers in Form der Ränge 40, 18, 5, 28, 3 und 15 in der Hauptrunde teilweise heftig zu spüren, von denen fast alle Top-Leistunsgträger ein Lied zu singen wussten.

Am Ende aber bahnte sich Wearn als Neunter nach der Hauptrunde trotzdem noch seinen Weg ins Finale, in dem die Winde etwas mehr Druck und Beständigkeit brachten. Wearn war wieder voll da, katapultierte sich mit den Rängen eins und zwei in den Medaillenrennen noch zu WM-Silber. Nur den überragend agierenden Jonatán Vadnai aus Ungarn, der als Fünfter nach der Hauptrunde ins doppelte Medaillenfinale gestartet war, konnte der australische Überflieger nicht mehr einfangen.

Die nächste Ilca-7-WM ist fast schon in Sicht

Mit dem 28 Jahre alten Jonatán Vadnai holte sich der Olympia-Vierte von 2024 sein erstes WM-Gold, das gleichzeitig dem ungarischen Segelsport den ersten WM-Titel in der olympischen Einhandjolle brachte. Nach Rang vier und einem abschließenden Sieg in den beiden Medaillenrennen rettete Vadnai seinen WM-Triumph mit einem Punkt Vorsprung vor dem 30-jährigen Matt Wearn. Die Ilca-Segler trugen Vadnai auf seinem Boot durch den Hafen und feierten ihn.

WM-Bronze erlämpfte punktgleich mit seinem Dauerrivalen Matt Wearn der Brite Michael Beckett. Auf ihre nächste Weltmeisterschaft müssen die Ilca-7-Asse nur nur 138 Tage warten. Die Ilca-7-WM 2027 beginnt schon am 15. Januar im brasilianischen Revier von Fortaleza.

Das doppelte Medaillenfinale der Ilca-7-WM:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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