173 Ilca-7-Steuermänner und 120 Ilca-6-Steuerfrauen aus 53 Nationen zeigen bei der EM einmal mehr die überragende Stärke der größten olympischen Segeldisziplin. “Die Serie ist brutal gut besetzt”, konstatiert Marc Pickel, der im Revier von Split Philipp Buhl und Maximilian Reger coacht. Für Buhl steht bei dieser EM ungewöhnlich viel auf dem Spiel: Er muss die Serie in den Top-Drei beenden, um sich wieder in den Olympiakader zu segeln.
Auf den Punkt zu performen, ist nicht leicht. Ich versuche es.” Philipp Buhl
“Natürlich habe ich das Ergebnis ein bisschen im Kopf. Ich bin Realist genug zu wissen, dass man das nicht immer erreichen kann. Ich habe hier und da ein paar Punkte liegeblassen, heute auch. Im ersten Rennen am ersten Tag habe ich das Gate vom Outer Loop angefahren, obwohl wir auf dem Inner Loop gesegelt sind. Doch insgesamt läuft es bislang gut”, zog der Weltmeister von 2020, der die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 ins Visier genommen hat, am Mittwochabend eine Zwischenbilanz.
Buhl lag nach sieben der zwölf geplanten EM-Rennen auf Platz drei hinter dem Neuseeländer George Gautrey und dem Olympia-Zweiten und zweimaligen Weltmeister Pavlos Kontides (Zypern). Der deutsche Dauerbrenner pariert den Druck bislang sehr gut. “Ich beobachte ihn mit Ehrfurcht und Respekt. Jeder macht hier seine Fehlerchen. Es ist die härteste olympische Klasse, die Buhli sich da ausgesucht hat. Und es sind keine einfachen Bedingungen hier, die er bislang sehr gut gemeistert hat”, sagte Event-Coach Marc Pickel in der Marina Kaštela in Split.
Buhl wiederum weiß den zweimaligen Olympiateilnehmer Marc Pickel, der auch Erik Heil und Thomas Plößel beim Gewinn ihrer zweiten olympischen 49er-Bronzemedaille gecoacht hatte, gerne an seiner Seite: “Ich habe 2023 schon einmal mit ihm gearbeitet. Mir gefallen seine Calls und die Sachen, die er auf dem Wasser macht, sehr gut. Er war oft selber in solchen Situationen. Manchmal kann ein Call, eine Ansage vor dem Start eine Regatta entscheiden”, sagt der für den Norddeutschen Regatta Verein und den Segelclub Alpsee-Immenstadt startende Philipp Buhl.
Alle schauen nach Luv. Manche sehen was. Die eine Info kann den Ausschlag geben, ob du links oder rechts rausfährst. Das kann regattaentscheidend sein.” Philipp Buhl
Fünf Rennen stehen bei der EM noch aus. Zweibester GER-Starter war nach sieben Läufen Julian Hoffmann (Verein Seglerhaus am Wannsee/Segelclub Alpsee-Immenstadt). Der 23-Jährige hat sich bereits zwei dicke Streichergebnisse (33, 42) eingefangen, doch die andere Seite seiner Halbzeitbilanz glänzte mit den Rängen 6, 5, 2, 5 und 5 hell. “Bei den beiden hohen Ergebnissen waren meine Starts schlecht. Beim ersten Mal bin ich zu spät losgekommen, war nicht gut genug positioniert zu den umliegenden Booten. So ähnlich war es dann auch im ersten Rennen heute.”
Starts sind für den Steuermann aus Blaichach-Ettensberg “ein großer Fokuspunkt”. Hoffmanns Zwischenfazit fällt in der Marina Kaštela aber optimistisch aus: “Meine Position ist nicht schlecht, eine gute Ausgangslage für die nächsten zwei Tage.” Dazu seine Prognose für den EM-Endspurt, der mit den fünf ausstehenden Läufen noch viel Aufholpotenzial birgt.
Ich denke, man wird den Schalter umlegen müssen, weil nach den Seabreeze-Tagen mit ablandigen, drehenden und böigen Winden zu rechnen ist.” Julian Hoffmann
Interessant ist Hoffmanns Hinweis darauf, dass er bei der EM bisweilen ein Auge auf die drei Top-Akteure der Ilca-7-Klasse wirft: “Pavlos Kontides, Filp Jurisic und Jonathan Vadnai haben sich im EM-Revier gemeinsam intensiv vorbereitet. Die haben total viel Erfahrung in diesem Revier und sind zudem Mitfavoriten. Da kann man auf jeden Fall mal ein Auge drauf werfen.” Wie auch auf Philipp Buhl.
Julian Hoffmann sagt: “Für mich ist er Teil des Teams. Es wäre enorm wichtig und gut für uns alle, wenn er wieder mit uns trainieren kann. Wenn wir schon einen haben, der bei den letzten beiden Sailing Grand Slams mit allen Favoriten am Start zweimal Vierter geworden ist, dann ist das ja ein No-Brainer.”
Drittbester GER-Steuermann war kurz nach der EM-Halbzeit der noch einmal zwei Jahre jüngere Ole Schweckendieck. Noch auf Platz 20 positioniert, könnten dem KYC-Steuermann die voraussichtlich komplizierteren Bedingungen der letzten beiden EM-Tage entgegenkommen. Doch schon am Mittwoch hat er nach der Talfahrt mit den Rängen 37 und 29 beim überzeugenden Start-Ziel-Rennsieg in Rennen sieben in der Goldflotte ein fettes Ausrufezeichen gesetzt.
Es war nicht mein brillantester Tag heute. Ich hatte keine guten Starts. Aber das letzte Rennen hat den Tag gut abgerundet.” Ole Schweckendiek
Der Rennsieg gelang Ole Schweckendiek in 14 bis 16 Knoten Hängewind. “Was Ole da mit ordentlich Hiken in einem ziemlich krassen Speedrace gezeigt hat, war sehr gut. Da sind wir auf dem richtigen Weg”, sagte Ilca-7-Coach Alex Schlonski. Gleichzeitig sieht der Trainer auch, dass es einigen seiner Schützlinge in dieser Woche nach teilweise sehr starken Leistungen bei den Frühjahrsserien an Konstanz fehlt. Zu den Zwischenständen bei der Ilca-7-EM geht es hier.
“Die Ergebnisse sind etwas durchwachsen. Wir hatten in Palma gut angefangen. Da steigen dann natürlich auch die Erwartungen. In Summe sind wir hier etwas inkonstant. Auf der anderen Seit ist das Potenzial da. Julian hat viele Top-Platzierungen. Nur, wenn der Start nicht stimmt, dann wird es eben schwierig”, sagte Schlonski. Zu Ole Schweckendieks Leistung sagte er: “Im Leichtwind ist er ohnehin extrem gut unterwegs. Er hat viel gearbeitet, auch athletisch. Das ist dann cool, wenn er so ein Rennen in solchen Bedingungen von Anfang an anführt und ins Ziel bringt.”
Wie die anderen vom German Sailing Team, so wusste aber auch der Team-Jüngste Ole Schweckendiek an diesem Mittwochabend ein Lied vom fordernden Programm mit drei Rennen und insgesamt rund sechseinhalb Stunden auf dem Wasser zu singen: “Ich komme gerade vom Physio. Erstmal wieder frisch machen – und die Beine fit.”
So gut vorbereitet, gehen die deutschen Ilca-7-Besten am Donnerstag und Freitag in die letzten Rennen. Erneut drei stehen am Vorschlusstag auf dem Programm. Zwei sind für den Finaltag geplant. Medaillenrennen wie im olympischen Format werden bei der Ilca-7-EM nicht ausgetragen. Da gilt auch für die Ilca-6-Seglerinnen, die bereits acht Rennen gesegelt und noch vier vor sich haben. Hier führt Maria Erdi aus Ungarn vor der Amerikanerin Chalotte Rose und Dauerbrennerin Emma Plasschaert aus Belgien.
VSaW-Steuerfrau Julia Büsselberg lag nach starken Ergebnisschwankungen bei den Rängen 19, 3, 13, (61/Frühstart), 10, 2, 20 und 25 als erneut stärkste GER-Starterin auf Platz 13. In ihrem Heckwasser hat sie dabei bislang im Feld der 120 Ilca-6-Starterinnen auch Top-Seglerinnen wie die 2023er-WM-Zweite Maud Jayet (Schweiz, 16.) oder die 2022er-WM-Zweite Maxime Jonker (Niederlande, 22.) lassen können. Hier geht es zu den EM-Zwischenständen bei den Frauen.

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