49er und 49erFX-WMAuch ohne Medaillen Weltklasse

Tatjana Pokorny

 · 02.09.2017

49er und 49erFX-WM: Auch ohne Medaillen WeltklasseFoto: Pedro Martinez/Sailign Energy

Die deutschen Skiffsegler sind bei der WM vor Porto zwar an den Medaillen vorbeigesegelt, doch mit ihnen ist bis Tokio 2020 – und darüber hinaus – zu rechnen

  Justus Schmidt und Max BoehmeFoto: Pedro Martinez
Justus Schmidt und Max Boehme
  Erik Heil und Thomas PlößelFoto: Sailing Energy
Erik Heil und Thomas Plößel

Mit den Plätzen fünf und sechs bei den Herren sowie fünf und acht bei den Damen haben die deutschen Skiffsegler bei der Weltmeisterschaft im portugiesischen Revier von Porto gezeigt, dass sie auch weiterhin der Weltspitze angehören. Darüber hinaus hat der Nachwuchs bewiesen, dass mit dem German Sailing Team in den Disziplinen 49er und 49erFX in Zukunft und über die Olympischen Spiele 2020 hinaus zu rechnen sein wird. Die Kieler Justus Schmidt und Max Boehme (beide Kieler Yacht-Club) sowie die Berliner Rio-Bronzemedaillen-Gewinner Erik Heil und Thomas Plößel (beide Norddeutscher Regatta Verein) haben mit ihren WM-Plätzen fünf und sechs, die sie punktgleich belegten, einen starken Eindruck in der Flotte der 81 Crews aus aller Welt hinterlassen. Zeitweise segelten sie auf Medaillenkurs, doch am Ende mussten sie sich zwei überragend agierenden britischen Crews sowie den Teams aus Österreich und Polen beugen. Den WM-Titel bei den Männern sicherten sich Dylan Fletcher-Scott/Stuart Bithell vor ihren Landsleuten James Peters/Fynn Sterritt und den Österreichern Benjamin Bildstein/David Hussl. Wetterkapriolen hatten diese komprimierten Welttitelkämpfe für die 49er-Flotte an drei von sechs Renntagen komplett lahmgelegt. Die Frauen hatten zweieinhalb Tage pausieren müssen. "Es war die wohl krasseste WM, an der wir je teilgenommen haben", sagte Erik Heil.

Die Live-Berichterstattung vom Finaltag zeigt, wie eng es in den entscheidenden Rennen zuging.

Der Berliner 49er-Steuermann und sein Vorschoter sind ebenso wie ihre Trainingspartner Justus Schmidt und Max Boehme, die aus Studiengründen fast ein Jahr lang pausiert haben, spät in die Saison eingestiegen. "Natürlich hätten wir gern noch die Medaillenplätze angegriffen, denn unsere Rennen haben sich auf dem Wasser nicht schlecht angefühlt", sagte Erik Heil. "Unsere Ergebnisse gehen in Ordnung, denn wir sind aufgrund von Studienverpflichtungen und anderen Projekten spät in die Saison gestartet. Da wäre es schon fast arrogant zu erwarten, dass man gleich wieder ganz oben steht. Daran arbeiten wir jetzt mit unserer starken Trainingsgruppe." Auch Justus Schmidt zeigte sich versöhnt mit dem Ergebnis: "Das ist doch ein sehr schönes Statement: Beide deutsche Crews punktgleich so weit vorn. Eine coole Teamleistung!" Und die wurde von imposanten Einzelleistungen der Nachwuchsteams Nils Carstensen/Jan Frigge (17.), Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (19.) und Tim Fischer/Fabian Graf (21.) komplettiert.

  Ricardo Pintos Studie zeigt den anspruchsvollen Balance-Akt, den 49er-Segler permanent zu bestehen habenFoto: Jesús Renedo/Sailing Energy
Ricardo Pintos Studie zeigt den anspruchsvollen Balance-Akt, den 49er-Segler permanent zu bestehen haben
  Victoria Jurczok und Anika LorenzFoto: Jacques Vapillon
Victoria Jurczok und Anika Lorenz

Die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz hatten ebenfalls phasenweise auf einem Medaillenrang gelegen, verpassten das Podium aber als Fünfte wie die Männer. Die Crew vom Verein Seglerhaus am Wannsee zeigte konstant gute Leistungen in teilweise sehr starken Winden. Die neuen Europameisterinnen Tina Lutz und Susann Beucke (Chiemsee Yacht-Club/Hannoverscher Yacht-Club) segelten im portugiesischen Revier vor Porto auf Platz acht. Damit konnte sich das German Sailing Team in beiden olympischen Disziplinen mit jeweils zwei Teams in den Top Ten platzieren – ein Szenario, an dem andere Disziplinen in Deutschland noch arbeiten.

  Schöne Segelstudie der Fotografin Maria MuiñaFoto: Maria Muiña
Schöne Segelstudie der Fotografin Maria Muiña

Jurczok/Lorenz verloren ihre durchaus mögliche Medaille nicht gegen irgendwen: Das 49erFX-Podium besetzten bei der WM dieselben Teams, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro aufs Podium gesegelt waren – nur in anderer Reihenfolge: Weltmeisterinnen wurden die Olympia-Dritten Jena Mai Hansen (demnächst im Volvo Ocean Race im Einsatz) und Katja Slaskov-Iversen aus Dänemark vor den brasilianischen Olympiasiegerinnen Martine Grael (startet auf den Spuren ihres Vaters Torben Grael ebenfalls im Volvo Ocean Race) und Kahena Kunze sowie den Neuseeländerinnen Alexandra Maloney und Molly Meech. Jule und Lotta Görge aus Kiel segelten auf Platz 16. Zu den kommenden Jahreshöhepunkten der Olympiasegler zählt die Weltmeisterschaft der Lasersegler ab 12. September im kroatischen Split, bei der Philipp Buhl um eine Medaille kämpfen will.

  Die Europameisterinnen Tina Lutz und Susann Beucke segelten bei der WM auf Platz achtFoto: Jesús Renedo/Sailing Energy
Die Europameisterinnen Tina Lutz und Susann Beucke segelten bei der WM auf Platz acht
  "V" für Victory: Jena Mai Hansen und Katja Salskov-Iversen aus Dänemark sind die neuen 49erFX-WeltmeisterinnenFoto: Ricardo Pinto
"V" für Victory: Jena Mai Hansen und Katja Salskov-Iversen aus Dänemark sind die neuen 49erFX-Weltmeisterinnen

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