470er-WMEin Traumauftakt und zwei Fehlstarts – deutsche Co-Favoriten mit Licht und Schatten

Tatjana Pokorny

 · 27.02.2024

Simon Diesch und Anna Markfort eröffneten die 470er-Mixed-WM vor S' Arenal als beste Crew der gesamten Flotte
Foto: Bernardí Bibiloni/International 470 Class
Simon Diesch und Anna Markfort haben die mit Spannung erwartete 470er-Mixed-WM vor Mallorca als beste Crew der gesamten Flotte stark eröffnet. Die beiden anderen deutschen co-favorisierten Teams dagegen müssen nach Fehlstarts am Mittwoch ihre Aufholjagd starten

Themen in diesem Artikel

Simon Diesch und Anna Markfort haben die 470er-Mixed-Weltmeisterschaft in der Bucht von Palma in bestechender Form eröffnet. Mit den Rängen 3, 1 und 5 waren sie nicht nur die beste deutsche, sondern insgesamt die erfolgreichste WM-Crew an Tag eins. Nur der bereits greifende Streicher sorgte am Dienstagabend dafür, dass zunächst zwei japanische Crews das Zwischenklassement vor der deutschen Crew anführten.

Diesch/Markfort sichern ersten Wettfahrtsieg für das German Sailing Team

Ihren ersten Wettfahrtsieg fuhren die Vize-Europameister und Kieler-Woche-Sieger von 2023 bei ihrem gelungenen Auftakt auch gleich ein. Die insgesamt starke Leistung gelang dem Duo vom Württembergischen Yacht-Club und vom Verein Seglerhaus am Wannsee in eher leichten Winden um sechs bis neun Knoten, der in Böen auch einmal bis auf zwölf Knoten auffrischte.

Wichtig war vor allem, sich nicht lange über Fehler zu ärgern, sondern immer wieder aufmerksam weiter zu segeln” (Anna Markfort)

Anna Markforts Auftaktbilanz: “Die Bedingungen waren sehr, sehr anspruchsvoll. Wir hatten über die Range einen guten Bootsspeed und haben uns auf die stetig wechselnden Bedingungen immer wieder gut einstellen können. Wichtig war vor allem, sich nicht lange über Fehler zu ärgern, sondern immer wieder aufmerksam weiter zu segeln. Es fühlt sich natürlich super an, mit drei Top-5-Ergebnissen aus dem ersten Quali-Tag zu gehen. Allerdings ist die Woche noch lang, daher können wir uns darauf natürlich nicht ausruhen.”

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Anna Markfort erinnerte sich nach der Rückkehr in den Hafen auch an ihre Worte vor dem ersten Start: “Heute Morgen habe ich gesagt, dass heute Anpassen oder Sterben auf dem Programm stehen. Glücklicherweise haben wir uns mehr angepasst, als dass wir gestorben sind. Das letzte Rennen war ein ziemlicher Kampf. Wir sind an den Gate-Marken vorbeigesegelt, weil wir unseren Spinnaker nicht herunterbekommen haben und haben fünf Boote verloren. Aber wir haben sie wieder eingeholt und noch mehr zurückgewonnen, also nicht so schlimm. Nach der Warterei heute Morgen war es wirklich schön, drei Rennen zu segeln.”

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Mit “Sunny” zum Erfolg

Diesch und Markfort haben immer ein Lied für den Tag. An diesem ersten WM-Tag war ihre Wahl auf den Disco-Hit “Sunny” von Boney M. aus dem Jahr 1976 gefallen. Die erste Zeile des Liedes hätte nach Regen am Morgen und Sonne zum WM-Start nicht besser zum heutigen Wetter auf Mallorca passen können: “Sunny, yesterday my life was filled with rain ...” Gleichzeitig ist “Sunny” auch der Name des Bootes, mit dem Diesch und Markfort an der WM teilnehmen.

Zweitbeste deutsche Crew waren nach Tag eins Theres Dahnke und Matti Cipra vom Plauer Wassersportverein. Es folgten Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitenbrunn Chiemsee), die nach drei Durchgängen auf Platz 25 lagen. Erst auf den Plätzen 31 und 39 fanden sich die beiden weiteren co-favorisierten deutschen 470er-Mixed-Crews wieder. Für die 2022er-Weltmeister Luise Wanser/Philipp Autenrieth (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club) und das Ehe- und Seglerpaar Malte Winkel/Anastasiya Winkel (NRV/Schweriner Yacht-Club) war das ein Fehlstart.

Von den WM-Winden verweht

Steuerfrau Luise Wanser sagte nach den drei Qualifikationsrennen mit den Rängen 19, 11 und 13: “Heute war es ganz schön verrückt da draußen, ‘loco’, wie die Spanier sagen würden. In unserem ersten Rennen sind wir als Fünfte an die Luvtonne gekommen. Das war am Ende unser schlechtestes Rennen. Im zweiten Rennen sind wir als Vorletzte an die erste Luvtonne gekommen. Und das war dann unser bestes Rennen. Das beschreibt den Tag ganz gut.”

Die Segelbedingungen beschrieb Luise Wanser als kaum berechenbar: “Es war super drehend. Der Wind kam direkt von Palma. Es gab so viele ‘Yeah, yeah, yeah’-Momente. Und dann zwei Sekunden später ‘Nein, nein, nein’ – so drehend, so böig. Es war sehr, sehr schwer. Aber ich glaube, morgen wird es ein etwas anderes Spiel. Wir haben morgen eine etwas andere Windrichtung, ein bisschen weiter rechts. Dann kommt er nicht über die Berge, sondern um die Berge herum. Das macht den Wind noch einmal anders. Und es gibt auf jeden Fall auch mehr Wind. Das wird, glaube ich, ganz spannend. Und richtig kalt, 10 Grad. Ich glaube, morgen wird ein neuer Tag mit neuem Glück und neuem Können.”

Malte Winkel bestätigte Luise Wansers Einschätzungen: “Es waren supertricky Bedingungen heute. Wir wurden für die Sachen, die wir gemacht haben, überhaupt nicht belohnt. Ich werde morgen mal mit dem anderen Fuß aufstehen. Ich glaube, das reicht schon. Wir kommen ja immer mit etwas Verspätung in die Regatten. Daher nehmen wir es halb so schwer. Natürlich hätten wir uns etwas anderes gewünscht, aber die Serie ist noch lang. Morgen werden wir uns erst mal um zwei solide Rennen kümmern und dann sehen, was noch geht.”

Eine WM, viele Herausforderungen

Für die besten 470er-Akteure vom German Sailing Team steht vor Mallorca viel auf dem Spiel. Sie kämpfen nicht nur um WM-Medaillen und Top-Platzierungen, sondern bei ihrer mit der WM gestarteten dreiteiligen nationalen Ausscheidungsserie auch um nur eine 470er-Olympiafahrkarte für das German Sailing Team. Die beiden folgenden Ausscheidungsregatten sind der Spanien-Klassiker Trofeo Princesa Sofía im April und die Europameisterschaft Anfang Mai in Cannes. Die WM endet am 3. Februar mit dem Medaillenfinale. Die Qualifikationsrunde geht schon am Mittwoch mit zwei weiteren Fleetraces zu Ende, bevor das WM-Feld für die Hauptrunde in Gold- und Silbergruppe geteilt wird.

Die Höhepunkte vom ersten Tag der 470er-Mixed-WM:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta