470er-Mixed-WMDiesch/Markfort im Sonntagsfinale – WM-Medaille möglich

Tatjana Pokorny

 · 02.03.2024

Kämpfen am 3. März im WM-Finale um eine Medaille: Simon Diesch und Anna Markfort
Foto: Bernadí Bibiloni/Int. 470 Class
Am Sonntag steigt der Höhepunkt der 470er-Mixed-WM vor Mallorca: Im Top-Ten-Finale fallen die Medaillenentscheidungen. Mit Simon Diesch und Anna Markfort wahrte eine deutsche Crew trotz nicht ganz geglücktem Vorschlusstag ihre Chancen auf einen Podiumsplatz. Für zwei weitere Duos vom German Sailing Team kamen die starken Endspurte zu spät

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Zwei Jahre nach dem WM-Gold für Luise Wanser und Philipp Autenrieth kann am Sonntag wieder eine deutsche 470er-Mixed-Crew eine WM-Medaille gewinnen. Zwar mussten die in dieser Woche so stark agierenden Simon Diesch und Anna Markfort am Vorschlusstag mit den Rängen 15 und 17 einige Federn lassen. Dennoch ziehen der Steuermann vom Württembergischen Yacht-Club und seine Vorschoterin vom Verein Seglerhaus am Wannsee als Vierte mit spannenden Aussichten ins Medaillenfinale der Top Ten ein.

Spanische Favoriten, deutsche Medaillenhoffnung

Während Diesch/Markfort (75 Punkte) die nach brillant bestrittenem fünften WM-Tag führenden Spanier Jordi Xammar und Nora Brugman (56 Punkte) im doppelt gewerteten Medaillenrennen nicht mehr einholen können, bleiben WM-Silber und -Bronze für den “Bodensee-Berlin-Express” erreichbar. Vor Diesch/Markfort liegen die Briten Vita Heathcote/Chris Grube (67 Punkte) und die Japaner Keiju Okada/Miho Yoshioka (72 Punkte) auf den Plätzen zwei und drei. Aber auch hinter dem deutschen Duo mit der Segelnummer GER 11 kämpfen noch einige Crews um den weiteren Aufstieg im Klassement.

Das Medaillenrennen der 470er-Mixed-Weltmeisterschaft ist am 3. März für 13 Uhr angesetzt. “Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir vom Können her eine Medaille erreichen können. Auch bei der Vorhersage für morgen. Da soll der Wind wieder etwas mehr von rechts kommen und noch mal etwas zunehmen. Wir haben nichts zu verlieren, sondern alles zu gewinnen. Natürlich sind die Punkte auch nach hinten supereng. Ich denke, man muss morgen auch ein bisschen mehr Risiko gehen.”

Wir freuen uns auf ein letztes schönes Rennen” (Anna Markfort)

Simon Diesch und Anna Markfort bereiten sich intensiv auf die letzte und härteste WM-Prüfung vor. “Wir schauen uns die Punkte noch einmal im Einzelnen an. Was es genau bedeutet und wie viele Punkte beziehungsweise welchen Abstand wir zu welchem Team brauchen. Ich denke, dann sind wir gut gewappnet. Wir freuen uns auf ein letztes schönes Rennen morgen”, sagte Anna Markfort am Abend in S’Arenal.

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Schwieriger Tag mit neuer Windrichtung und mehr Welle

Dass die Ränge 15 und 17 am Vorschlusstag ihre Crew nach zuvor überragenden Leistungen am Samstag die Titelchance gekostet haben, soll im Finale keinen Einfluss haben. Am Samstag lief es für Simon Diesch und Anna Markfort in erneut veränderten Bedingungen trotz frischer Winde nicht optimal. “Heute war ein schwierigerer Tag für uns. Wir hatten eine neue Windrichtung, mehr Welle”, erklärte Anna Markfort am Samstagabend.

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Weiter berichtete die 30-Jährige: “Wir hatten im ersten Rennen die linke Seite etwas unterschätzt. Dass der Kurs dann doch so dicht unter Land lag. Dass der Landeinfluss auf der linken Seite so stark war. Wir konnten unseren Speed auf der rechten Seite nicht ausnutzen. Es hat es nicht gebracht, dass wir da nach rechts gefahren sind.”

Im zweiten Rennen lief es zunächst besser. Die Luvtonne erreichten Simon Diesch und Markfort deutlich in den Top Ten. “Dann aber haben wir uns mit der Positionierung auf dem Halbwindkurs etwas schwer getan. Da kamen die Verfolger ganz schön angerauscht, haben uns dann auf dem Downwind rechts und links überholt – eigentlich untypisch für uns. Für morgen gilt es, sich das Gefühl von gestern wieder in den Kopf zu rufen.” Gemeint sind damit die zwei souveränen Rennsiege, mit denen das deutsche Duo am Freitag so geglänzt hatte.

DSV-Coach Steve Lovegrove war vor dem Finale optimistisch: “Die Medaille ist sicher möglich. Das bleibt der Fokus für das Team. Der Wettbewerb ist hart, und das Team wird die beste Version von sich selbst sein müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Sie haben definitiv die Fähigkeit, das zu schaffen.”

Eine Live-Übertragung vom Medaillenrennen ist zwar nicht geplant, doch wer die Entscheidungen verfolgen möchte, kann das am 3. März ab 13 Uhr via Live-Tracking hier tun.

Für alle anderen Crews vom German Sailing Team ist die 470er-Mixed-WM am Samstag zu Ende gegangen. Es konnte sich keine weitere Mannschaft für das Finale qualifizieren. Die sehenswerten Endspurte von Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/Norddeutscher Regatta Verein) mit dem Rennsieg in der elften und letzten Wettfahrt sowie von Luise Wanser/Philipp Autenrieth (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club) mit Rang drei im letzten Durchgang kamen zu spät.

Die deutschen Endspurte kamen zu spät

Das Segel- und Ehepaar Winkel hatte sich zuvor in Wettfahrt zehn mit einem Frühstart selbst um die greifbare Chance zum Finaleinzug gebracht. Luise Wanser und Philipp Autenrieth hatten im WM-Verlauf zu viele schwergewichtige zweistellige Ergebnisse kassiert, um sich mit dem gelungenen letzten Lauf noch in die Top Ten zu katapultieren. Für die Winkels blieb in der WM-Endabrechnung Platz 12, für Wanser/Autenrieth Platz 13. Damit verdienten sie sich bei der ersten von drei Ausscheidungsregatten neun und acht Punkte fürs nationale Ausscheidungskonto im Kampf um nur eine 470er-Olympiafahrkarte.

Ebenfalls punkten konnten für die Ausscheidung Theres Dahnke und Matti Cipra (Plauer Wassersportverein), die sich mit WM-Platz 17 vier Punkte verdienten. Drei Punkte verbuchten Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee) als WM-18.

Unabhängig vom Ausgang des Medaillenrennens am Sonntag werden Simon Diesch und Anna Markfort die nationale Olympia-Ausscheidung nach der WM und vor dem Spanien-Klassiker Trofeo Princesa Sofía im April und der EM in Cannes im Mai anführen. Wie groß ihr Punktepolster sein wird, entscheidet ihre Leistung im Finale.

Diesch/Markfort führen die Olympia-Ausscheidung an

Malte Winkel zog auf Mallorca bereits eine erste Bilanz: “Es war heute ein sehr schönes Finish! Dass wir das letzte Rennen gewinnen konnten, hat uns Selbstvertrauen tanken lassen und gezeigt, dass wir bei den Bedingungen auch abliefern können. Der Frühstart war heute einfach super, super ärgerlich. Wir standen schon mit am höchsten und haben es einfach nicht gut gemacht. Wir haben insgesamt in dieser Woche zu viele grobe, teilweise vermeidbare Fehler gemacht, sind aus unserer Sicht zu Recht nicht in den Top Ten. Man muss es daher auch aus der anderen Perspektive betrachten: Wir sind unter diesen Umständen happy damit, als zweitbestes Team in die Ausscheidung gestartet zu sein.”

Malte Winkel blickte auch schon in Richtung der noch ausstehenden beiden Ausscheidungsregatten: “Dass wir neun Punkte sammeln konnten, nehmen wir positiv mit. Die Enttäuschung ist aber natürlich groß, es nicht unter die besten Zehn geschafft zu haben. Wir waren einfach noch nicht bereit. Es fehlten noch ein paar Sachen bei uns. Wir werden versuchen, uns für die nächsten beiden Ausscheidungen diesbezüglich optimal vorzubereiten und genau an diesen Fehlern zu arbeiten. Dann schauen wir, wie es bei der zweiten Regatta weitergeht. Es ist noch ein weiter Weg …”

Der Rückblick auf den vierten WM-Tag (Freitag), an dem Simon Diesch und Anna Markfort mit zwei Rennsiegen so großes Kino abgeliefert hatten, bevor sie am Samstag im Kampf um die WM-Medaillen einige Federn lassen mussten:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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