128. Kieler WocheDie Olympioniken sind los!: "Die Kieler Woche noch einmal in vollen Zügen genießen"

Tatjana Pokorny

 · 23.06.2022

128. Kieler Woche: Die Olympioniken sind los!: "Die Kieler Woche noch einmal in vollen Zügen genießen"Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche

Mit einem Tag Verspätung sind die Olympiasegler durchgestartet. Die Olympia-Zweiten Tina Lutz und Susann Beucke sagen tschüs, servus und auf Wiedersehen

In Enoshima segelten Tina Lutz und Susann Beucke 2021 zu Silber, jetzt beenden sie ihre olympische Karriere nach 15 Jahren in einem Boot. Ihre Kieler-Woche-Abschiedsgala eröffneten die 49er-FX-Skiffseglerinnen mit einem Sieg im ersten Rennen. Nach den ersten vier Wettfahrten liegt das Duo am Scheideweg zunächst auf Platz vier. Ein wenig mussten Lutz/Beucke ihrem großen Trainingsrückstand Tribut zollen, denn sie haben seit den Olympischen Spielen bis kurz vor der Kieler Woche nicht mehr zusammen auf der Gleitjolle gesessen. Tina Lutz sagte nach dem mit vier Rennen fordernden Auftakt in schönsten Wind- und Wetterbedingungen: "Im ersten Rennen sind wir nach einem guten Start auf die richtige Seite gefahren. Das reichte zum Sieg. Danach mussten wir feststellen, dass die Manöver nicht mehr ganz so spritzig sind. Und jetzt bin ich ganz schön fertig." Ihre Vorschoterin Susann Beucke ergänzte: "Die Kommunikation an Bord war top. Wir haben sofort wieder gut zusammengearbeitet."

  Tina Lutz (r.) und Susann Beucke nehmen nach 5.611 Tagen in einem Boot am letzten Sonntag der 128. Kieler Woche Abschied vom gemeinsamen olympischen LeistungssportFoto: tati
Tina Lutz (r.) und Susann Beucke nehmen nach 5.611 Tagen in einem Boot am letzten Sonntag der 128. Kieler Woche Abschied vom gemeinsamen olympischen Leistungssport

Servus, tschüs und auf Wiedersehen!

Die beiden 31-jährigen Seglerinnen aus Bayern und Norddeutschland, die am Valentinstag 2007 erstmals gemeinsam in ein Boot stiegen, sagen bei der 128. Kieler Woche servus, tschüs und auf Wiedersehen. Die Skiffseglerinnen hatten ihre Sport-Partnerschaft nach zwei verlorenen Olympia-Ausscheidungen und zwei gewonnenen Europameisterschaften am 3. August 2021 als Olympia-Zweite gekrönt. Tina Lutz heiratet im Juli, ist beruflich in der Personalabteilung eines großen Unternehmens durchgestartet. Dem Sport bleibt sie als Bundesliga-Seglerin für ihren Heimatverein Chiemsee Yacht-Club und als Trainerin treu. "Ich möchte den Kids Mut machen, eigene Wege zu gehen und auf ihr Herz zu hören", sagt Lutz.

  Susann Beucke mit ihrer Figaro im neuen Look. Trainingsbasis ist Lorient in FrankreichFoto: Felix Diemer
Susann Beucke mit ihrer Figaro im neuen Look. Trainingsbasis ist Lorient in Frankreich

Susann Beucke ist zu Jahresbeginn ins Offshore-Fach gewechselt. Die Neu-Seeseglerin trainiert seitdem in bretonischen Gewässern in der sehr anspruchsvollen Figaro-Klasse mit Franzosen. "Da kommt es nur aufs Segeln an", erklärt sie ihre Bootswahl, "ich habe mich ins Haifischbecken reingetraut. Das ist nicht sehr angenehm, weil man immer alle seine Schwächen vorgeführt bekommt. Aber hier will ich lernen und wichtige Erfahrung sammeln." In Kiel hat Susann Beucke in dieser Woche für ihre Kampagne "This race is female" eine langjährige Partnerschaft mit dem Logistikkonzern DB Schenker bekanntgegeben. Im Heckwasser von Boris Herrmann strebt Beucke die Teilnahme an der übernächsten Vendée Globe 2028/2029 an. Zu ihrem olympischen Abschied sagte Beucke: "Tina und ich hatten eine wunderbare Zeit mit vielen Höhen und lassen die Tiefen achteraus. Unsere Lieblingsregatta Kieler Woche wollen wir jetzt noch einmal in vollen Zügen genießen."

  Susann Beucke und Thorsten Meincke beim Pressetermin während der Kieler Woche auf dem Drei-Mast-Schoner "Regina Maris". Der Vorstand für die globale Luft- und Seefracht bei DB Schenker sagte: "Wir sind sehr froh, Sanni an Bord zu haben. Sich immer wieder neue Ziele zu setzen, obwohl man großartige Erfolge hatte, hält auch uns nach 150 Jahren jung."Foto: tati
Susann Beucke und Thorsten Meincke beim Pressetermin während der Kieler Woche auf dem Drei-Mast-Schoner "Regina Maris". Der Vorstand für die globale Luft- und Seefracht bei DB Schenker sagte: "Wir sind sehr froh, Sanni an Bord zu haben. Sich immer wieder neue Ziele zu setzen, obwohl man großartige Erfolge hatte, hält auch uns nach 150 Jahren jung."

Für das German Sailing Team sind in der zweiten olympischen Halbzeit weitere Top-Athleten im Einsatz. Die in diesem Jahr schon so erfolgreich in die neue Olympia-Disziplin 470er-Mixed durchgestarteten Luise Wanser (Norddeutscher Regatta Verein) und Philipp Autenrieth (Bayerischer Yacht-Club) haben das Heimspiel vor Kiel mit einem Rennsieg eröffnet und lagen nach drei Rennen auf Platz zwei hinter den Schweizern Yves Mermod und Maja Siegenthaler, die bei zwei Tagessiegen bereits nach drei Rennen vom ersten Streicher (Rang 11) profitierten. Auf den Plätzen drei und vier eröffneten auch Malte und Anastasiya Winkel sowie Theres Dahnke und Matti Cipra den Wettkampf auf dem eigenen Trainingsrevier vielversprechend.

  Luise Wanser und Philipp Autenrieth starteten in der neuolympischen und schnell erstarkten 470er-Mixed-Flotte mit einem Rennsieg in die Kieler Woche durchFoto: ChristianBeeck.de/Kieler Woche
Luise Wanser und Philipp Autenrieth starteten in der neuolympischen und schnell erstarkten 470er-Mixed-Flotte mit einem Rennsieg in die Kieler Woche durch
  Freuten sich nach einigen mageren Ergebnissen zum Auftakt ihrer gemeinsamen 49er-FX-Olympiakampagne über zwei starke erste Rennen bei ihrem Kieler-Woche-Start: Nadine Böhm und Lena Marie WeißkichelFoto: tati
Freuten sich nach einigen mageren Ergebnissen zum Auftakt ihrer gemeinsamen 49er-FX-Olympiakampagne über zwei starke erste Rennen bei ihrem Kieler-Woche-Start: Nadine Böhm und Lena Marie Weißkichel

Das mit 98 Booten größte olympische Feld der Kieler Woche führt in Abwesenheit von Weltmeister Philipp Buhl (Sonthofen) Ilca-7-Steuermann Nik Aaron Willim vom Norddeutschen Regatta Verein nach dem ersten Renntag an. Windsurfer Sebastian Kördel (NRV) gewann das Auftaktrennen der neuolympischen iQFoiler. Die Kieler Nacra-17-Bronzemedaillengewinner Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer dagegen fanden nicht auf Anhieb auf ihren Erfolgskurs zurück. "Wir haben sechs Wochen Segeln verpasst. Unser Paket ist konkurrenzfähig, aber wir sind noch nicht so richtig poliert. Unsere Starts waren heute unterirdisch", sagte Steuermann Paul Kohlhoff (26), der im Mai erstmals Vater wurde. Sein Team reihte sich auf Platz acht in der mit allen drei olympischen Medaillen-Crews glänzend besetzten Kieler-Woche-Flotte der schnellen foilenden Olympia-Katamarane ein. Hier geht es zu allen Ergebnissen der Kieler Woche (bitte anklicken!).

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