100 Jahre Nordseewoche: Pantaenius Rund Skagen gestartet!
Zwei Hallig-Helden meistern stürmische "Helgoländer Acht"

Die Nordseewoche hat sich nach drei Tagen Wonnewetter stürmisch von Helgoland verabschiedet. Zur finalen "Helgoländer Acht" kreuzte nur ein Boot auf …

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 06.06.2022
Dieser Wattenkreuzer wurde am Pfingstmontag auf Helgoland zur kleinen Berühmtheit: die Glacer 33 "Moorsteert" von Gerd-Walter Siefert. Der Skipper von der Hallig Nordstrandischmoor und sein Mitsegler Ingwer Meyer trotzten den stürmischen Bedingungen im Final-Klassiker "Helgoländer Acht". Die Zweihand-Crew kreuzte als einzige an der Startlinie auf und brachte das 1988 gebaute Stahlboot in Winden bis zu 35 Knoten sicher um die Insel Dieser Wattenkreuzer wurde am Pfingstmontag auf Helgoland zur kleinen Berühmtheit: die Glacer 33 "Moorsteert" von Gerd-Walter Siefert. Der Skipper von der Hallig Nordstrandischmoor und sein Mitsegler Ingwer Meyer trotzten den stürmischen Bedingungen im Final-Klassiker "Helgoländer Acht". Die Zweihand-Crew kreuzte als einzige an der Startlinie auf und brachte das 1988 gebaute Stahlboot in Winden bis zu 35 Knoten sicher um die Insel Dieser Wattenkreuzer wurde am Pfingstmontag auf Helgoland zur kleinen Berühmtheit: die Glacer 33 "Moorsteert" von Gerd-Walter Siefert. Der Skipper von der Hallig Nordstrandischmoor und sein Mitsegler Ingwer Meyer trotzten den stürmischen Bedingungen im Final-Klassiker "Helgoländer Acht". Die Zweihand-Crew kreuzte als einzige an der Startlinie auf und brachte das 1988 gebaute Stahlboot in Winden bis zu 35 Knoten sicher um die Insel

Lucas Duensing/Nordseewoche Dieser Wattenkreuzer wurde am Pfingstmontag auf Helgoland zur kleinen Berühmtheit: die Glacer 33 "Moorsteert" von Gerd-Walter Siefert. Der Skipper von der Hallig Nordstrandischmoor und sein Mitsegler Ingwer Meyer trotzten den stürmischen Bedingungen im Final-Klassiker "Helgoländer Acht". Die Zweihand-Crew kreuzte als einzige an der Startlinie auf und brachte das 1988 gebaute Stahlboot in Winden bis zu 35 Knoten sicher um die Insel

Die Vorhersage für die "Helgoländer Acht" war schon knackig, die Realität dann noch ein wenig ruppiger. Beim letzten Nordseewoche-Rennen in Inselnähe herrschten schon am Start 25 Knoten Wind. In Spitzen wurden daraus im Verlauf des Rennens bis zu 35 Knoten. Diese fordernden Bedingungen wetterte die Regattaflotte – wenn nicht ohnehin in Vorbereitung auf die Langstrecke Pantaenius Rund Skagen beschäftigt – doch lieber im Hafen und an Land ab. Die ganze Flotte? Nein, ein einzelnes Boot startete mit unbeirrbarer Crew doch in die "Helgoländer Acht"! Und das war nicht etwa einer der forschen Racer aus den ORCi-Divisionen, sondern ein betagtes Zehn-Tonnen-Stahlboot, das in der Family-Cruiser-Wertung der Nordseewoche so engagiert auftrat: Skipper Gerd-Walter Siefert und und sein Mitsegler Ingwer Meyer haben sich auf ihrem Wattenkreuzer "Moorsteert" getraut. Die Crew vom Nordstrander Wassersportverein ließ sich weder von reichlich Druck in der Luft noch vom eindrucksvollen Seegang oder gar der mangelnden Konkurrenz davon abhalten, ihr "braves Schiff" über den Kurs zu bringen.

Nordseewoche Startschüsse fielen am Pfingstmontag auf und vor Helgoland viele: für die "Helgoländer Acht", für die Rückregatten und zum Finale für den Langstrecken-Klassiker Pantaenius Rund Skagen

"Sie sind heute unsere Helden", sagte Gesamtwettfahrtleiter Albert Schweizer lächelnd und beeindruckt von der gestählten Nordfriesland-Crew, "als Wettfahrtleitungsteam konnten wir in diesen Bedingungen nicht mehr tun als antreten und anbieten. Eine von 37 für diese Wettfahrt gemeldeten Crews hat unser Angebot angenommen, kam, sah und siegte." Damit waren die beiden Segler Gesprächsthema des Tages auf Helgoland. Sie selbst empfanden ihren beherzten Ritt eher als "schöne Tour". Skipper Gerd-Walter Siefert vom Nordstrander Wassersportverein sagte: "Es war schon stürmisch, aber wir haben es gut gemeistert. Wir haben vor dem Start gesagt, dass wir das jetzt durchziehen. Ich habe es dem Boot zugetraut." Die Erfahrung für die Ruhe im Sturm hat Gerd-Walter Siefert unter anderem bei vier Transatlantik-Törns gesammelt. Auf der jüngsten nordfriesischen Hallig Nordstrandischmoor geboren und zu Hause, ist Siefert mit den Naturelementen bestens vertraut. "Man lebt da ja mit dem Wetter", erklärt er schlicht. Mit seinem Crew-Kameraden Ingwer Meyer absolvierte Siefert die Schleife um die Insel in 3 Stunden und 28 Minuten. "Das ist mit dem Schiff eine starke Zeit", zollte Albert Schweizer der Zweihand-Crew echten Respekt.

Der Kurs der "Helgoländer Acht" führte die "Moorsteert"-Männer nach Norden und bog ab der Kardinaltonne Nathurn-N wieder nach Süden ab. "Wir haben erst kurz vor dem Start realisiert, dass wir die einzigen Starter sind. Wir wären natürlich gerne mit mehr Schiffen gesegelt, denn so fehlte etwas der Wettbewerb untereinander, aber wir hatten trotzdem viel Spaß!", erzählte Siefert nach dem Rennen im Hafen. Einzig auf der Kreuz sei es bei geschätzt bis zu drei Meter hohen Wellen in Inselnähe etwas ruppig geworden, "aber das Schiff hält das ohne Probleme aus!" Aus dem theoretischen 13-Seemeilen-Kurs wurden für das Schiff aus der Feder von Horst Glacer gesegelte 20 Seemeilen. "Es ging ja ein Stück mit Welle gegenan, da mussten wir drei große Kreuzschläge absolvieren, sonst stampft man sich da ja fest", berichtete Siefert. Mit ihrem Einsatz waren Gerd-Walter Siefert und Ingwer Meyer nicht nur die Gewinner des Rennens, sondern an diesem Tag auch die Sieger der Seglerherzen. Klar, dass dieses Duo noch am Pfingstmontagnachmittag auf Kurs Heimat ging.

Pantaenius/Hinnerk Bodendieck Das dynamische Plakat für das Pantaenius-Rund-Skagen- Rennen. Die Illustration stammt von Hinnerk Bodendieck

Da hatten sich die Bedingungen auch wieder beruhigt, sodass der herbeigesehnte erste von drei Startschüssen zum Langstrecken-Klassiker Pantaenius Rund Skagen am Nachmittag pünktlich um 16.30 Uhr erfolgen konnte. Gut gerüstet mit Wetterinfos von Wetter-Maestro Meeno Schrader, gingen 42 Crews über die Startlinie vor der Mole des Helgoländer Südhafens. Zuvor hatten sie alle Sicherheitschecks passiert. Ziel des Rennens ist am Ende der rund 510 Seemeilen langen Prüfung Kiel-Schilksee. Die Offshore-Herausforderung bildet den Abschluss der 87. Nordseewoche im 100. Jahr. Um 16.30 Uhr schallte der erste Startschuss für das Pantaenius Rund Skagen Race über das Wasser vor Helgoland. In drei Startgruppen gingen die Yachten bei moderaten acht Knoten Wind auf den Kurs. Vor den Seglern liegt eine der herausforderndsten Langstreckenregatten Europas. "Der Start hat gut geklappt, es gab keine Frühstarter. Alles ist super, und alles war safe. Jetzt liegt es an den Teilnehmern, da etwas draus zu machen", berichtete Wettfahrtleiter Albert Schweizer vom gelungenen Auftakt.

Nordseewoche Der bekannte und auch optisch immer wieder interessante Sicherheitscheck vor dem Start ins Pantaenius-Rund-Skagen-Rennen

Nordseewoche Der Mann, der Wetter kann: Meeno Schrader beim Briefing für das Pantaenius-Rund-Skagen-Rennen

Der Kurs führt von Helgoland über die Nordsee bis an die Nordspitze Dänemarks. Anschließend wird Skagen passiert, bevor die Yachten nach Süden schwenken und durch das Kattegat in die Ostsee einfahren. Das Ziel ist vor Kiel-Schilksee zu durchfahren. Gerade die enorme Unterschiedlichkeit dieser Reviere macht den Mythos und die Faszination dieses Offshore-Tests aus. Der Volvo Open 70 "Trifork" ist mit der Absicht nach Helgoland gekommen, den aktuellen Streckenrekord zu brechen. Unter dem Namen "Ericsson 4" gewann sie 2008/2009 das Volvo Ocean Race, jetzt ist sie das schnellste teilnehmende Schiff im Pantaenius-Rund-Skagen Rennen. Erklärtes Ziel ihres internationalen Teams ist es, die zuletzt von Dr. Klaus Murmanns Maxi "Uca" im Jahr 2000 aufgestellte Bestmarke von 43 Stunden und 46 Minuten zu knacken.

Nikolas Woeckner/Nordseewoche Hat einen neuen Pantaenius-Rund-Skagen-Rekord im Visier: die Crew der "L4/Trifork" mit Skipper Jens Dolmer

Der erste nennenswerte und dokumentierte Geschwindigkeitsrekord für Einrumpfboote Rund Skagen wurde im Jahr 1973 durch die "Diana III" mit Eigner Henry Thomas (Bremen) und Steuermann Harald Baum (Pantaenius) mit 55 Stunden und 1 Minute aufgestellt. Meeno Schrader prognostizierte, dass das Tiefdruckgebiet, das noch am Vormittag für stürmische Winde auf Helgoland gesorgt hatte, die Segler im Laufe der Nacht und am 7. Juni erneut mit starkem bis stürmischem Wind von bis zu 40 Knoten versorgen werde. Mit dem späteren Erreichen der Ostsee allerdings zeichnet die Wetterprognose ein gegensätzliches Bild: Dort wird voraussichtlich mit Schwachwind bis Flaute zu kämpfen sein, was auch die Rekordjagd der "Trifork" erschweren könnte. Das Gros der Yachten wird zwischen Donnerstag und Freitagnacht in Kiel erwartet, die "Trifork" möglicherweise bereits am Mittwoch. Erstmals ausgesegelt wurde die Rund Skagen Regatta übrigens 1932. Der erste Start nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1950 in Bremerhaven statt. Seit 1953 wird wieder ab Helgoland gen Kiel gestartet. Zum Live-Tracking für das Pantaenius-Rund-Skagen-Rennen geht es hier (bitte anklicken!) .

Nikolas Woeckner/Nordseewoche So moderat wie die Winde starteten auch die Profis und Rekordjäger auf der "L4/Trifork" ins Pantaenius-Rund-Skagen-Rennen. "Sie sind dann aber nach dem Start schnell weg gewesen", berichtete Albert Schweizer

CN/Nordseewoche Verdiente Belohnung für das Team der Regattagemeinschaft Nordseewoche und alle engagierten Helfer: Die blau-weiße Torte gab es am Pfingstmontagabend auf der Insel. Tschüss, Helgoland, du warst wirklich gut aufgelegt in diesem Jubiläumsjahr


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Themen: Nordseewoche

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