RekordeWeltrekord – Quentin Debois ist Transat-Schnellster im Mini

Tatjana Pokorny

 · 02.02.2026

Mit dem Mini 6.50 "Odigo" segelte Quentin Debois in Rekordzeit über den Atlantik.
Foto: Team Quentin Debois/jbdenquin
Nicht nur im Globe40 läuft es gerade gut für die belgischen Segler. Jetzt hat auch Landsmann Quentin Debois einen Weltrekord für die schnellste Atlantik-Überquerung von Ost nach West mit einem Mini 6.50 aufgestellt. Der Traumlauf gelang auf dem Kurs von Cádiz zur Bahamas-Insel San Salvador.

24 Tage. 19 Stunden. 31 Minuten. So schnell trieb Quentin Debois seinen Mini 6.50 von Ost nach West über den Atlantik. Damit hat der 38-jährige Belgier, der erst seit sieben Jahren segelt, einen Weltrekord für Boote von 6.50 Metern Länge und kleiner aufgestellt. Die im März und April 2024 erreichte erste Bestzeit der spanischen Rekordhalterin Aina Bauza (”Redo by Anima Negra”, 30 Tage, 22 Stunden und 35 Minuten) verbesserte Quentin Debois um mehr als sechs Tage.

Viele Miniisten haben sich noch nicht am Rekord für den schnellsten Sprung über den Atlantik versucht. Ihr alle zwei Jahre ausgetragener Saisonhöhepunkt besteht mit dem Mini-Transat aus zwei Etappen, die keine Jagd nach einer Transat-Bestzeit möglich machen. Der Debois-Erfolg und das Echo darauf könnte künftig auch andere Top-Akteure der Szene mit schnelleren und jüngeren Booten faszinieren. Das World Sailing Speed Record Council (WSSRC) muss die neue Bestzeit aber noch offiziell ratifizieren.

Der Mini-Solist verneigt sich vor seinem Team

Quentin Debois ist nun der erste Belgier, der einen solchen Transatlantikrekord aufstellen konnte. Heimat des Solisten ist die Provinz Lüttich. In den Segelsport hatte er sich erst 2018 im Alter von 31 Jahren verliebt. 2023 hatte er seine erste Solo-Transatlantikregatta absolviert, jetzt gelang der große Coup.

Vorbehaltlich der Bestätigung durch das WSSRC, sagte Quentin Debois am Ziel seiner Träume: „Basile Rochut, mein Router, hat hervorragende Arbeit geleistet. Er hat mir geholfen, die richtigen Kurse zu wählen. Den Rekord konnten wir auch dank seiner Ratschläge und der Vorbereitung meines technischen Trainers Quentin Droneau brechen.”

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Quentin Debois verneigte sich vor seinem gesamten Team Odigo, bezeichnete den Rekord als “echten Teamerfolg” und sagte: “Die Leute sehen beim Solosegeln das Team nicht so sehr. Tatsächlich wäre nichts von allem ohne das Team möglich.” Der Mini-Rekordmann, der seit einem Jahr professionell segelt, hatte ursprünglich mit 25 bis 30 Tagen für seinen Rekordversuch gerechnet, übertraf dann auch die eigenen Prognosen.

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Mini-Rekord: mit Mut, Unternehmergeist und Widerstandsfähigkeit

Die Wurzeln für den Erfolg liegen für Debois im eigenen Team und bei der Zusammenarbeit mit den Partnern: “Wir alle teilen starke Werte, die diesem Abenteuer Sinn geben: Unternehmergeist, um ohne Garantien etwas aufzubauen und Entscheidungen zu treffen. Anpassungsfähigkeit, um in einem sich ständig verändernden Umfeld voranzukommen. Mut, um große Herausforderungen anzunehmen. Und Widerstandsfähigkeit, um Hindernissen zu begegnen und über sich selbst hinauszuwachsen.”

Sein Mentalcoach Victor Dehaze sagte: „Quentin hatte diese Herausforderung bereits gewonnen, als er die Startlinie überquerte. In so kurzer Zeit ein so komplettes Team mit so starken Partnern zusammenzustellen, ist die größte Herausforderung bei diesem Weltrekord. Das erklärt, warum er so viel gelächelt hat und so begierig darauf war, loszulegen. Allein die Möglichkeit, das Rennen zu starten, war bereits eine große Belohnung.”

Nach dem Erfolg verneigte sich Quentin Debois auch vor den UK Sailmakers, sagte: “Sie haben vier Segel für mich gemacht, die bei dieser Atlantikpassage nicht gerissen sind: mein Solent, meinen Gennaker, meinen Spi-Medium und meinen Spi-Max. Diese Segeln waren meine Reisekumpel. Sie haben mit in den Passatwinden vorangetrieben und mir das Vertrauen gegeben, mein Boot pushen zu können. Und ich muss sagen, dass sie einen großartigen Job gemacht haben.”

​Mini-Solist Quentin Debois: unerschütterlich, intelligent und effizient

Dazu hatte Debois beispielsweise an Tag 22 seiner Rekordfahrt berichtet: “Gerade, während ich das hier schreibe, bringt der Spi-Medium das Boot bei 140 Grad TWA auf kleine Spitzen von 15 Knoten Speed in 20 Knoten Wind. Das ist kraftvoll!” Intelligent und effizient meisterte Quentin Debois gesegelte 4.466 atlantische Seemeilen im Mini in rund dreieinhalb Wochen. Nicht nur in seinem Team wird dem Unerschütterlichen ein überdurchschnittliches Konzentrationsvermögen, viel Umsicht und dazu noch guter Humor bescheinigt.

Mentalcoach Victor Dehaze sagte, Debois habe “eine Stärke aus Stahl” entwickelt, für den die Überquerung “nach meinem Eindruck der einfachste Teil war”. Der Transat-Rekord gelang Quentin Debois mit einem betagten, aber sehr gut vorbereiteten Boot von 2015. Das Bertrand-Ofcet-Design mit der Rumpfnummer 879 trug seinen Skipper insgesamt sicher und schnell über den großen Teich.

Viele Miniisten haben sich an diesem Rekord noch nicht versucht, weshalb weitere Rekordversuche gut vorstellbar sind. Wie es wohl wäre, wenn “Superfoiler” und Mini-Speedrekordhalter Benoït Marie mit Blick auf seinen 24-Stunden-Etmal von 352,59 Seemeilen mit seinem Geschoss heil über den Atlantik käme? Mini-Transat-Segler Hendrik Lenz beschreibt den Debois-Erfolg als “eine coole Leistung”. Der Belgier aber ist mit seiner Bestleistung noch nicht am Ziel. Quentin Debois will im Juni dieses Jahres versuchen, auch für die atlantische Rückpassage von West nach Ost – dann von New York nach Lizard Point – einen Rekord aufzustellen.

Mit dem Mini auf der Jagd nach der “Speedy Gonzales”-Bestzeit

Dieser West-Ost-Kurs gilt als schneller, aber auch als fordernder. Gehalten wird die nächste für Quentin Debois zu schlagende Bestmarke aktuell von Jay Thompson, der im August 2023 seinen Mini “Speedy Gonzales” in 17 Tagen, 9 Stunden, 51 Minuten und 9 Sekunden von West nach Ost über den Atlantik brachte. Die Kurslänge betrug dabei 2880 Seemeilen. Thompson ritt sie mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,89 Knoten ab und legte vor drei Jahren die erste Messlatte, über die Mini-Herausforderer auf diesem Kurs jetzt springen müssen.

Quentin Debois sagte nach nach dem ersten Rekorderfolg: “Langsam beginne ich, im Hinterkopf über die zweite Herausforderung nachzudenken. Ich liste einige technische Verbesserungen auf, die vorgenommen werden müssen. Verstärkung des Decks, Modifizierung bestimmter Segel, Optimierung der Autopiloteneinstellungen und mehr. Außerdem beginne ich darüber nachzudenken, wie Basile und ich das Wetterfenster auswählen werden. Denn diese zweite Passage wird nicht einfach, es ist schließlich der Nordatlantik!“

Diesen Clip hatte das Team von Quentin Debois vor den Start der Rekordfahrt veröffentlicht. Er stellt den Solisten gut vor – der Rekordmann im Interview:

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