Mini-6.50-RegattaBiskaya statt Azoren: erstes Kräftemessen der Mini-Segler

Kristina Müller

 · 04.08.2020

Mini-6.50-Regatta: Biskaya statt Azoren: erstes Kräftemessen der Mini-SeglerFoto: Blanchard/SAS en Baie de Morlaix

72 Solosegler im Mini 6.50 segeln ihre erste Regatta der Saison – drei Deutsche sind dabei. Statt dem offenen Atlantik warten anspruchsvolle Etappen

Lange haben sie in dieser Saison auf den ersten Regattastart warten müssen – gestern war es endlich so weit: Am Dienstagmittag sind 72 Minis zu ihrem Corona-bedingt stark verspäteten Saisonauftakt gestartet. Und damit gleichzeitig zum ersten direkten Vergleich der Einhand-Segler auf dem Wasser, von denen viele im Herbst 2021 das Mini-Transat segeln wollen.

Drei Deutsche sind unter den Solisten, die um kurz nach 13 Uhr über die Startlinie vor Les Sables d’Olonne segelten: Lennart Burke (Pogo 3 "Vorpommern"), Melwin Fink (Pogo 3 "Maximum Sailing") und Lina Rixgens (Wevo 6.50 "Whomper").

  Start vor Les Sables d'OlonneFoto: Blanchard/SAS en Baie de Morlaix
Start vor Les Sables d'Olonne

Wie alle anderen Miniisten mussten sich auch die drei Deutschen in dieser eigentlich so wichtigen Vorbereitungssaison auf das große Atlantikrennen in gut einem Jahr vor allem in Geduld üben. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte die französische Klassenvereinigung Classe Mini einen Großteil der Frühjahresregatten absagen müssen. Die nun gestartete Regatta "Les Sables – Les Açores en Baie de Morlaix" ist die erste Klassenregatta der Saison und ein Ersatzformat für die Regatta Les Sables–Les Açores–Les Sables, die eigentlich zu den Azoren und zurück geführt hätte.

Drei Etappen statt Atlantik-Segeln

Wettfahrtleiter Denis Hugues erklärt: "Es war in diesem Sommer aufgrund der Auswirkungen der Gesundheitskrise nicht möglich, Horta auf der Azoreninsel Faial anzulaufen, was sehr schade ist." Als Alternativprogramm haben die Veranstalter aus Les Sables d’Olonne – wo im November auch die Vendée Globe starten wird – ein sehr spezielles Alternativprogramm erdacht. Statt einem langen Schlag zu den Azoren und einem weiteren zurück werden nun über mehrere Wochen verteilt drei Etappen gesegelt, die sich in Länge und Schwierigkeitsgrad steigern und quer über die Biskaya und den Ärmelkanal führen.

"Ein bisschen ist es, als würden wir zum Solitaire du Figaro im Mini starten", sagte Skipper Tanguy Bouroullec kurz vor Beginn. Als Viertplatzierter im Proto-Classement beim Mini-Transat 2017 ist er als Favorit in dem aktuellen Feld gestartet, in dem sich die Segler noch schwer gegenseitig einschätzen können. "Man kennt noch nicht alle, es ist ja die erste Regatta des Jahres", so Bouroullec über die ungewöhnliche Situation.

Die Etappen: mehrfach über Ärmelkanal und Biskaya

Die erste Etappe führt die Mini-Segler derzeit von Les Sables d’Olonne nach Norden, um die Insel Belle Île herum und wieder zurück nach Les Sables. Sie sollte mit 197 Seemeilen ein flotter Auftakt werden, doch bisher lassen Flaute und schwacher Wind vermuten, dass die ersten Protos erst im Laufe des morgigen Donnerstags ankommen werden.

  Etappe 1: Les Sables–Les SablesFoto: SAS en Baie de Morlaix
Etappe 1: Les Sables–Les Sables

Die zweite Etappe wird am 10. August ebenfalls in Les Sables d’Olonne starten, um den Felsen Wolf Rock bei Land's End am Südwestzipfel Englands führen und in Roscoff in der Bretagne am Ärmelkanal enden. Die dabei zu segelnden 470 Seemeilen inklusive zwei Ärmelkanal-Querungen dürften gerade die noch unerfahrenen Mini-Segler ordentlich fordern.

  Etappe 2: Les Sables–RoscoffFoto: SAS en Baie de Morlaix
Etappe 2: Les Sables–Roscoff

In Roscoff an der Bucht von Morlaix startet Etappe Nummer drei am 19. August, führt wieder um den Wolf Rock, quer über die Biskaya um eine Boje kurz vor dem Hafen von Gijón in Nordspanien, hoch in die Südbretagne bei Concarneau und dann zum Zieleinlauf nach Les Sables d'Olonne. Mit insgesamt 970 Seemeilen Länge nähert sich die die Distanz dieser Etappe schon der von Frankreich zu den Azoren.

  Etappe 3: Roscoff–Les SablesFoto: SAS en Baie de Morlaix
Etappe 3: Roscoff–Les Sables

Für einige Skipper der insgesamt 72 Boote ist es die erste Mini-Regatta überhaupt. "Für viele ist es ein Start ins Unbekannte", sagt Wettfahrtleiter Denis Hugues. "Entsprechend neugierig und zwangsläufig etwas gestresst waren viele vor dem Start."

Burke und Fink im vorderen Feld

Dieser erste Start verlief am gestrigen Dienstag aus deutscher Sicht vor allem für Lennart Burke vielversprechend. Lange hielt er sich auf Platz drei im Feld der 55 gestarteten Serien-Minis, hinter Léo Debiesse (Pogo 3) und Fabrice Sorin (Maxi 6.50). Auch Melwin Fink segelt auf seiner Pogo 3 mit der Nummer 920 im vorderen Feld mit, derzeit auf Platz 16.

  Lennart Burke und seine knallrote Pogo 3 "Vorpommern"Foto: Blanchard/SAS en Baie de Morlaix
Lennart Burke und seine knallrote Pogo 3 "Vorpommern"

Lina Rixgens segelt den Saisonauftakt indes in der Klasse in der Protos. Der Grund: "Solange noch nicht zehn Wevos 6.50, gebaut sind, starte ich noch in der Wertung der Prototypen", berichtet Rixgens. "Dort zählt für mich dann die Platzierung natürlich herzlich wenig, und ich werde immer den Vergleich zu den Serienbooten suchen. Da wir aber alle zusammen starten, ist das auch gut möglich." Die Kölnerin feierte 2017 ihre Mini-Transat-Premiere und beendete das Rennen als erste deutsche Frau. Nach gut 60 gesegelten Seemeilen lag Rixgens mit ihrer werftneuen Wevo 650 zuletzt auf Platz 15.

Alles anders, doch "Hauptsache segeln"

Sie ist, wie wohl alle anderen auch, froh, dass nach dem langen Warten endlich das direkte Kräftemessen auf dem Wasser ansteht – auch wenn an Land vor dem Start coronabedingt alles ebenfalls etwas anders ist. "Man versucht, alles mit einem Meter Abstand zu machen", berichtet sie. "Sobald mehrere Personen an Bord sind oder es zu eng wird, wird Maske getragen, und die sozialen Events beschränken sich auf fünf Tische im Freien. Etwas anders als sonst, aber Hauptsache, wir können segeln."

  Lina Rixgens auf ihrer neuen Wevo 6.50 (Nr. 982)Foto: Blanchard/SAS en Baie de Morlaix
Lina Rixgens auf ihrer neuen Wevo 6.50 (Nr. 982)

Noch haben alle Mini-Segler mindestens hundert Seemeilen und eine weitere Nacht auf der Biskaya vor sich, bevor die ersten am morgigen Donnerstag zurück in Les Sables d’Olonne erwartet werden. Nur wenige Tage zum Erholen und Vorbereiten der zweiten Etappe bleiben dann, bis die Flotte zum nächsten Rennen Richtung Norden aufbricht.

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