La Boulangère Mini TransatMastbruch in der Proto-Klasse

Jochen Rieker

 · 29.09.2023

Glücklos. Auf Federico Sampeis "DMG Mori" brach am Donnerstagnachmittag gegen 16 Uhr in schwerem Wetter das Carbonrigg
Foto: La Boulangère Mini-Transat/V. Olivaud
Update von Tag 5 des La Boulangère Mini Transat 2023
Dass die harten Bedingungen vor Galicien zu Schäden führen könnten, war erwartet worden. Nicht aber, dass es eines der neuesten und am besten vorbereiteten Boote treffen würde: Federico Sampeis “DMG Mori” verlor ihr Rigg

Der Vorfall, dessen genaue Ursache noch unklar ist, ereignete sich bereits gestern Nachmittag gegen 16 Uhr – just als Sampei die Ausläufer einer Schwerwetter-Front mit im Mittel 6, in Böen gut 7 Beaufort passierte. Auf dem Géovoile-Tracker der Mini-Transat-Veranstalter sieht man den Japaner kurz danach auf Drift (s. zweites Foto in der Galerie oben).

Über Seefunk informierte der Skipper eines der Begleitboote der Regattaveranstalter, dessen Crew wiederum die Seenotleitstelle kontaktierte. Diese schickte ein Rettungsboot los, das Sampei gegen 22 Uhr erreichte und den Havaristen in den Hafen von Cariño, einer Stadt in der Provinz La Coruña, schleppte.

Dort wird das DMG Mori Sailing Team morgen nach einer genauen Analyse der Schäden eruieren, ob es eine Möglichkeit gibt, den in den Formen des Maxi 6.50 aus Kohlefaser gebauten Proto rechtzeitig zum Start der zweiten Etappe zu reparieren und auf die Kanaren-Insel La Palma zu bringen. Das bestätigte CEO Irene Bader gestern am späten Abend gegenüber YACHT online.

Fraglos ein enormer Kraftakt, wenn nicht gar ein logistischer Albtraum. Doch kein Mini-Transat-Skipper kann sich auf derart professionelle Strukturen stützen wie Sampei und seine Kollegin Laure Galley, die sich mit einem baugleichen Proto seit Beginn des Rennens in der Spitzengruppe hält.

Die beiden sind Teil der DMG Mori Sailing Academy, die wiederum eine Art nautisches Trainee-Programm für das eigentliche Herz der Kampagne darstellt: Kojiro Shiraishis Imoca-Rennstall. Er wird geleitet und finanziert von dem deutsch-japanischen Weltmarktführer für Werkzeugmaschinen, DMG Mori.

Während Charles Euverte, dem erfahrenen Team-Manager, ein anstrengender Tag voll schwieriger Entscheidungen bevorsteht, haben die Soloskipper auf See das Ärgste überstanden. Statt zu viel Wind gegenan haben sie seit heute Früh eher das Gegenteil: kaum genug von achtern.

48 Stunden Zeitlupe” (Wetter-Router Christian Dumard)

Freitag und Samstag bleibt den Ministen also Zeit, sich zu erholen, ihre Boote auf Vordermann zu bringen. „Nach dieser Schwachwindphase können wir auf die Etablierung einer einigermaßen anhaltenden Nord- oder Nordostströmung hoffen”, so Dumard. “Sollte sich dies bestätigen, werden die Nachzügler von etwas mehr Druck als die Führenden profitieren und so einen Teil ihres Rückstands aufholen können”, kündigt der Meteorologe an, der zu den erfahrensten weltweit zählt.

Dumards Routings zufolge werden die Spitzenreiter insgesamt neun Tage für diese erste Etappe des La Boulangère Mini Transat brauchen. Die Prognose hatte er auch schon beim Start gestellt. Das gilt aber keinesfalls für das gesamte Feld, das sich inzwischen weit auseinandergezogen hat. Bei den Protos liegen nach noch nicht einmal ganz 500 der insgesamt 1.350 Seemeilen bisher schon 250 Meilen Abstand zwischen Platz 1 und 31.

Sensationell gut segelt unverändert Felix Oberle aus der Schweiz auf seiner Maxi 6.50 “Mingulay”. Der 32-jährige Ingenieur aus Aarau war in der Nacht lange auf Platz 2 der Serien-Minis und bleibt weiterhin in Schlagdistanz. Anders als eine Handvoll Ausreißer, die es außen am Verkehrstrennungsgebiet vor Kap Finisterre herum versuchen und absehbar viel Zeit verlieren werden, blieb er seiner ursprünglichen Taktik treu und unter Land. Mit Erfolg!

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Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

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