Hochspannung bei der Rücketappe der Minis von den Azoren

Max Gasser

 · 11.08.2022

Hochspannung bei der Rücketappe der Minis von den AzorenFoto: Vincent Olivaud

Die spannende Lage bei der zweiten Etappe von Les Sables–Les Açores–Les Sables 2022 spitzt sich weiter zu. Pierre Le Roy übernimmt wieder die Führung bei den Protos, entschieden ist jedoch noch lange nichts

Die Rücketappe bei der 9. Ausgabe des Mini-Klassikers Les Sables–Les Açores–Les Sables gestaltet sich noch spannender als zunächst erwartet. Der Sieger könnte bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag feststehen. Wer das sein wird, ist jedoch alles andere als eindeutig – das Feld hat sich auf 450 Seemeilen in Nord-Süd-Richtung aufgefächert.

Nachdem sich die Minis schon früh in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, sind auf dem Tracking mittlerweile sogar drei verschiedene Routen zu erkennen. Neben einer Nord- und einer Südroute stellt sich mittlerweile auch die Mitte als durchaus erfolgreiche Variante heraus.

Vor zwei Tagen sah das noch anders aus. Zu diesem Zeitpunkt schien der nördliche Weg für diese zweite Etappe mit hoher Wahrscheinlichkeit der beste zu sein. Nun ist das Feld jedoch genau dort fast zum Stehen gekommen. Besonders bei den Serienbooten erweist sich der Hochdruckrücken als äußerst problematisch, der Speed liegt bei den meisten aktuell unter drei Knoten.

Die aktuelle Situation auf dem Tracking abgebildetFoto: Screenshot/SAS Tracker
Die aktuelle Situation auf dem Tracking abgebildet

Jacques Delcroix und der Newcomer Uros Krasevac scheinen diese Phase jedoch schon überwunden zu haben und liegen mit deutlich besserer Geschwindigkeit klar vor dem nördlichen Hauptfeld. Die Führung bei den Protos mussten sie dennoch abgeben und liegen aktuell auf den Plätzen zwei und vier.

Schon abgeschrieben und jetzt wieder in Führung

Entgegen den Erwartungen hat nämlich Pierre Le Roy, Gewinner der ersten Etappe, auch auf dem Rückweg nach Les Sables-d’Olonne die Führung übernommen. Er wählte seine Route durch die zunächst abgeschriebene Mitte und hat sich dort auch einen klaren Vorsprung erarbeitet.

Der Fernzweikampf mit dem zweitplatzierten Delcroix ist dadurch spätestens jetzt entbrannt und in vollem Gange. „Die beiden (Delcroix und Krasevac) sollten am Abend oder in der Nacht wieder Wind haben“, so Christian Dumard, der Wetterberater des Rennens, über die Nordroute. Durch die aufkommende nordöstliche Strömung können sie dann voraussichtlich zudem mit einem guten Winkel in Richtung Vendée segeln.

Jacques Delcroix segelte in der ersten Etappe auf  den zweiten Platz, jetzt scheint auch ein Sieg für ihn möglich zu seinFoto: Vincent Olivaud
Jacques Delcroix segelte in der ersten Etappe auf den zweiten Platz, jetzt scheint auch ein Sieg für ihn möglich zu sein

Bis in die Nacht von Freitag auf Samstag soll der Wind dort wieder deutlich besser sein als für den Rest ihrer Gegner in der Mitte und im Süden. Ob das ausreichen wird, um sich wieder an die Spitze zu setzen und diese Führung auch ins Ziel zu bringen, lässt sich aktuell nur schwer sagen. Der erfahrene slowenische Wetterrouter Jure Jerman rechnet in seinem Routing allerdings mit einem Vorsprung von vier Stunden für Pierre Le Roy.

Der Split des Feldes ist in der Klasse der Prototypen besonders spannend. Die drei Führenden befinden sich alle in unterschiedlichen Gruppen. Denn mit Arnaud Rambaud an dritter Stelle im Klassement wurde deutlich, dass auch der Süden keine schlechte Option sein könnte.

In der Serienwertung hält sich dort sogar das komplette Führungstrio auf. Auch Lisa Berger aus Österreich hatte sich für diese Route entschieden, scheint damit aber nicht so erfolgreich zu sein und liegt derzeit auf Platz 44. Den besten Speed macht hier aktuell die mittlere Flotte. Darunter auch der Schweizer Felix Oberle, der sich wieder auf Platz elf bei den Serienbooten vorgearbeitet hat.

Wer das Rennen für sich entscheiden kann und welche Route sich am Ende als die erfolgreichste herausstellen wird, ist weiterhin komplett offen. Während die Teilnehmer nicht wirklich wissen, wie der Führungskampf tatsächlich abläuft und welcher Konkurrent welchen Weg gewählt hat, kann man das spannende Finale als Außenstehender gut auf dem Tracking mitverfolgen (bitte anklicken >>).

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