HochseeKleines Boot, großes Ziel: Lisa Berger auf Mini-Transat-Kurs

Tatjana Pokorny

 · 20.02.2022

Hochsee: Kleines Boot, großes Ziel: Lisa Berger auf Mini-Transat-KursFoto: Team Lisa Berger

Sie ist unerschrocken, erfrischend und dynamisch: Lisa Berger will 2023 als erste Österreicherin am Mini-Transat teilnehmen. Die Crowdfunding-Kampagne läuft

Ihren ersten Mini-Crashkurs hat Lisa Berger 2019 bei der Doublehanded-Regatta Baltic 500 in der Ostsee absolviert. Damals schon zeigten sich ihr Wille und ihre Bereitschaft, für den eigenen Traum von anderen zu lernen und unerschrocken Neuland zu betreten. Weil dem Dänen Claus Pedersen vor drei Jahren der Mitsegler für die Baltic-500-Premiere abgesprungen war, hatte er via Facebook spontanen Ersatz gesucht. Lisa Berger wiederum hatte den Aufruf daheim am Attersee entdeckt und sich – ohne eine Seemeile Mini-Erfahrung – bei Pedersen gemeldet. Der war beeindruckt und sagte ja. Gemeinsam mit dem damals 56-jährigen skandinavischen Miniisten segelte Lisa Berger bei ihrer Mini-Premiere über 500 Seemeilen auf Platz vier. Pedersen lobte: „Danke, Lisa, dass Du eine so inspirierende und hartgesottene Mitseglerin warst."

  Lisa Berger – auf See in ihrem ElementFoto: Team Lisa Berger
Lisa Berger – auf See in ihrem Element

Die gebürtige Innsbruckerin, die den Segelsport über einen Freund am Atterrsee und vor allem an der Seite ihrer Mutter und Skipperin Ursula Berger kennen und lieben gelernt hat, war nun für das Mini-Segeln entflammt. Gemeinsam mit ihrem bekannten Landsmann Christian Kargl segelte sie noch im gleichen Jahr zum Sieg bei der ersten Europameisterschaft in der neuen Disziplin Mixed Offshore. Drei Jahre später ist zu Jahresbeginn eindrucksvoll zu beobachten, wie weit die heute 31-Jährige ihren Traum von der Mini-Transat-Teilnahme vorangetrieben hat. Das Ziel ist klar: „Ich bin Offshore-Seglerin aus Leidenschaft und werde 2023 als erste österreichische Frau an der Solo-Transatlantikregatta Mini-Transat teilnehmen.“

  Sie gewannen 2019 gemeinsam die Mixed-Offshore-Europameisterschaft für Österreich: Lisa Berger und Christian KarglFoto: privat
Sie gewannen 2019 gemeinsam die Mixed-Offshore-Europameisterschaft für Österreich: Lisa Berger und Christian Kargl
  Mutter und Tochter Ursula und Lisa Berger verbinden nicht nur Dynamik, Humor und Lebenslust, sondern auch die große Leidenschaft für den SegelsportFoto: Team Lisa Berger
Mutter und Tochter Ursula und Lisa Berger verbinden nicht nur Dynamik, Humor und Lebenslust, sondern auch die große Leidenschaft für den Segelsport

Das Mini-Transat führt seine wagemutigen Teilnehmer über insgesamt rund 4.000 Seemeilen auf nur 6,50 Meter langen Booten von Les Sables-d’Olonne über La Palma nach Guadeloupe in der Karibik. Der junge Deutsche Melwin Fink hatte sich bei der letzten Auflage mit einer mutigen Sturmentscheidung auf „SignForCom“ Platz drei im Serien-Klassement erkämpft und nicht nur in seiner Heimat großes Interesse für das Rennen auf den kleinen Booten hervorgerufen. Lisa Bergers sportlicher Wegbegleiter Christian Kargl wurde mit „Candidate Sailing Team“ im Mini-Transat starker Sechster. Fink, Kargl, Lennart Burke und viele weitere Mini-Solisten haben die Österreicherin dazu inspiriert, sich dieser brutalen Herausforderung selbst zu stellen, bei der über etwa 35 Tage Einsamkeit jeglicher Kontakt zur Außenwelt untersagt ist. Auch Komfort ist Mangelware, wie Lisa Berger gut beschreibt: „Die Küche ist ein Jetboil zum Wasserkochen, das Klo ist ein Eimer, das Bett sind ein paar Segel oder auf was auch immer gerade Platz ist, um zu schlafen.“

  Lisa Berger mit ihrem Landsmann Christian Kargl vor dem bereits erprobten Mini, der nun ihr dienen sollFoto: Team Lisa Berger
Lisa Berger mit ihrem Landsmann Christian Kargl vor dem bereits erprobten Mini, der nun ihr dienen soll

Wer am Mini-Transat teilnehmen will, muss sich über zwei bis drei Jahre qualifizieren und vorbereiten. Dazu finden jedes Jahr von März bis September etwa 15 Qualifikationsregatten an der französischen Atlantikküste und im Mittelmeer statt. Lisa Berger weiß: „Auch wenn es in meinem Projekt um das Solosegeln geht, ist es alles andere als ein Soloprojekt. Ohne Unterstützung von außen wäre das alles nicht möglich.“ Deshalb hat sich die seit 2020 im Musto-Team geförderte Seeseglerin jetzt zu einer Crowdfunding-Aktion entschieden.

"I believe in you!"

Auf der Plattform "I believe in you!" spricht Lisa Berger potenzielle Förderer direkt an und schreibt: „Der Saisonstart rückt nun immer näher, und um perfekt vorbereitet in die Qualifikationsregatten zu starten, brauche ich Deine Unterstützung! Du hilfst mir bei der Finanzierung von Ausrüstung wie Segel, neue Beschläge und Klemmen an Deck, Servicierung verschiedener Seenotmittel und der Rettungsinsel, Anschaffung eines Außenborders, neues Antifouling fürs Unterwasserschiff. Du hilfst mir die Einschreibegebühren für die Qualifikationsregatten der Saison 2022 zu bezahlen. Außerdem hilfst Du mir, die Mitgliedschaft in der Trainingsgruppe Pôle Mini 650 La Rochelle und die Hafenliegegebühren für 2022 zu finanzieren. Mit Deiner Unterstützung hilfst Du mir, bestens vorbereitet an die Startlinie meiner Qualifikationsregatten zu gehen, um 2023 für Österreich alleine und im Rennmodus über den Atlantik zu segeln!“ Wer Lisa Berger beflügeln möchte, kommt hier zur Crowdfunding-Seite (bitte anklicken!).

  Lisa Berger berichtet regelmäßig ungeschminkt, authentisch und auch humorvoll über ihre EinsätzeFoto: Team Lisa Berger
Lisa Berger berichtet regelmäßig ungeschminkt, authentisch und auch humorvoll über ihre Einsätze

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