AbenteuerSelbstbau-Mini für große Reisen und Regatten

Kristina Müller

 · 01.03.2020

Abenteuer: Selbstbau-Mini für große Reisen und RegattenFoto: SUIJUAN ZHOU

Im 5,80 Meter kurzen Booten allein über den Atlantik und um die Welt – das ist das neue Regatta-Konzept von Don McIntyre, dem Veranstalter des Golden Globe Race

Es mag ein wenig wie ein verfrühter Aprilscherz klingen, doch dem australischen Weltumsegler und Segelabenteuer-Enthusiasten Don McIntyre sind Projekte wie dieses durchaus zuzutrauen: Wie er am heutigen Montag bekannt gab, will er eine neue Bootsklasse ins Leben rufen, die Class Mini 5.80. Mit diesem neuen Bootstyp, einem 5,80 Meter kurzen Selbstbau-Boot aus Sperrholz, sollen künftig Hochseeregatten auf dem Atlantik und sogar um die Welt gesegelt werden. Schon im Herbst 2021 soll es parallel zum Mini-Transat über den Atlantik gehen, drei Jahre später sogar um die Welt.

Große Pläne für kleine Boote

  Don McInytre segelte selbst bei der BOC Challenge 1990/91 solo um die Welt. Heute organisiert er Retro-RegattenFoto: PPL
Don McInytre segelte selbst bei der BOC Challenge 1990/91 solo um die Welt. Heute organisiert er Retro-Regatten

Mit der Initiative will McIntyre "große Abenteuer auf kleinen Booten" ermöglichen und vor allem bezahlbar machen. Ein Bauplan soll etwa 300 Euro kosten, das Boot soll aufgrund der einfachen Sperrholzkonstruktion schnell und einfach zu bauen sein.

"Ich liebe kleine Boote wegen ihrer Einfachheit und ihres puren Abenteuers", sagt McIntyre. "Aber ich habe keine Ahnung, ob Segler von dieser neuen Entwicklung begeistert sein werden. Ich bin es auf jeden Fall. Wir hoffen, dass Boote auf der ganzen Welt gebaut werden, und wenn dies passiert, werden wir nationale Verbände und lokale Rennen unterstützen!"

Aufgrund der geringen Abmessungen des Bootes soll es einfach auf dem Trailer oder in einem 20-Fuß-Container transportiert werden können. Der markante, geschützte Niedergang soll die Rundumsicht aus dem Bootsinneren ermöglichen
Foto: SUIJUAN ZHOU

Eine Mitgliedschaft in der neuen Class Mini 5.80 werde für jeden Selbstbauer obligatorisch sein und soll 35 Euro pro Jahr kosten.

Zurück zum Minimalismus

Der Australier greift mit seiner Idee den einstigen Gedanken des Mini-Transat auf, jener legendären Regatta über den Atlantik, bei der alle zwei Jahre rund 80 Einhandskipper und -skipperinnen weitestgehend ohne Kontakt zur Außenwelt über den Atlantik segeln.

Als "poor man’s race" wurde das Rennen über den Atlantik erstmals 1977 ausgerichtet, um Hochseeregattasegeln auf kleinen, erschwinglichen Booten zu ermöglichen. Wolfgang Quix nahm damals als einziger Deutscher teil und segelte mit dem 5,70 Meter langen Waarschip "Waarwolf" ein noch kleineres Boot, als es McIntyre nun vorschwebt.

In den Augen des australischen Veranstalters explodieren die Kosten für eine Mini-Transat-Teilnahme auf einem Mini 6.50 aber mittlerweile. Man kann zwar gebrauchte Pogos relativ günstig kaufen, so McIntyre, müsse dann aber einiges an Arbeit reinstecken, um ein konkurrenzfähiges Boot zu haben. Das könne nicht jeder. "Viele haben zwar Angst vor so einer Herausforderung, träumen aber dennoch von einem Ozeanrennen in einem Kleinboot. Nun können sie das machen."

Winzlinge zum Selberbauen

  Zwei Mini 5.80 im Bau in PolenFoto: SUIJUAN ZHOU
Zwei Mini 5.80 im Bau in Polen

Die Boote sollen 5,80 Meter lang sein, 2,27 Meter breit und einen Tiefgang von 1,40 Meter haben. Der erste Prototyp für McIntyre selbst werde derzeit bereits in Polen gebaut. Der Australier hat angekündigt, damit bald über den Atlantik segeln zu wollen. "Ich freue mich darauf!", sagt er.

Im Jahr 2010 war er schon auf einem kleinen Boot rund 4000 Seemeilen über den Pazifik gesegelt.

Vom Transat bis zur Weltumsegelung

Für seine neue Bootsklasse hat der umtriebige 64-Jährige schon einen ambitionierten Regattakalender entworfen:

  Die Route der geplanten Weltumsegelung in fünf Etappen für 2024. Meldungen für das "Mini Globe Race" sollen ab dem 1. November 2020 möglich seinFoto: SUIJUAN ZHOU
Die Route der geplanten Weltumsegelung in fünf Etappen für 2024. Meldungen für das "Mini Globe Race" sollen ab dem 1. November 2020 möglich sein

Im November 2021 soll das erste Transat-Rennen auf den Zwergbooten stattfinden, 2022 ein Rennen von Europa zu den Azoren und zurück und 2023 ein weiteres Transat, bevor in vier Jahren eine Weltumsegelung in Etappen stattfinden soll. Wie (hoch)seetauglich das Boot aus der Feder des polnischen Konstrukteurs Janusz Maderski jedoch ist und wie viele Bootsbauer sich begeistern lassen, wird sich zuvor noch zeigen müssen.

2027 sollen alle Eigner einer ClassMini 5.80 dann zu einer 50-Jahr-Feier des ersten Mini-Transat 1977 nach Europa eingeladen werden.

Retro-Abenteuer im Trend

Don McIntyre hat also wieder Großes vor. Doch dass er es schafft, Segler für außergewöhnliche Törns und Taten zu begeistern, hat er bereits mit der Organisation des Golden Globe Race 2018/19 bewiesen. 18 Einhandsegler aus aller Welt gingen an den Start, um wie vor 50 Jahren ohne technische Navigationshilfen um die Welt zu segeln. Für 2022 ist schon die nächste Auflage geplant. Und für 2023 haben bereits zahlreiche Crews für das neue "Ocean Globe Race" gemeldet, einer von McIntyre ersonnenen Jubiläumsregatta des ersten Whitbread Round the World Race von 1973.

Wie McIntyre bei all seinen Veranstaltungen überhaupt noch Zeit zum Mini-Segeln auf dem Atlantik finden will, ist allerdings fraglich – zumal er auch das Golden Globe Race ursprünglich selbst mitsegeln wollte.

Auf der Bootsmesse Hiswa Amsterdam vom 11. bis 15. März 2020 sollen die Pläne im Detail vorgestellt werden und ab dann auch auf der Klassen-Webseite zu finden sein: https://classmini580.com

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