Umsonst, draußen und für alle – so wünschen sich die Kieler-Woche-Organisatoren, Besucher und Teilnehmer ihre Segel-Wonnewoche im Norden, auf dem Wasser und an Land. Damit diese Wünsche auch eine Chance haben, wurde die Kieler Woche jetzt wie schon im ersten Jahr der Corona-Pandemie erneut in den Frühherbst verschoben. Die 127. Auflage der weltgrößten Regattawoche soll zum zweiten Mal in Folge nicht zum Traditionstermin im Juni, sondern vom 4. bis zum 12. September 2021 stattfinden. Das gaben die Organisatoren und die Stadt Kiel am Mittwochabend nach Abstimmung mit den beteiligten Vereinen (Kieler Yacht-Club, Norddeutscher Regatta Verein, Verein Seglerhaus am Wannsee) und nach Rücksprache mit der schleswig-holsteinischen Landesregierung bekannt. Die Neuplanung passt zeitlich zur ohnehin für die vom 4. bis zum 11. September in Kiel geplanten Starboot-Weltmeisterschaft mit erwarteten 80 Booten sowie die davor stattfindende Starboot-Junioren-WM (31. August bis 3. September). Nun deutet alles erneut auf einen goldenen Segel-September hin.
Mit ihrer Entscheidung reagieren die Veranstalter nach eigener Erklärung bewusst frühzeitig auf die in vielen Ländern wieder steigenden Inzidenzzahlen und die damit verbundene unsichere Planungslage. Auch 2020 hatten die Kieler bereits am 19. März zu den ersten Großveranstaltern gezählt, die mit einer Verschiebung auf die Pandemie reagiert hatten. Die Verschiebung der Olympischen Spiele 2020 auf 2021 folgte damals am 24. März keine Woche später. Die verschobene Kieler Woche wurde in fordernden Zeiten zum sportlichen Erfolg ohne Festaktivitäten und Publikum.
Für Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist nach seinem Statement in einer Pressemitteilung der Landeshauptstadt Kiel die erneute Verlegung mit Blick auf die aktuelle Corona-Lage die richtige Entscheidung: "Mit dem Ausbau der Teststrategie und dem Fortschritt bei den Impfungen werden wir im September hoffentlich in einer Situation sein, in der eine Kieler Woche näher am 'Original' möglich sein wird." Dem NDR sagte Ulf Kämpfer am Abend: "Wenn wir dieses Jahr eine Kieler Woche schaffen, was wir ganz fest glauben, dann im September. Und dann eben nicht nur digital, sondern mit echten Menschen vor Ort." Diese Aussage des Oberbürgermeisters bezog sich auf das Festival, das einen wichtigen Teil der Kieler Woche ausmacht. "Das Segeln müsste nach menschlichem Ermessen gut möglich sein", so Kämpfer. Sein komplettes Interview ist hier zu sehen und zu hören (bitte anklicken!). Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther machte allen Kieler-Woche-Fans Hoffnung: "Die Aussichten auf eine 'richtige' Kieler Woche" wachsen mit jedem weiteren Monat."
"Wir haben bewusst jetzt schon entschieden", sagte der sportliche Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Die Kieler Woche lebe auch von ihren internationalen Feldern, so der erfahrene Regatta-Manager. "Wir wollen auch solidarisch sein mit den Schaustellern und Künstlern der Kieler Woche. Eine Trennung von Segelwoche und Festival kann keine Alternative sein." Auf die Frage, ob die Verschiebung der weltgrößten Regattawoche auch als Warnschuss aus Sicht des Internationalen Olympischen Komitees verstanden werden kann, sagte Ramhorst YACHT online: "Die Olympischen Spiele finden vier Wochen nach dem Stammtermin der Kieler Woche statt. Ich glaube, dass die Olympischen Spiele stattfinden können – nur nicht in dem Kreis, in dem man es sonst kennt."

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