Um 13.25 Uhr erklang das Horn-Signal zur Eröffnung der 142. Kieler Woche auf der Bühne am Olympiazentrum in Schilksee. Doch offizielle Wettfahrten waren am ersten Tag noch nicht möglich, nur drei bis vier Knoten Wind erlaubten keinen Start zu fairen Bedingungen. 2.4mR, 420er, 470er und OK-Jolle waren zwar um 12.45 Uhr aufs Wasser geschickt worden, mussten aber unverrichteter Dinge wieder reingeschleppt werden.
Damit die traditionelle Aalregatta nach Eckernförde gestartet werden konnte, verlegten die Seebahn-Verantwortlichen Eckart Reinke und Ralf Paulsen die Startlinie auf die freie Ostsee. Im Flottillenverband fuhren die mehr als 200 Yachten aus der Innenförde hinaus, um ein verkürztes Rennen zu starten. „Wir hätten gern mehr Action geboten!“, kommentierte Eckart Reinke den Abbruch der Startvorbereitungen am Olympiahafen von 1936 in Düsternbrook.
„Wir hatten viel Spaß“, erklärte Wolfram N. Diener trotz fehlenden Startspektakels. Denn schöne Bilder gab es dennoch: Als die Verlegung des Starts auf die Ostsee per Funk durchgegeben wurde, zog der Tross der mehr als 200 Yachten in einem Gewusel durch die Innenförde, wie es auf einem Wimmelbild nicht besser hätte inszeniert werden können. Und um 13.35 Uhr konnte die erste Startgruppe der ORC-Yachten am Eingang der Eckernförder Bucht auf einen rund zehn Seemeilen kurzen Kurs Eckernförde geschickt werden, kämpfte aber bei leichter Brise zusätzlich gegen eine relative starke Strömung aus der Bucht heraus. Die langsameren Yachten dürften bis zum Abend brauchen, bevor sie das Ziel und einen verdienten Räucheraal erreichen.
Um 15 Uhr entschied die Wettfahrtleitung, für Sonnabend alle weiteren Versuche abzubrechen. Die Startbereitschaft für Sonntag bleibt bei 11 Uhr. Sollten sich gute Windbedingungen durchsetzen, sollen über das normale Pensum hinaus Wettfahrten nachgeholt werden.
Bei der offiziellen Eröffnung auf der Bühne der Audi Sailing Arena im Olympiazentrum Schilksee waren neben Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Schleswig-Holsteins Innenministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack auch der Premierminister von Cabo Verde, Ulisses Correia e Silva, und der Präsident des ukrainischen Seglerverbandes, Rodion Luka, als Ehrengäste dabei. Außerdem berichtete die Kieler Olympiamedaillengewinnerin Susann Beucke von ihrem Offshore-Projekt „This Race is Female“. 2028 möchte sie an der Vendée Globe teilnehmen. Ihre Rennyacht hat sie eigens nach Kiel gebracht und bietet während der Kieler Woche an der Blücherbrücke Einblicke in diese besondere Art des Regattasegelns.
Kiels Oberbürgermeister Kämpfer machte Werbung für den Segelstandort Kiel: „Wir hatten gerade den Fly-by des Ocean Race in Kiel und wollen gern dem Beispiel von Aarhus folgen, das beim vorigen Ocean Race Fly-by war und nun regulärer Etappenort geworden ist. Dafür brauchen wir die Unterstützung des Landes“, sagte er an Innenministerin Sütterlin-Waack gerichtet. In Sachen Kieler Woche sieht sich der Kieler Verwaltungschef auf bestem Kurs: „Ich bin sehr froh, dass wir nach den Corona-Jahren nun wieder voll durchstarten können. Die Kieler Woche ist back on track!“
Betroffen lauschte die Runde auf dem Podium und im Publikum, als Rodion Luka von der Situation in seiner ukrainischen Heimat berichtete: „Es ist der Horror, und an Segelsport ist eigentlich nicht zu denken – vielleicht auf einigen kleinen Seen. Aber entlang der gesamten Schwarzmeerküste und auf den großen Revieren ist es verboten.“ Der Verbandspräsident bedankte sich für die Unterstützung, die sein Land erhalte, und er sei auch in Kiel, um auszuloten, was noch möglich sei.
Moralischen Beistand bekam Luka vom Premierminister von Cabo Verde, Ulisses Correia e Silva. Das Staatsoberhaupt des atlantischen Inselstaates war in Kiel zu Gast, weil sein Land bei Forschungen zum Klimawandel und Ozeanografie eng mit dem Geomar zusammenarbeitet. Für Cabo Verde sind diese Forschungsergebnisse von immenser Bedeutung, denn der Staat an der Westküste Afrikas besteht nach seinen Worten zu 99,3 Prozent aus Wasserfläche. Der Ozean bilde die Ressourcen des Landes. Doch Correia e Silva konnte neben dem Austausch mit den Verantwortlichen von Stadt und Land auch die Kieler Woche genießen: „Es ist mein erster Besuch hier in Kiel, aber hoffentlich nicht der letzte. Die Kieler Woche ist eine perfekte Verbindung zwischen Sport und kulturellen Veranstaltungen. Es ist eine großartige Atmosphäre.“