Kieler WocheMit 470er-Hochspannung und Ole-Sieg in die olympische Halbzeit

Tatjana Pokorny

 · 18.06.2023

Ole Schweckendiek beeindruckte im olympischen Ilca 7
Foto: Kieler Woche/Sascha Klahn
Eineinhalb Tage hat es gedauert, bis die olympische erste Halbzeit der Kieler Woche auf dem Wasser beginnen konnte. Am Sonntagnachmittag ging es auf der Förde in leichten Winden endlich zur Sache, während im Olympiazentrum Kiel-Schilksee die Menschen durchs Hafenareal strömten und die Live-Übertragung von der 470er-Mixed-Bahn auf der Großbildleinwand sahen

Die 129. Kieler Woche blieb auch an ihrem zweiten Tag ein Geduldsspiel. Dieses Mal allerdings mit Happy End. Um 15.20 Uhr konnte die olympische Halbzeit mit eineinhalbtägiger Verspätung endlich durchstarten. Dabei ging es besonders auf der 470er-Mixed-Bahn spannend zu. Hier wurde die Hoffnung auf einen intensiven Wettkampf unter den besten Crews der Segelnationalmannschaft auch ohne viel Druck in der Luft nicht enttäuscht.

Traumstart für Diesch/Markfort, Fehlstart für die Weltmeister

Nach drei Rennen lagen Simon Diesch/Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee) bei insgesamt drei Zählern punktgleich mit Theres Dahnke/Matti Cipra (Plauer Wassersportverein) vorn. Die für die olympische Testregatta qualifizierten Malte und Anastasiya Winkel (5 Punkte) greifen am Montag von Platz drei aus an. Nur die amtierenden Weltmeister Luise Wanser/Philipp Autenrieth (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club) erwischten einen Fehlstart und kamen nach zwei Frühstarts im Feld der 17 Boote nicht über Platz 14 hinaus.

470er-Steuermann und Spitzenreiter Simon Diesch ist der Neffe und Sohn der Brüder Jörg und Eckart Diesch, die 1976 vor Kingston Olympia-Gold im Flying Dutchman gewannen. Sein Fazit nach drei fordernden Rennen in flauen Bedingungen: “Das war sensationell. Wir sind mit einem Start-Ziel-Sieg in den Tag gestartet. Dann hatten wir einen kleinen Durchhänger, haben aber danach noch einen soliden zweiten Rang ins Ziel gefahren.”

Ole Schweckendiek hat offensichtlich Talent und ein Händchen” (Philipp Buhl)

Im olympischen Ilca 7 beeindruckte der erst 18 Jahre alte Kieler Steuermann Ole Schweckendiek. Der Steuermann vom Kieler Yacht-Club, der gerade erst sein Abitur mit einem Durchschnitt von 1,8 erfolgreich bestanden hat und sein erstes volles Jahr im olympischen Ilca-7-Seniorenfeld bestreitet, konnte die einzige Wettfahrt des Tages in seiner Gruppe gewinnen. Der U21-Weltmeister von 2022 gilt als großes Talent.

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Laser-Weltmeister Philipp Buhl, der seinen dritten Olympiastart im Ilca 7 anstrebt, in dieser Woche aber bei der Motten-WM am Start war, sagte im ehemaligen britischen Olympiahafen von Weymouth: “Ich will junge Segler nicht zu früh und zu hoch loben, aber Ole hat offensichtlich Talent und ein Händchen. Es ist gut zu sehen, dass auch die Generation nach Julian Hoffmann stark ist. Wir sind in Deutschland im Ilca 7 schon gut aufgestellt.” Im Ilca 6 ersegelte Julia Büsselberg zum Auftakt Rang 9. Im 49er holten im einzigen Rennen des Tages Fabian Rieger und Tom Heinrich vom Verein Seglerhaus am Wannsee als bestes deutsches Team Rang 13.

“Bleitransporter” führt im 2.4mR

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer segelten sich im Nacra 17 bei wenig Wind langsam warm. Auf Rang vier ließen die Bronzemedaillen-Gewinner von Japan im Mini-Feld von zwölf olympischen Katamaranen Rang drei folgen. Das reichte beim flauen Auftakt auch insgesamt zu Platz drei.

Im Ein-Personen-Kielboot 2.4mR war es nach den ersten beiden Rennen einmal nicht Abonnements-Sieger Heiko Kröger, der die Führung übernahm. Der NRV-Steuermann segelte mit Rang sechs und einem Tagessieg zunächst auf Platz vier. Spitzenreiter ist der “Bleitransporter” von Oliver Thies. Der Steuermann vom Verein Seglerhaus am Wannsee führt nach einem Tagessieg und Rang vier.

Wonnesonntag lockt Zehntausende ins Olympiazentrum

Insgesamt konnten am Wonnesonntag für die Besucher in Schilksee 13 Rennen in den Jollenklassen absolviert werden. Dazu kamen rund 200 Kielboote von der Aalregatta aus Eckernförde zurück nach Schilksee. Am Montag wird die Kieler Woche mit der dreitägigen Kiel-Cup-Regatta der “Big Boats” und den Wettfahrten auf den Bahnen der Olympiasegler fortgesetzt.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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