Kieler WocheInterview mit Wettfahrtleiter Dirk Ramhorst

Tatjana Pokorny

 · 15.06.2023

Kieler Woche: Interview mit Wettfahrtleiter Dirk RamhorstFoto: Christian Beeck/segel-bilder.de/Kieler Woche
Kieler Woche Sportchef Dirk Ramhorst
Im Olympiajahr 2024 feiert Dirk Ramhorst Doppel-Jubiläum: 20 Jahre im Einsatz für das Förde-Fest und ein Jahrzehnt als Sportchef. Wie der weltgrößte Segelevent 2023 aussieht, verrät er im Interview

Dirk Ramhorst, darf man die Kieler Woche 141 Jahre nach ihrer Premiere 1882 immer noch weltgrößte Regattawoche nennen?

Auf jeden Fall. Große Felder haben die Kieler Woche immer geprägt und tun es weiter. Ich glaube, es wird eine tolle Woche!

In diesem Jahr feiert Kiel mehrere Großereignisse: Am 9. Juni war der Ocean-Race-Fly-by mit Boris Herrmanns Team Malizia und Team Guyot. Am 17. Juni beginnt die Kieler Woche. Anfang August wird die ORC-WM auf der Förde zelebriert. Profitiert die Kieler Woche vom Segel-Superjahr?

Ja, sicher. Der Ocean-Race-Fly-by hat natürlich zunächst einmal für Kiel Sailing City geworben, zu deren Aushängeschildern aber die Kieler Woche zählt. Mit dem Besuch der Ocean-Race-Flotte am 9. Juni wurden Erinnerungen wach an den Sieg der „Illbruck“ 2002, als Hun­derttausende am Strand standen und Gänsehautstimmung herrschte.

Wo können Fans der Kieler Woche den Segelsport am besten erleben?

Wenn ich die Kieler Woche erleben und Cooles sehen will, dann gehe ich ins Olympia-Zentrum. Dort kommt man direkt mit den Seglern in Kontakt. Dank starker Partner wird der Sport vielseitig und lebendig präsentiert.

Wie groß ist das Team, das die Kieler Woche organisiert und durchführt?

Da ist das professionelle Organisationsteam um Sven Christensen von Point of Sailing. Dazu der engere Kreis – vielleicht 16, 17 Leute, die den Regattaausschuss mit den Ressorts bilden. Und 350 bis 400 Ehrenamtliche an Land und auf dem Wasser. Getragen wird die Kieler Woche von drei Clubs: dem Kieler Yacht-Club, dem Norddeutschen Regatta Verein und dem Verein Seglerhaus am Wannsee.

Geht es der Kieler Woche zur 129. Edition gut?

Ja, aber darauf kann man sich nicht ausruhen. Wir haben tolle Partner und werden in der Vermarktung einen weiteren großen Schritt machen, weil wir mit dem Fernsehsender Sport 1 in Verbindung mit Audi täglich nicht nur Kieler-Woche-TV im Internet und über die Kieler Kanäle bringen, sondern auch drei Stunden Live-TV in deren Kanälen haben. Das gab es noch nie.

Haben Sie noch Träume für die Kieler Woche?

Der erste Traum geht jetzt in Erfüllung: Wir sind wieder Weltcup und wollen uns da stabilisieren.

Da bildet Kiel mit den anderen Veranstaltern der klassischen europäischen Regattawochen eine starke Einheit …

Wir verstehen uns blind, sind ein Dream-Team mit der Trofeo Princesa Sofía, der Semaine Olympique Française und den Holländern, in diesem Jahr durch die WM aller olympischen Segeldisziplinen in Den Haag vertreten. Wir haben den Weltcup gemeinsam wiederbelebt. Wir geben mit unserer Historie, großem Programm und großen Feldern den Mehrwert. Der Weltverband befindet sich im Umbruch und im Neuaufbau. Deswegen ist das, was wir über die Regattawochen-Klassiker tun, enorm wichtig, um den Sport zu definieren.

Welche Aufgaben sehen Sie für die Kieler Woche noch?

Ein großes Thema ist der geplante Nationalpark Ostsee. Wir wollen darstellen, dass die Kieler Woche und der Segelsport in der Ostsee nicht im Widerspruch zu Umwelt- und Naturschutz stehen.

Sie sind als Chef von rund 1.000 Mitarbeitern in einem großen Unternehmen beruflich stark gefordert, als Vizepräsident im DSV für den Bereich Leistungssport verantwortlich und sportlicher Dirigent der Kieler Woche. Wie schaffen Sie das alles?

Im Verband hatte ich ein anspruchsvolles Lehrjahr, weil ich die Vizepräsidentschaft gleichzeitig mit meinem neuen Job übernommen habe. Das hatte ich unterschätzt. Da bin ich noch nicht so weit gekommen, wie ich eigentlich gehofft hatte. Ich möchte in Zukunft mehr Kontakte aus Indus­trie und Wirtschaft reinbringen, um noch mehr Perspektiven für die Athleten zu schaffen. Die Arbeit für die Kieler Woche ist mein Jungbrunnen. Daraus ziehe ich die Energie, die mir an anderen Stellen im Beruf und auch im Verband hilft.


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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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