Auf dem höchsten Podestplatz beim deutschen Dreifacherfolg im 420er standen am Dienstagnachmittag Lysander Winter und Constantin Bötsch. Im vergangenen Jahr zur IDM vor Schilksee hatte das Duo im Schlussspurt noch Platz drei gerettet. Jetzt haben sie das Revier auf der Kieler Außenförde endgültig zu ihrem gemacht: Die junge Crew vom Norddeutschen Regatta Verein hatte das erste Rennen auf der Kieler Förde gewonnen, streifte sich zum zweiten Tag das Gelbe Trikot über und verteidigten die Farbe der Führenden am letzten Tag nach insgesamt sechs Wettfahrten, ohne noch einmal auf das Wasser zu müssen.
Der Speed war von einer anderen Welt” (Lysander Winter)
Als das Flaggen-Signal zum Abbruch aller weiteren Wettfahrten gesetzt wurde, klatschte das Duo befreit ab: „Geil, Digger!“ Für Lysander Winter und Constantin Bötsch bedeutete der Sieg einen wichtigen Schritt für die weitere Saisonplanung. Das Team will sich die einzige deutsche Fahrkarte zu den World Sailing Youth Worlds im Dezember in Brasilien sichern. Dafür markierte die Kieler Woche die erste von zwei Ausscheidungsregatten.
„Endlich hat es mal hier in Kiel geklappt. Wir hatten uns gut vorbereitet und zu dieser Regatta unser neues Boot bekommen. Der Speed war von einer anderen Welt, und unsere Starts waren mega“, kommentierte Steuermann Lysander Winter die gelungene Serie mit den Ergebnissen 1, 1, (21), 3, 4, 1. „Trotzdem war es eng. Die Top-Teams segeln auch bei diesen trickreichen Bedingungen stabil.” Im 420er blieben alle drei Medaillen in Deutschland. Zweite wurden Amelie Wehrle/Riccardo Honold (Bodensee) vor den Deutschen Jugendmeistern des Vorjahres, Johann Emmer und Jannis Liebig (Berlin).
Im 2.4mR war es in diesem Jahr einmal nicht Dominator Heiko Kröger, der am Ende auf dem obersten Podestplatz stand. Der Paralympics-Sieger musste mit Bronze zufrieden sein. Nach intensiven Trainings in diesem Frühjahr belohnte sich der Italiener Antonio Squizzato vom Gardasee mit dem Gesamtsieg im 2.4mR. Im pinkfarbenen Shirt des Drittplatzierten war der Steuermann vom Verein Canottieri Garda Salò in den finalen Tag gestartet. Mit einem fast perfekten Finaleinsatz (1, 2, 1) katapultierte er sich noch an die Spitze.
„Mein Club und der Verband haben in den vergangenen Wochen ein großartiges Training organisiert. Ich habe viel am Trimm gearbeitet und bin froh, diesen Sieg mit nach Hause zu bringen“, freute sich der 49-Jährige über seinen Erfolg mit nur acht Punkten auf dem Kieler-Woche-Konto nach sechs Rennen in leichten Winden. Platz zwei sicherte sich der Belgier Ben van Cauwenbergh. Heiko Kröger erkannte die für ihn ungewohnte Rangfolge kurz und knapp an: „Die beiden waren diesmal schlicht besser als ich.“
Es war wunderbar, und ich komme sicher wieder” (Michal Strumnik)
Bei den OKs erkämpfte sich der Hamburger Sönke Behrens seinen dritten Platz hinter Michal Strumnik aus Polen und dem Dänen Thomas Gabs in den drei Rennen am Finaltag hart. Für Michal Strumnik kam der Erfolg gleich bei seiner Kieler-Woche-Premiere. Der Steuermann vom Verein Przygoda erzählte: “Ich wollte immer mal hierherkommen. Es war wunderbar, und ich komme sicher wieder.” Für die Teilnahme an der Kieler Woche hatte Strumnik auf den WM-Start verzichtet. “Dafür fehlt mir leider die Zeit. Ich plane für die Europameisterschaft im Herbst auf dem Gardasee.“ Der 40-Jährige gehört zu den Youngstern in der traditionsreichen Klasse, ist aber noch ganz frisch in der OK-Jolle unterwegs. „Es hat sich aber gleich sehr gut angefühlt”, sagte Strumnik in Kiel.
Der zweitplatzierte Thomas Gabs aus Dänemark segelte in der OK-Jolle seine zweite Kieler Woche. Vor zwei Jahren hatte er im ersten Anlauf Platz 21 erreicht. Jetzt machte er einen großen Sprung nach vorn. „Ich bin sehr glücklich. Es waren keine leichten Bedingungen mit drehenden Winden und kabbeligen Wellen vor der Steilküste. Der Pole war einfach zu schnell.” Mit Rang drei im letzten Rennen gelang dem Hamburger Sönke Behrens noch den Sprung auf das Kieler-Woche-Podium, da sich alle anderen Anwärter auf den Bronze-Platz ihre Streichresultate erlaubt hatten.