Die Kieler Woche 2026 spitzt sich in den olympischen Klassen zu. Am Montag rückte vor Schilksee vor allem Lokalmatador Ole Schweckendiek in den Mittelpunkt: Der Segler vom Kieler Yacht-Club gewann das einzige Tagesrennen im ILCA 7 und übernahm damit die Gesamtführung.
Damit beantwortete der dritte Segeltag gleich mehrere Fragen, die sich nach dem starken und zugleich angespannten Kieler-Woche-Sonntag gestellt hatten. Die 470er-Führenden Simon Diesch und Anna Markfort bestätigten ihre Form. In der deutschen Paradedisziplin 49er dagegen wurde der Montag für mehrere Mitfavoriten zum Dämpfer.
Am Dienstag fällt in allen sechs olympischen Disziplinen des Sailing Grand Slams die Entscheidung, wer in die Medal Races der Top Ten am Mittwoch einzieht.
Ole Schweckendiek ging als Zweiter in den Montag und kam als Führender zurück an Land. Mit seinem Tagessieg schob er sich im ILCA 7 vor Attilio Borio aus Italien, der das zweite Gruppenrennen gewann. Dahinter folgt Mark Hestbæk aus Dänemark.
Der zuvor führende Franzose Alexandre Kowalski hatte mit den schwachen Winden zu kämpfen und fiel auf Rang sieben zurück. Für Schweckendiek war es dagegen ein Tag, an dem vor allem Geduld und Konzentration wegen anhaltend wenig Wind zählten.
„Das fühlt sich richtig gut an. Es war ein langer, anstrengender Tag mit wenig Output, aber ich habe das Beste daraus gemacht“, sagte Schweckendiek laut Veranstalterangaben.
Ab Dienstag segelt der Kieler nicht mehr als Verfolger, sondern als Gejagter. Deutlich schwieriger ist die Lage für Philipp Buhl. Der dreifache Olympia-Teilnehmer liegt nach dem Montag auf Rang 16 und muss um den Einzug in die Medaillenrennen kämpfen.
Im 470er Mixed bleibt das deutsche Spitzenteam Simon Diesch und Anna Markfort das Maß der Dinge. Die Vize-Weltmeister bauten ihre Führung mit zwei weiteren Tagessiegen aus und gehen als klare deutsche Hoffnung in den vorletzten olympischen Segeltag der Kieler Woche.
Nicht alles lief fehlerfrei. In der sechsten Wettfahrt, als die Seebrise aufkam, kamen Diesch und Markfort nur auf Rang 13. „Da haben wir aufs falsche Pferd gesetzt“, räumte Steuermann Diesch ein. Danach stabilisierte sich das Duo wieder und gewann die letzte Wettfahrt.
Für Dienstag formulierte Anna Markfort die Aufgabe knapp: „Gute Entscheidungen treffen und schnell im Kopf bleiben.“
Hinter Diesch und Markfort lauern Malte Winkel und Bente Batzing. Sie liegen vor der schwedischen Liljegren-Crew und halten den deutschen Doppelerfolg im 470er weiter in Reichweite.
Deutlich härter traf der Montag die deutschen 49er. Als einzige deutsche Crew erreichten Richard Schultheis und Fabian Rieger die Eliminierungsrennen. Sie kamen aus der Vorrunde auf Rang 19, haben im neuen Format aber weiter die Chance, ihren Rückstand zu egalisieren und in den Kampf um die Medaillen zurückzukehren.
„Die Karten werden neu gemischt. Wir waren nicht zufrieden, aber haben viel gelernt und fühlen uns für die anhaltenden, leichten Winde inzwischen besser vorbereitet“, sagte Vorschoter Rieger.
Für andere deutsche Teams ist der Weg nach vorn dagegen vorzeitig verbaut. Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger verpassten nach einer missglückten letzten Wettfahrt als 29. den Cut der Top 20. Auch Per und Frederik Schwall auf Rang 27 sowie Moritz Dorau und Fynn Kaufhold fielen unter die Grenze zur Goldflotte.
An der Spitze verteidigten Nevin Snow und Ian Macdiarmid aus den USA das gelbe Trikot. Dahinter folgen Hernán Umpierre und Fernando Diz aus Uruguay sowie Oscar Gunn und Mattias Coutts aus Neuseeland.
Besser lief es für die deutschen Skiffseglerinnen im 49erFX. Maru Scheel und Freya Feilcke aus Kiel rückten mit einem Rennsieg und einem zweiten Platz auf Rang drei vor. Am Dienstag gehen sie im roten Trikot aufs Wasser.
„Wir hatten endlich einen guten Überblick und uns besser freigesegelt als zuvor“, sagte Steuerfrau Scheel. Auch Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer als Fünfte sowie Marla Bergmann und Hanna Wille als Zwölfte haben noch Chancen auf den Einzug in die Medaillenrennen.
Im ILCA 6 bleibt Dänemark vorn. Helena Wolff übernahm nach der einzigen Tageswettfahrt das gelbe Trikot von ihrer Landsfrau Anna Munch und führt nun mit drei Punkten Vorsprung. Der Tagessieg ging an Viktorija Andrulyte aus Litauen, die wegen zweier Frühstart-Disqualifikationen vom Vortag aber nur auf Rang 26 liegt. Julia Büsselberg aus Berlin fiel nach einem 32. Platz auf Gesamtplatz zwölf zurück.
Im Nacra 17 dominieren John Gimson und Anna Burnet aus Großbritannien. Die Olympia-Medaillengewinner gewannen vier der bislang fünf Wettfahrten und liegen klar vorn. Dahinter folgen die schwedische Crew Järudd/Jonsson und Ruben und Rita Booth aus Australien. Julian Hoffmann und Alica Stuhlemmer vom Kieler Yacht-Club sind als einzige deutsche Crew im Feld der foilenden Katamarane auf Rang 16.
Auch bei der Internationalen Deutschen Inshore-Meisterschaft im Seesegeln gab es am Montag klare Führende. In ORC A/B setzte sich der Däne Tue Steen Anderson mit „Al Capone 2.0“ an die Spitze. Drei Tagessiege brachten seiner Crew vier Punkte Vorsprung vor „Dixi 5“ mit Steuermann Erik Stannow. Lars Hidde folgt mit „Pure“.
In ORC C/D übernahm Michael Berghorn mit „Halbtrocken 3.1“ zunächst die Führung, musste laut Veranstalterangaben aber noch eine Disqualifikation fürchten, weil seine Mannschaft beim Kontrollwiegen offenbar das Gewichtslimit überschritt. Profitieren könnten „Niramo“ von Sönke Meier Sawatzki und Johannes Wackerhagen sowie „Lil’Desna“, die bei leichten nordöstlichen Winden zwei Tagessiege holte.
Der Dienstag entscheidet nun, wer sich für die Medal Races in Stellung bringt. Für die deutschen Teams ist die Lage sehr unterschiedlich: Schweckendiek trägt im ILCA 7 Gelb, Diesch und Markfort haben im 470er weiter die Kontrolle, im 49erFX ist ein Podiumsplatz greifbar. Im 49er dagegen muss die letzte verbliebene deutsche Crew den Reset des neuen Formats nutzen.
Die Kieler Woche 2026 ist Teil des Sailing Grand Slam und dient damit auch als Testfeld für den olympischen Segelsport auf dem Weg zu Los Angeles 2028. In den olympischen Klassen wurden die Rennformate an aktuelle Vorgaben und Tests des Weltseglerverbands World Sailing angepasst.
Auffälligste Änderung: Die sechs olympischen Disziplinen der ersten Kieler-Woche-Hälfte schließen ihre Serien nicht mehr nur mit einem, sondern mit jeweils zwei Medaillenrennen ab. Das soll die Spannung bis zum Schluss erhöhen und mehr Entscheidungen am Finaltag offenhalten.
Auch die Vorrunden und Flotteneinteilungen rücken stärker in den Fokus. YACHT hatte bereits im Zusammenhang mit dem Sailing Grand Slam berichtet, dass die Organisatoren große Felder übersichtlicher und sportlich hochwertiger strukturieren wollen. Statt lange auf eine spätere Goldflotte hinzuarbeiten, sollen Topsegler früher direkter aufeinandertreffen.
Für die Aktiven bedeutet das: Ein schwacher Start wiegt weiter schwer, ist aber nicht zwangsläufig das Ende aller Chancen. Wer den Cut in die nächste Runde schafft, kann im neuen System noch einmal angreifen. Für Zuschauerinnen und Zuschauer sollen die Rennen dadurch leichter zu verfolgen sein und die Entscheidungen am Ende klarer zugespitzt werden.
Am Dienstag, 23. Juni, entscheidet sich in den sechs olympischen Disziplinen des Sailing Grand Slams, wer in die Medal Races der Top Ten einzieht. Ole Schweckendiek geht im ILCA 7 als Führender in den vorletzten olympischen Segeltag. Simon Diesch und Anna Markfort wollen ihre 470er-Führung verteidigen. Im 49er müssen Richard Schultheis und Fabian Rieger das neue Format nutzen, um aus Rang 19 zurück in den Medaillenkampf zu kommen.
Ist das neue Rennformat im 49er eine faire zweite Chance oder eine künstliche Rettungsleine für Teams, die die Vorrunde verpatzt haben? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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