Kieler Woche 2026Vier deutsche Medaillen, acht Finals fallen aus

Lars Bolle

 · 24.06.2026

Meteorologe Sebastian Wache mit dem Windmesser. Kein Rädchen dreht sich.
Foto: Julia-Elisa Dreyer
​Die olympische Halbzeit der Kieler Woche 2026 endet mit vier deutschen Medaillen und einem Wetterdämpfer. Wegen Flaute konnten am Mittwoch nur vier von zwölf geplanten Medal Races gesegelt werden. Besonders bitter war das für Ole Schweckendiek und Philipp Buhl im ILCA 7.

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Die Organisatoren der Kieler Woche 2026 wollten ihren olympischen Finaltag mit einem neuen Spannungsformat zuspitzen. Statt eines einzigen Medal Races waren in den sechs olympischen Klassen jeweils zwei Medaillenrennen geplant. Doch am Mittwoch bestimmte nicht das Format das Geschehen , sondern der fehlende Wind.

Nur vier von zwölf geplanten Finalrennen kamen zustande. Aus deutscher Sicht blieb dennoch eine starke Bilanz: vier Medaillen, darunter Gold im 470er Mixed mit einem rein deutschen Podium und Bronze für Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer im 49erFX. Zugleich blieb einigen deutschen Hoffnungen die letzte Chance auf dem Wasser verwehrt.

Besonders hart traf das Ole Schweckendiek und Philipp Buhl. Die beiden ILCA-7-Segler lagen als Vierter und Fünfter noch in Reichweite des Podiums, konnten wegen der Flaute aber nicht mehr angreifen.

Vier Medaillen für Deutschland, aber kaum Finalrennen

Die größte deutsche Erfolgsmeldung kam aus dem 470er Mixed. Dort gab es ein rein deutsches Podium. Weil kein Finale mehr gesegelt werden konnte, blieb es beim Stand vor dem Finaltag. Gold, Silber und Bronze holten sich Simon Diesch und Anna Markfort, gefolgt von Malte Winkel und Bente Batzig sowie Theresa Löffler und Christopher Hoerr.

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Damit bekam der Mittwoch einen widersprüchlichen Charakter. Aus deutscher Sicht war der Medaillenertrag gut. Sportlich blieb aber ein Teil der erwarteten Finalspannung aus, weil acht der zwölf geplanten Medal Races nicht mehr stattfinden konnten.

Die weiteren Goldmedaillen in den olympischen Klassen gingen an die Schweiz im 49er, Kanada im 49erFX, Italien im ILCA 7, Dänemark im ILCA 6 und Großbritannien im Nacra 17.

49erFX: Bronze nach Sekundenkrimi und Regelvergleich

Die 49erFX-Frauen waren die erste und zunächst einzige Klasse, die am Mittwoch zu Wettfahrten kam. In beiden Medal Races wechselten die Positionen im Sekundentakt. Am Ende gewannen Georgia und Antonia Lewin-Lafrance aus Kanada überlegen die Kieler Woche. Silber ging an Helen Pais und Helen Ausman aus Estland.

Dahinter wurde es für Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer dramatisch. Das deutsche Duo lag am Ende punktgleich mit Johanne und Andrea Schmidt aus Dänemark. Den Ausschlag gab Anhang A 8.1 der Wettsegelregeln: Der erste Platz von Steinlein/Bartelheimer im Vergleich zum vierten Platz der Däninnen entschied Bronze zugunsten der NRV-Crew.

Auch Marla Bergmann und Hanna Wille setzten in den Finals noch ein Ausrufezeichen. Sie waren die beste Finalcrew, kamen in der Gesamtwertung aber nur noch auf Rang sechs.

49er: Schweizer Gold, Schultheis/Rieger auf Rang acht

Im Männer-Skiff fiel die Goldentscheidung knapper aus. Joshua Richner und Nilo Schärer aus der Schweiz gewannen vor Illy Wureit und Yuval Barnoon aus Israel. Bronze holten Nevin Snow und Ian Macdiarmid aus den USA.

Richard Schultheis und Fabian Rieger konnten aus deutscher Sicht nicht mehr in den Medaillenkampf eingreifen. Nach der ersten Finalwettfahrt hatten sie als Siebte keine Chance mehr auf das Podium und beendeten die Kieler Woche auf Rang acht.

Interessant bleibt die Einordnung des neuen Olympia-Formats. Die Schweizer gewannen zwar, zeigten sich aber trotzdem nicht besonders begeistert davon. Für die Kieler Woche war der Finaltag damit auch ein Praxistest mit gemischtem Ausgang: mehr Spannung auf dem Papier, aber zu wenig Wind für den kompletten Beleg auf dem Wasser.

Flaute stoppt Schweckendiek, Buhl und die Nacra 17

Auch die ILCA 6 und ILCA 7 segelten am Mittwoch keine weitere Wettfahrt mehr. Meteorologe Sebastian Wache erklärte, der schwache Gradientwind habe lange gegen die thermische Seebrise gearbeitet. Immer wieder habe es Flautenlöcher und starke Winddreher gegeben. Selbst dicht unter Land vor dem Eingang zur Kieler Innenförde habe sich keine stabile Brise aufgebaut.

Im ILCA 7 gewann dadurch Attilio Borio aus Italien vor Lorenzo Mayer aus Frankreich und John Frederik Wolff aus Dänemark. Ole Schweckendiek aus Kiel und Philipp Buhl aus Sonthofen blieb als Viertem und Fünftem nur das Nachsehen. Beide hatten noch Chancen auf einen Sprung aufs Podium, bekamen aber kein finales Rennen mehr.

Im ILCA 6 gab es einen dänischen Doppelsieg. Helena Wolff gewann vor Anna Munch, Bronze ging an Chiara Benini Floriani aus Italien.

Auch die Nacra 17 blieben mangels Wind im Hafen. John Gimson und Anna Burnet aus Großbritannien gewannen vor Emil Jarüdd und Hanna Jonsson aus Schweden. Ruben und Rita Booth aus Australien kamen punktgleich auf Rang drei.

Nach der olympischen Halbzeit übernimmt die zweite Woche

Mit den Entscheidungen in den olympischen Klassen ist die Kieler Woche noch lange nicht vorbei. Die zweite Regattahälfte begann am Mittwoch allerdings ebenfalls mit Warten. Die Weltmeisterschaft der Flying Dutchman wurde nach dem Flaggeneinmarsch von elf Nationen und einer Eröffnung in der Sailing Arena zunächst nur an Land gestartet.

Erst gab es zwei, dann drei Stunden Startverschiebung. Danach wurde der WM-Auftakt ganz abgesagt. Am Donnerstag soll es um 11 Uhr losgehen. Die weiteren internationalen Klassen mit dem Eurocup der 29er sind für 13 Uhr angesetzt.

So bleibt vom Mittwoch ein doppelte Bilanz: Deutschland holt vier Medaillen in der olympischen Halbzeit, aber der Finaltag selbst bleibt unvollendet. Die Kieler Woche bekam die erhoffte Spannung nur dort, wo der Wind noch mitspielte.


Vier deutsche Medaillen und trotzdem ein Finaltag mit Fragezeichen: Ist ein neues Format überzeugend, wenn am Ende der Wind acht von zwölf Rennen streicht? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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