Die 127. Kieler Woche kommt!Boris Herrmann ist der Star der Kieler Woche

Tatjana Pokorny

 · 03.09.2021

Die 127. Kieler Woche kommt!: Boris Herrmann ist der Star der Kieler WocheFoto: Deutscher Radiopreis / Benjamin Hüllenkremer

Ob als Segler, Buchautor, Meeresschützer oder Laudator beim Deutschen Radiopreis: der Weltumsegler nimmt mit viel Dynamik Kurs auf Kiel. Interview

Weltumsegler Boris Herrmann bleibt ein viel gefragter und viel beschäftigter Mann. Zwischen zwei Trainingseinsätzen vor Kiel war er am Donnerstagabend als Laudator für die „Beste Sendung“ beim Deutschen Radiopreis 2021 im Schuppen 52 im Hamburger Hafen im Einsatz. Schon am Samstagmorgen fällt für den 40-Jährigen der Startschuss zum Welcome Race der Kieler Woche, an dem er mit seinem Team Malizia und Susann Beucke, der Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spiele, auf einem schnellen GC32-Katamaran teilnimmt.

Mit diesem sportlichen Einsatz läutet Herrmann sein intensives Heimspiel in Kiel ein. Der Vendée-Globe-Fünfte, der aktuell seine Fünf-Jahres-Kampagne mit Teilnahmen am The Ocean Race (2022/2023), dem zweiten Vendée-Globe-Start (2024/2025) und den Bau seines neuen Bootes in Frankreich vorantreibt, eröffnet die Kieler Woche offiziell am Samstagnachmittag und wird auch für Fans während der neuntägigen ältesten und größten deutschen Regattawoche nahbar sein. Offizielle Autogrammstunden sind an beiden Kieler-Woche-Sonntagen am Stand von Herrmanns Team im Olympiazentrum Kiel-Schilksee geplant: am 5. September zwischen 12 und 13 Uhr, am 12. September zwischen 11 und 12 Uhr. Neun Tage durchgehend wird das Team Malizia in Kiel das Meereslabor zeigen, mit dessen Hilfe Herrmann während der Vendée Globe in entlegenen Revieren wertvolle Daten für die Forschung sammelte. Auch das erweiterte Kinder- und Jugend-Bildungsprogramm und weitere Engagements sind Themen des engagierten Kieler-Woche-Auftritts.

  Boris Herrmann glücklich dort, wo er so gerne ist: auf SeeFoto: Team Malizia
Boris Herrmann glücklich dort, wo er so gerne ist: auf See

Knapp zwei Wochen vor Veröffentlichung seines sehr persönlichen Buches „Allein zwischen Himmel und Meer“ (exklusive Auszüge lesen Sie in YACHT 19 und YACHT 20!), das im Doppelpass mit Co-Autor Andreas Wolfers, dem ehemaligen Leiter der Henri-Nannen-Journalistenschule, entstand, sprach Boris Herrmann mit YACHT online über die emotional fordernde Arbeit an seiner Vendée-Globe-Bilanz, die Vorfreude auf das Gastspiel in Kiel und die Fortschritte seines anspruchsvollen Doppel-Projekts.

Herr Herrmann, Sie haben mit Ihren Co-Autor Andreas Wolfers mehr als ein Jahr an Ihrem Buch „Zwischen Himmel und Meer“ gearbeitet. Eine Herausforderung der anderen Art?

Es war gar nicht einfach, mich noch einmal so intensiv mit der Vendée Globe auseinanderzusetzen. Mit dem Rennen waren eine so große Intensität, eine seelische Last und auch Erschöpfung verbunden. Davon will man sich eigentlich erholen und es nicht noch einmal durchleben. Andreas Wolfers hat den Prozess federführend gemanagt. Wir hatten auch eine Menge Diskussionen. Das Ergebnis war sie alle wert.

Worüber haben Sie mit Ihrem Co-Autoren diskutiert?

Er hatte es nicht leicht mit mir, denn erstens weiß ich alles besser, zweitens bin ich das Kind eines Deutschlehrers und drittens wollen wir mehr als nur die Geschichte der Vendée Globe zu erzählen.

Was erwartet Ihre Leser?

Ganz sicher ein ehrliches Buch. Ich glaube, es hat noch nie einen Autoren gegeben, der wie Andreas Wolfers ein Rennen so dicht am Team über eine so lange Zeit 1:1 miterlebt und mitverfolgt hat. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Er hat sich meine Betrachtung zu eigen gemacht. Man muss sich dafür sehr vertrauen. Das haben wir. Die Sprache des Buches beschreibt alles so, dass man keine seglerischen Fachkenntnisse braucht. Es ist für alle, die die Vendée Globe noch einmal nacherleben wollen und Abenteuer lieben.

  Boris Herrmann auf der „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco vor Les Sables-d'Olonne. Beim Start zu seiner historischen Vendée-Globe-Premiere wusste Herrmann selbst nicht, was ihn alles erwarten würde. Jetzt hat er aus seiner Weltumsegelung gemeinsam mit Co-Autor Andreas Wolfers ein abenteuerliches Buch gemachtFoto: Andreas Lindlahr/seaexplorer-YC de Monaco
Boris Herrmann auf der „Seaexplorer – Yacht Club de Monaco vor Les Sables-d'Olonne. Beim Start zu seiner historischen Vendée-Globe-Premiere wusste Herrmann selbst nicht, was ihn alles erwarten würde. Jetzt hat er aus seiner Weltumsegelung gemeinsam mit Co-Autor Andreas Wolfers ein abenteuerliches Buch gemacht

Es spielen auch andere Vendée-Globe-Starter eine Rolle in Ihrem Buch?

Ja, beispielsweise der großartige Jean Le Cam mit seiner Ausnahmeleistung als 60-Jähriger, Kevin Escoffier, der unter dramatischen Umständen gerettet werden konnte. Oder auch Alex Thomson, der so viele Rückschläge einzustecken hatte.

Wie sind Sie auf den Titel gekommen?

Das Buch ist keine wissenschaftliche Abhandlung. Wir wollen nicht einengen, sondern inspirieren. Mir sind das Meer, der Horizont, die Ferne wichtig. Der Titel lässt Raum für vieles.

Sie arbeiten aktuell an einer Doppelampagne, wollen mit Ihrem Team und gutem Budget 2022/2023 am The Ocean Race teilnehmen und 2024/2025 zum zweiten Mal die Solo-Weltumsegelung Vendée Globe bestreiten. Wie laufen die Vorbereitungen?

Gut! Wir werden unseren Plan einhalten: Am 19. Juli 2022 wird der Stapellauf unseres neuen Bootes um 12 Uhr pünktlich in der Bretagne stattfinden. Wir haben starke und solide Unterstützung von Partnern, müssen keine Kompromisse machen.

Bislang haben für The Ocean Race, früher als Whitbread Round the World Race und Volvo Ocean Race bekannt, noch nicht viele Teams fest gemeldet…

Offiziell gemeldet sind das Team 11th Hour Racing und wir als Team Malizia. Das Offshore Team Germany ist auf halbem Weg. Alle haben große Hoffnungen, dass sie es schaffen. Es gibt eine gute Chance auf ein spannendes Rennen mit sechs, sieben Teams, aber wir würden auch im Duell mit 11th Hour Racing um die Welt segeln.

  Schöne Erinnerung an das Wiedersehen am Ende der Vendée-Globe-Weltumsegelung: Boris Herrmann und sein Team auf dem Steg in Les Sables-d'OlonneFoto: Martin Keruzoré/Seaexplorer/Yachtclub de Monaco
Schöne Erinnerung an das Wiedersehen am Ende der Vendée-Globe-Weltumsegelung: Boris Herrmann und sein Team auf dem Steg in Les Sables-d'Olonne

Sie werden die Kieler Woche am 4. September als Stargast eröffnen, folgen damit prominenten Vorgängern wie dem früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss (1950/1951), Willy Brandt (1958), Kanzlerin Angela Merkel (2008), Schwimmstar Franziska van Almsick (2009) oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2018).

Ich freue mich sehr auf den Moment und empfinde es als Ehre, dazu eingeladen worden zu sein.

Zuvor nehmen Sie mit Ihrem Team am Welcome Race teil und haben am 4. September zum Auftakt der Kieler Woche den Rekord für den Kurs von Kiel nach Eckernförde im Visier...

Den Rekord über die knapp 30 Seemeilen hält seit 2014 der Trimaran „Musandam-Oman Sail“ mit 1:47 Stunden und 22 Sekunden. Der ist schwer und nur bei idealen Bedingungen zu knacken. Aber wir freuen uns sehr auf die Herausforderung und das Heimspiel bei der Kieler Woche. Wir sind mit mehreren Booten, darunter der GC32-Katamaran und eine Flax27 von Greenboats, dabei. Wir sind mit einem Team-Malizia-Stand in , werden unter anderem unser Meereslabor zeigen, das wir während der Vendée Globe genutzt haben.

  Im Training vor Kiel: Team Malizia auf dem GC32-Katamaran, mit dem Boris Herrmann und seine Crew das Welcome Race der Kieler Woche segelnFoto: Team Malizia
Im Training vor Kiel: Team Malizia auf dem GC32-Katamaran, mit dem Boris Herrmann und seine Crew das Welcome Race der Kieler Woche segeln
  Team Malizia bei der Arbeit im Olympiazentrum Kiel-Schilksee: Hier kommt der GC32-Katamaran „Malizia I“ ins WasserFoto: Team Malizia
Team Malizia bei der Arbeit im Olympiazentrum Kiel-Schilksee: Hier kommt der GC32-Katamaran „Malizia I“ ins Wasser

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