Tatjana Pokorny
· 17.06.2023
Die 129. Kieler Woche ist seit Samstagmittag um 13.24 Uhr eröffnet. Auf der Bühne im Olympiazentrum in Schilksee wurde das Startsignal für die neuntägige Regattawoche gegeben. Prominente Gäste waren Sportchef Dirk Ramhorst, Offshore-Seglerin Sanni Beucke, Rodion Luka als Präsident des ukrainischen Segelverbandes, Pressechef Andreas Kling, Schleswig-Holsteins Innen- und Sportministerin Sabine Sütterlin-Waack, Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und der Präsident der Kapverden, Ulisses Correia e Silva.
Die belebte und bunt beflaggte Kieler-Woche-Herzkammer in Kiel-Schilksee empfing die Aktiven, die Organisatoren, die internationalen Gäste und die Besucher unter strahlend blauem Kieler Himmel. Sportlich ging es zunächst im Zeitlupentempo mit einigen Verschiebungen los, weil der Wind nur sehr langsam in Fahrt kam.
Wir stehen in zeitlichem Konflikt mit zwei großen Veranstaltungen” (Dirk Ramhorst)
Mit rund 3.000 Seglern und Seglerinnen kann die Kieler Woche in diesem Jahr nicht an frühere Teilnehmerzahlen jenseits der 4.000 anknüpfen. Einen Aderlass hat die wichtigste deutsche Segelserie vor allem in der ersten olympischen Halbzeit hinzunehmen. Hier kämpfen nur rund 500 Seglerinnen und Segler um Kieler-Woche-Siege.
“Wir stehen in zeitlichem Konflikt mit zwei großen Veranstaltungen”, sagte Dirk Ramhorst. Der Sportchef der Kieler Woche spielt damit auf die olympische Testregatta in Marseille ab dem 7. Juli und die alle vier Jahre ausgetragenen Segelweltmeisterschaften aller olympischen Disziplinen in Den Haag im August an. “Die Zyklen der Vorbereitung der Segler auf diese Saisonhöhepunkte sind schwer kompatibel mit einer Teilnahme an der Kieler Woche”, erklärte Ramhorst.
Wie der dänischen Ilca-6-Olympiasiegerin Anne-Marie Rindom oder den italienischen Nacra-17-Olympiasiegern Ruggero Tita und Caterina Banti, die zunächst für die Kieler Woche gemeldet hatten, dann aber kurz vorher aufgrund von Überschneidungen mit ihren Trainingsfenstern für die Jahreshöhepunkte ihre Meldungen wieder zurückzogen, ging es in diesem Jahr vielen internationalen Top-Crews.
Die Besten aus der Segelnationalmannschaft allerdings hält der enge Zeitplan nicht vom Aufkreuzen im Heimatrevier ab. Zwar fehlt Laser-Weltmeister Philipp Buhl, weil der Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein zeitgleich an der Motten-Weltmeisterschaft im ehemaligen britischen Olympiarevier vor Weymouth startet, doch Vereinskamerad und iQFoil-Weltmeister Sebastian Kördel ist dabei.
Für Nastja und mich ist es total schön, ein Heimatevent im familiären Umfeld zu bestreiten” (Malte Winkel)
Auch die starke deutsche 470er-Mixed-Trainingsgruppe mit den Weltmeistern Luise Wanser/Philipp Autenrieth (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club), den Vize-Europameistern Simon Diesch/Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee) und den für die Pre-Olympics qualifizierten Kieler-Woche-Titelverteidigern Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/Norddeutscher Regatta Verein) tritt auf der Förde an.
Malte Winkel sagte vor dem ersten Start: “Wir sind gerade von einem Training in Marseille zurück. Wir haben uns gemeinsam mit der deutschen 470er-Trainingsgruppe entschieden, bei der Kieler Woche zu starten. Für Nastja und mich ist es total schön, ein Heimatevent im familiären Umfeld zu bestreiten. Die Kieler Woche ist für unsere Partner und die Clubs ein sehr schönes Event.” So sieht es auch 470er-Mixed-Weltmeister Philipp Autenrieth: “Für uns ist es ein Weltcup in Kiel, und wir sind sehr gerne hier.”
Für uns ist es wichtig, dass wir racen können. Die Kieler Woche ist ein schönes Heimspiel” (Paul Kohlhoff)
Mit Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club) sind trotz ihrer Qualifikation für die olympische Testregatta auch die olympischen Bronzemedaillengewinner von Japan vor der eigenen Haustür dabei. Kohlhoff sagte mit Blick auf das kleine Feld der Nacra-17-Katamarane: “Für uns ist wichtig, dass wir racen können. Damit ist die Kieler Woche für uns ein schönes Heimspiel und ein gutes Training. Gerade bei den leichten Winden zum Auftakt, in denen wir noch Hausaufgaben zu erledigen haben.”
Der Kieler-Woche-Sportdirigent Dirk Ramhorst blickt der neuntägigen Serie ebenso positiv entgegen: “Ich bin sehr optimistisch. Der Hafen ist gut gefüllt. Wir sind nicht so groß, wie wir sein wollen, haben andere Ambitionen. Dennoch blicken wir einer exzellenten Woche entgegen, für die wir mit dem sehr gelungenen Ocean-Race-Fly-by vor einer Woche bereits gut vorgeglüht haben.”

Freie Reporterin Sport