128. Kieler WocheOlympiasegler vor dem Finalwochenende: Ein Nord-Süd-Duo und zwei Ehepaare im 470er-Mixed stark

Tatjana Pokorny

 · 24.06.2022

128. Kieler Woche: Olympiasegler vor dem Finalwochenende: Ein Nord-Süd-Duo und zwei Ehepaare im 470er-Mixed starkFoto: Sascha Klahn/Kieler Woche

Die neue Olympia-Disziplin 470er-Mixed rückt die Zwei-Personen-Jolle wieder ins Rampenlicht. Dazu tragen erfolgreiche Crews der Segelnationalmannschaft bei

Die Olympiasegler steuern bei der 128. Kieler Woche ihr Finalwochenende an. In der olympischen Hälfte wahrten die Akteure der Segelnationalmannschaft vor den letzten beiden Renntagen in fast allen Klassen Titel- oder Podiumschancen. In der neuen Olympia-Disziplin 470er-Mixed agieren zwei GER-Teams in den Top Drei: Luise Wanser/Philipp Autenrieth (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club) führen das Feld mit drei Punkten Vorsprung vor ihren verheirateten Teamkameraden Malte und Anastasiya Winkel (NRV/Schweriner Yacht-Club) und dem schwedischen Olympia-Zweiten Anton Dahlberg mit seiner Ehefrau Lovisa Karlsson an. Luise Wanser sagte nach zwei schwächeren Ergebnissen und einem Tagessieg am Freitag trotz Führung: "Wir haben zwei dumme Fehler gemacht. Das ist ärgerlich, denn wenn man ein Rennen gewinnen kann, hätte man auch alle drei gewinnen können."

  Rückten vor dem Finalwochenende auf Platz zwei im 470er-Mixed vor: Malte und Anastasiya WinkelFoto: Sascha Klahn/Kieler Woche
Rückten vor dem Finalwochenende auf Platz zwei im 470er-Mixed vor: Malte und Anastasiya Winkel
  Am Freitag lief es für das Duo Wanser/Autenrieth nur teilweise gut. Dennoch führen sie das 470er-Klassement vor dem Finalwochenende anFoto: Sascha Klahn/Kieler Woche
Am Freitag lief es für das Duo Wanser/Autenrieth nur teilweise gut. Dennoch führen sie das 470er-Klassement vor dem Finalwochenende an

Neben den beiden aktuellen deutschen Top-Crews bei der Kieler Woche machen weitere vielversprechende Teams die neue 470er-Mixed-Gruppe im German Sailing Team stark: Ihre erste gemeinsame Regatta bestreiten Simon Diesch (Württembergischer Yacht-Club) und Anna Markfort (VSaW/JSC). Sie wollen ausloten, ob sie eine gemeinsame Olympia-Kampagne für 2024 starten, und präsentieren sich mit Platz sechs zwei Tage vor den Entscheidungen im olympischen Teil der Kieler Woche vielversprechend. Zum Kreis der Olympia-Ambitionierten zählen auch Theres Dahnke/Matti Cipra (Plauer Wassersportverein) und weitere Crews. Wenn Konkurrenz das Geschäft belebt, dann könnte der nach längerer Durststrecke wieder ins Rampenlicht rückende 470er mit den attraktiven Mixed-Teams zu seiner früheren Rolle als olympische Paradedisziplin des Deutschen Segler-Verbandes zurückfinden. "Die Konkurrenz macht Spaß", sagte nicht nur Luise Wanser, die noch nie eine Kieler Woche gewinnen konnte, vor dem Finale.

  Auch die Österreicher Lara Vadlau und Lukas Mähr kämpfen bei der Kieler Woche als Vierte um einen Podiumsplatz im 470er-Mixed. Ebenso die Schweizer Yves Mermod und Maja Siegenthaler als FünfteFoto: ChristianBeeck.de/Kieler Woche
Auch die Österreicher Lara Vadlau und Lukas Mähr kämpfen bei der Kieler Woche als Vierte um einen Podiumsplatz im 470er-Mixed. Ebenso die Schweizer Yves Mermod und Maja Siegenthaler als Fünfte

Im olympischen 49er FX der Frauen lag am Freitagabend ein ungewöhnliches Duo vorn: NRV-Talent Sophie Steinlein segelt in der offen ausgeschriebenen Flotte mit dem olympischen 49er-Bronzemedaillengewinner Thomas Plößel. Dessen Steuermann Erik Heil konnte studienbedingt nicht zum Heimspiel antreten, arbeitet gerade im Krankenhaus und lernt. Plößel hält sich mit dem Mixed-Einsatz fit für das WM-Comeback mit Heil im August. Die Doppel-Bronze-Crew erwägt einen dritten Olympiaeinsatz. Dafür tankt Plößel bei der Kieler Woche Spaß am Segeln der kleineren 49er-Schwester 49er FX mit Sophie Steinlein. "Speed war heute unser Freund", sagte der erfahrene 34-Jährige nach den Wettfahrten in idealen Segelbedingungen lächelnd. Während Sophie Steinlein "viel, sehr viel" von Plößel lernen konnte, bewahrte sie selbst ihr Team vor einem Wettfahrt-Aus, weil sie im Gegensatz zu Plößel bemerkt hatte, dass der Kurs noch nicht abgesegelt war, als Plößel schon dem Ziel entgegenstreben wollte. Tina Lutz und Susann Beucke lagen bei ihrem Abschied vom olympischen Segelsport im 49er FX zwei Rennen vor Schluss auf Platz sechs und wahrten ihre Chance auf eine Top-Drei-Platzierung.

  Nik Aaron Willim kämpft am Wochenende im Ilca 7 um einen PodiumsplatzFoto: tati
Nik Aaron Willim kämpft am Wochenende im Ilca 7 um einen Podiumsplatz
  Plötzlich Spitenreiter in der bei der Kieler Woche offen ausgeschriebenen Olympia-Disziplin 49er FX: Sophie Steinlein mit dem zweimaligen olympischen Bronzemedaillengewinner Thomas PlößelFoto: tati
Plötzlich Spitenreiter in der bei der Kieler Woche offen ausgeschriebenen Olympia-Disziplin 49er FX: Sophie Steinlein mit dem zweimaligen olympischen Bronzemedaillengewinner Thomas Plößel

Die Windsurf-Disziplinen iQFoil für Männer und Frauen wurden am Freitag von den NRV-Assen Sebastian Kördel und Lena Erdil angeführt. Dabei waren dem in seinem kleinen Feld überragend agierenden Kördel in den ersten neun Rennen neun Siege in Folge gelungen. Im Ilca 7 wahrte auch Nik Aaron Willim als Vierter seine Chance auf einen ersten Kieler-Woche-Titel. Julia Büsselberg greift am Wochenende vom gleichen Platz aus wie Willim in der Ilca-6-Flotte an. Im Nacra 17 dominieren die italienischen Olympiasieger Ruggero Tita/Caterina Banti. Die Kieler Bronzemedaillengewinner Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer arbeiten nach der Babypause vom Steuermann als Zehnte noch am Wiederaufstieg in die Spitze.

Seebahn: Die einen kommen, die anderen gehen

Auf der Seebahn gehen die ganz unterschiedlichen Wettfahrten indessen direkt ineinander über. Während die Zweihand-Crews mit der Rückregatta von der Schlei ihren Senatspreis beendeten, bereiteten sich die Starter für das Silberne Band auf die Nachtregatta durch dänische Gewässer vor.

  Der Start zum zweiteiligen und zweitägigen Senatspreis mit Übernachtung in Schleimünde und Räucheraal aus der "Giftbude"Foto: Eckart Reinke/Kieler Woche
Der Start zum zweiteiligen und zweitägigen Senatspreis mit Übernachtung in Schleimünde und Räucheraal aus der "Giftbude"

Der zweite Teil des Senatspreises wurde zu einem echten Leuchtturm-Event der Kieler Woche: Das Wettfahrtleiter-Team um Ralf Paulsen steckte den Kurs zwischen zwei Wahrzeichen ab: Es ging vom grün-weißen Turm von Schleimünde zum rot-weißen Kiel-Leuchtturm. Nach rund zwei Stunden hatte die "Almost Nothing" von Steffen Müller (Wrist) die Bahn abgesegelt und gewann damit in der ORC I+II beide Senatspreis-Rennen. In der Gruppe der kleinen Yachten (ORC III+IV) konnte sich die "Astarte" von Klaus Ricklefs/Arne Rosenkranz (Kiel) durch den Sieg in der Rückregatta noch an die Gesamtspitze setzen. Souverän die beste Crew in der Yardstick-Wertung waren Olav und Finn Jansen (Kiel), die auf der "Norna" die Hin- und Rückregatta gewannen.

Nach dem Zieldurchgang ging es für die Seebahn-Wettfahrtleitung bereits daran, den Kurs für das Silberne Band auszugucken. Die Entscheidung fiel aufgrund der Strömungssituation im Großen Belt auf den Kurs gegen den Uhrzeigersinn, zunächst an Langeland vorbei, dann abbiegen und schließlich durch den Svendborg Sund im großen Bogen nach Kiel. Die 116 Seemeilen sind so abgesteckt. Das Zeitlimit wurde aufgrund der zu erwartenden Flautenlöcher auf 39 Stunden ausgeweitet.

  Die italienischen Olympiasieger Ruggero Tita und Caterina Banti führen das Kieler-Woche-Klassement mit sechs Rennsiegen in acht Wettfahrten souverän an und genossen die traumhaft schönen Segelbedingungen am FreitagFoto: Sascha Klahn/Kieler Woche
Die italienischen Olympiasieger Ruggero Tita und Caterina Banti führen das Kieler-Woche-Klassement mit sechs Rennsiegen in acht Wettfahrten souverän an und genossen die traumhaft schönen Segelbedingungen am Freitag

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