Für die sieben jungen und zumeist Kat-unerfahrenen Segler vom Sailing Team Germany und vom Norddeutschen Regatta-Verein schlug gestern die große Stunde: Endlich auf dem Wasser, endlich auf der Bay und endlich auf einem AC45-Katamaran. Vergessen waren die Schinderei im Kraftraum und das Keuchen beim Fitnesstest im Oracle-Hangar, der Extreme 40 in Frankreich und die Ungewissheit, wie’s denn wohl sein wird. "Voll cool”, lautete das kurze, aber klare Urteil von Taktiker Philipp Buhl. Und damit sprach er stellvertretend für seine Kollegen vom STG/NRV Youth Team. Und Justus Schmidt verschmerzte seine Rolle als Ersatzmann mit Blick aufs Panorama: "Es ist fantastisch, AC45 vor der Kulisse und bei den Bedingungen segeln zu sehen.”
Die Deutschen waren gemeinsam mit den Südafrikanern und den Neuseeländern in der Spätschicht dran, die bei Flaute in der South Bay begann. Auf einem AC45 mit Sparbesegelung (kleine Fock und keine Flügel-Verlängerung im Topp) vor sich hin zu driften ist ja nicht so prickelnd, doch das war nur der gemächliche Auftakt. Denn bald kam die Seebrise aus Westen durch, und der Schauplatz wurde in die Nähe von Alcatraz und den sogenannten Berkeley Circle verlegt, wo die Mannen um Steuermann Erik Heil schnell den Groove fanden. An Bord dabei: Roman Hagara und Darren Bundock, zwei der weltbesten Katsegler als Beobachter beziehungsweise Instruktoren.
"Die Boote sind überraschend stabil im Vergleich zum Extreme, beschleunigen aber besser”, fand Buhl. Man sei es gemächlich angegangen, um Geradeausfahren zu lernen. Der Flügel sei schon noch gewöhnungsbedürftig, da wird in den kommenden Tagen noch viel zu lernen sein, speziell wie man den Twist einstellt. Auch die Kommandos müssen klarer werden und einige Abläufe noch optimiert werden. Aber auch so seien raumschots mal 23 Knoten möglich gewesen. Kurz nur, doch ganz ansehnlich für den ersten Fahrversuch.
"Das sah alles schon recht ordentlich aus”, konstatierte Teamchef Markus Koy, der sich die Vorstellung vom Rib aus ansah. Er hilft den Seglern, die Abfolge der Handgriffe, die Laufwege und die Choreografie bei den Manövern zu erarbeiten und zu optimieren mithilfe von Videos und einer Art "Manöverdrehbuch”, das seitens der Veranstalter zur Verfügung gestellt wurde. "Da ist noch Raum nach oben”, sagte Koy.
Die Bewertung der einzelnen Teams wird durch die Beobachter an Bord vollzogen, die am Schluss nicht nur die Segelleistungen, sondern auch Faktoren wie Kommunikation und Koordination bewerten. Der Gesamteindruck sei wichtig, sagt Hagara. Die Entscheidung falle erst nach Abschluss der zweiten Sichtungswoche, zu der nochmals sechs Teams geladen sind. Vier bis fünf Startplätze stehen insgesamt angeblich noch zur Disposition.