Vom Foil-Flüsterer zum Designchef im 37. America’s CupMartin Fischer jagt den Cup fürs Königreich

Tatjana Pokorny

 · 25.01.2022

Vom Foil-Flüsterer zum Designchef im 37. America’s Cup: Martin Fischer jagt den Cup fürs KönigreichFoto: Privat/C. Launay

Er zählt zu den klügsten Köpfen der Segelwelt: Als Chefdesigner für Sir Ben Ainslies America’s-Cup-Team Ineos Britannia kämpft Fischer um die Silberkanne

Martin Fischer hat seinen nächsten Gipfelsturm im America’s Cup unter britischer Flagge eingeläutet. Als Chefdesigner für Sir Ben Ainslies Team Ineos Britannia will der 59-jährige Deutsche helfen, den nun schon 171 Jahre unerfüllten Siegtraum der englischen Cup-Jäger zu verwirklichen. Fischer hat sich schon vor Jahrzehnten in seiner am Hamburger Institut für Schiffbau absolvierten Diplomarbeit mit Tragflächen befasst, gilt in der Segelwelt auch als Foil-Flüsterer. Im Exklusiv-Interview in YACHT 3 (aktuell am Kiosk!) spricht der Meister futuristisch-foilender Hightech-Geschosse über seinen Traumjob, die britischen Cup-Chancen und sein neues Leben in England.

  Fischers neue Bosse: Sir Ben Ainslie und Rennstallbesitzer Jim Ratcliffe bei der Teamvorstellung, die von Georgie Ainslie moderiert wurdeFoto: Graham Ella/Ineos Britannia
Fischers neue Bosse: Sir Ben Ainslie und Rennstallbesitzer Jim Ratcliffe bei der Teamvorstellung, die von Georgie Ainslie moderiert wurde

Werden für Fischers neues Team aller guten Dinge drei sein? Sir Ainslie und seine „Cup-Ritter“ jagen die wichtigste Silberkanne des internationalen Segelsports zum dritten Mal in Folge. Vor Bermuda scheiterten die Briten 2017 ebenso mit zu langsamem Boot wie Anfang 2021 im 36. America’s Cup, als sie dem italienischen Luna Rossa Prada Pirellli Team im Finale der Herausfordererrunde unterlagen. Damals mitverantwortlich für das schnelle italienische Design: Martin Fischer. Der ist nun zu den Briten gewechselt und hat damit seinen Traumjob: „Viel besser geht es aus meiner Sicht nicht. Wenn man wie ich im Yachtdesign arbeitet, ist das der vielleicht begehrteste Job weltweit. Ich bin sehr froh, dass ich in diesem Team bin. Es war mein Wunsch, hierher zu kommen.“

  Einer der klügsten Köpfe seines Metiers: Martin Fischer in der NahaufnahmeFoto: Christophe Launay
Einer der klügsten Köpfe seines Metiers: Martin Fischer in der Nahaufnahme

Von Neukaledonien nach Oxford: Wo Fischer jetzt lebt und wirkt

Im Exklusiv-Interview spricht Martin Fischer über die Verschmelzung des Cup-Designteams mit dem Mercedes AMG Petronas Formel 1 Team, auf deren Firmengelände im britischen Brackley er und seine Mannschaft etwa 100 Kilometer nordwestlich von London arbeiten. Für die neue Aufgabe haben Fischer und seine Frau ihren Lebensmittelpunkt längst von Neukaledonien nach England verlegt. Sie wohnen in Oxford, von wo aus Fischer täglich zur Arbeit nach Brackley fährt.

  Gut, aber noch nicht gut genug: die britische Cup-Yacht im 36. America's Cup. Bei der 37. Auflage soll dem Team Ineos Britannia im dritten Anlauf der Durchbruch gelingenFoto: INEOS/Lloyd Images/Mark Lloyd
Gut, aber noch nicht gut genug: die britische Cup-Yacht im 36. America's Cup. Bei der 37. Auflage soll dem Team Ineos Britannia im dritten Anlauf der Durchbruch gelingen
  Schickte die Briten im 36. America's Cup auf die Zuschauerbank: das von Fischer mitentwickelte italienische Boot. Nach dem Seitenwechsel Fischers soll es für Ineos Britannia nun mit Design-Upgrade ins Cup-Duell gehenFoto: LunaRossa/Carlo Borlenghi
Schickte die Briten im 36. America's Cup auf die Zuschauerbank: das von Fischer mitentwickelte italienische Boot. Nach dem Seitenwechsel Fischers soll es für Ineos Britannia nun mit Design-Upgrade ins Cup-Duell gehen

Die vor ihm liegende schwere Aufgabe, den Briten ein siegfähiges Boot zu bescheren, wird nicht einfach durch die Regel, dass pro Team nur ein Neubau erlaubt ist. „Du hast einen Versuch, und das ist es“, bringt Fischer die Herausforderung auf den Punkt. Im Team, so Fischer, sei bekannt und ausgesprochen, dass es in der Vergangenheit nicht optimal gelaufen sei. Fischer erzählt: „Es ist allen klar, dass es zweimal nicht gut lief. Deswegen herrschen aber weder Angst noch Pessimismus. Da wird offen drüber gesprochen. Jim Ratcliffe hat es bei der Teamvorstellung fast wortwörtlich so gesagt: Dass das Boot beim letzten Mal schlichtweg zu langsam war und man mit dem nicht gewinnen konnte. Und dass das anders werden muss.“

Für nichts weniger treten Fischer und die Design-Vordenker von Ineos Britannia an. Was Fischer über die neuen Design-Ideen, die Komplexität seiner Arbeit und weitere neue und revolutionäre Cup-Regeln sagt, lesen Sie im Interview in YACHT 3. Das Heft ist jetzt am Kiosk erhältlich.

Die Cup-Welt erwartet indessen bis Ende März, möglicherweise aber schon eher, die schon zweimal verschobene Bekanntgabe des künftigen Austragungsreviers durch die neuseeländischen Verteidiger. Im Rennen sind nach Recherchen des neuseeländischen Journalisten Richard Gladwell mit Barcelona, Malaga und Cork aktuell drei europäische Häfen.

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